verfilzen

Grammatik Verb · verfilzt, verfilzte, ist verfilzt
Aussprache  [fɛɐ̯ˈfɪlʦn̩]
Worttrennung ver-fil-zen
Wortzerlegung ver-filzen3
Wortbildung  mit ›verfilzen‹ als Erstglied: ↗Verfilzung
eWDG

Bedeutung

ganz zu Filz werden, sich fast untrennbar ineinander verwickeln, verwirren
Beispiele:
verfilzte Wolle, Haare
ein verfilztes Dickicht
ein Teppich verfilzt
abwertend, übertragen sich mit etw. eng verbinden
Beispiel:
die mit USA‑Monopolen eng verfilzte westdeutsche Wirtschaft
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Filz · filzig · filzen · verfilzen
Filz m. ‘aus Fasern, Haaren gepreßter Stoff’, ahd. filz ‘Umwurf, Lumpen, grobes Tuch’ (um 800), mhd. vilz, asächs. filt, mnd. vilt, mnl. vilt(e), velt, nl. vilt, aengl. engl. felt. Germ. *filta bezeichnet eine ‘fest geschlagene, gestampfte Wollmasse’ (vgl. ahd. falzan ‘festschlagen’, 8. Jh.) und geht daher vielleicht auf ie. *peld-, einen mit -d- (germ. -t-) gebildeten Präsensstamm zur Wurzel ie. *pel- ‘stoßend oder schlagend in Bewegung setzen, treiben’ zurück, wozu auch lat. pellere ‘stoßend, schlagend treiben’. Oder ist besser ein Zusammenhang mit lat. pilus ‘Haar’ bzw. den s-Stämmen griech. pī́los (πῖλος) ‘Filz’, lat. pilleus ‘Filzmütze’ und Anschluß an ie. *pilo- bzw. *pils- ‘Haar’ anzunehmen? Filz ‘geiziger, grober Mensch’ (15. Jh.) ist ursprünglich der in Filz, Loden gekleidete, übermäßig sparsame Bauer (vgl. mhd. vilzgebūr(e) ‘grober Bauer’). filzig Adj. ‘filzähnlich, verfilzt’, vilzeht (15. Jh.); dann auch ‘geizig’ (16. Jh.). filzen Vb. ‘zu Filz werden, verarbeiten’, mhd. vilzen ‘zu, von Filz machen’. Dagegen entstammt filzen ‘durchsuchen (nach verbotenen Sachen)’ der Gaunersprache, ist zu rotw. Filtzer ‘Kamm’ gebildet und bedeutet eigentlich ‘durchkämmen’ (19. Jh.). verfilzen Vb. ‘zu Filz werden’, heute üblicher als das Simplex, mhd. vervilzen.

Typische Verbindungen zu ›verfilzen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verfilzen‹.

Verwendungsbeispiele für ›verfilzen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Seine Haare sind noch nicht verfilzt, sein Bart ist noch nicht grau.
Süddeutsche Zeitung, 22.08.2003
Die argentinischen Jesuiten seien damals gespalten gewesen, ihre Mehrheit allerdings «sehr stark verfilzt» mit den konservativen und nationalistischen Kräften.
Die Zeit, 15.03.2013 (online)
Es geht auch um mehr als die Befreiung der Bürger von einer politischen Klasse und einem über die Jahre verfilzten personellen Netz.
Der Tagesspiegel, 14.06.2001
Die Herrschaften sehen aus, wie man früh um sieben im Regen aussieht: zerknautscht, verfilzt.
Die Welt, 14.01.2004
Die Rechtssozialisten und Gewerkschaftsführer waren versippt und verfilzt mit den Gewalten der Monarchie und des Kapitalismus, deren Sünden waren ihre Sünde.
Toller, Ernst: Eine Jugend in Deutschland, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1985 [1933], S. 74
Zitationshilfe
„verfilzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verfilzen>, abgerufen am 06.03.2021.

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