verfassungsfeindlich

Grammatik Adjektiv · Komparativ: verfassungsfeindlicher · Superlativ: am verfassungsfeindlichsten, Steigerung selten
Worttrennung ver-fas-sungs-feind-lich
Wortzerlegung Verfassung1 -feindlich
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

(aktiv) gegen die Verfassung¹ gerichtet, sie ablehnend und bekämpfend
Kollokationen:
als Adjektivattribut: verfassungsfeindliche Bestrebungen, Umtriebe, Aktivitäten, Symbole, Kennzeichen, Abzeichen, Parolen, Organisationen, Ziele, Propaganda; eine verfassungsfeindliche Gesinnung, Zielsetzung, Betätigung, Agitation, Verunglimpfung; verfassungsfeindliches Gedankengut
mit Adverbialbestimmung: eindeutig, womöglich, möglicherweise, angeblich verfassungsfeindliche [Ziele, Parteien] unterstützen
als Prädikativ: jmdn., etw. als verfassungsfeindlich einstufen, bezeichnen; jmdn., etw. verfassungsfeindlich nennen
als Adverbialbestimmung: sich verfassungsfeindlich betätigen; verfassungsfeindlich agieren
Beispiele:
»Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit«, heißt es im Grundgesetz. Entsprechend hoch liegen die Hürden für ein Verbot. Das Bundesverfassungsgericht kann Parteien nicht einfach verbieten, selbst wenn sie verfassungsfeindliche Ideen verbreiten. Es muss zu dem Schluss kommen, dass die betreffende Partei eine »aktiv kämpferische, aggressive Haltung gegenüber der freiheitlich demokratischen Grundordnung« an den Tag legt und deren Abschaffung anstrebt. [Die Welt, 12.11.2019]
Der Hitlergruß wurde in Deutschland und Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg verboten und nach Paragraf 86a des Strafgesetzbuches (Verwenden von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen) und Paragraf 130 (Volksverhetzung) unter Strafe gestellt. Das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet werden. [Der Spiegel, 17.07.2017 (online)]
»Der Staat hat die Aufgabe, Kinder und Jugendliche vor verfassungsfeindlichem Gedankengut – ob von links oder rechts – zu schützen.« Das baden‑württembergische Kultusministerium teilte mit, es bestünden erhebliche Zweifel an der Verfassungstreue des Mannes [eines entlassenen Lehrers]. Er sei seit langem Mitglied einer Initiative, die sich zu Militanz bekenne und vom Verfassungsschutz als verfassungsfeindlich eingestuft werde. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2006]
[Der sogenannte Kalif von Köln] ist der selbst ernannte Führer des Kalifatsstaates […], einer islamistischen Organisation, die wegen antisemitischer Propaganda und verfassungsfeindlicher Bestrebungen in Deutschland für Aufsehen gesorgt hat. Im Dezember vergangenen Jahres wurde der extremistische Verband, dessen Zentrale im Kölner Stadtteil Nippes angesiedelt war, verboten. [Süddeutsche Zeitung, 23.05.2002]
Die [linke Partei] PDS sei nicht verfassungsfeindlicher als die [liberale Partei] FDP oder ein »bayerischer Stammtischpolitiker«, sagte [der Berliner Innensenator] Körting am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Der Senator verwies darauf, dass die PDS seit 1990 nicht generell unter Beobachtung des Geheimdienstes steht. Nur einzelne Gruppierungen seien überwacht worden. [Berliner Zeitung, 22.02.2002] ungewöhnl.

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Typische Verbindungen zu ›verfassungsfeindlich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verfassungsfeindlich‹.

Zitationshilfe
„verfassungsfeindlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verfassungsfeindlich>.

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