verflüchtigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-flüch-ti-gen (computergeneriert)
Grundformflüchtig
Wortbildung mit ›verflüchtigen‹ als Erstglied: ↗Verflüchtigung
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw. in den gasförmigen Aggregatzustand überführen
Beispiele:
Salzsäure verflüchtigen
sich verflüchtigen
in den gasförmigen Aggregatzustand übergehen
Beispiel:
der Alkohol, Äther verflüchtigte sich
sich auflösen, verschwinden
Beispiele:
die Nebelwolken verflüchtigen sich
ein Geruch, Aroma, Geräusch verflüchtigt sich
übertragen
Beispiel:
seine Wut, schlechte Laune verflüchtigte sich bald
2.
umgangssprachlich, scherzhaft sich verflüchtigenheimlich, unbemerkt weggehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Flucht1 · flüchten · flüchtig · Flüchtigkeit · verflüchtigen · Flüchtling · Zuflucht · Ausflucht
Flucht1 f. ‘das Fliehen’, ahd. fluht (9. Jh.), mhd. vluht, asächs. fluht, mnd. mnl. nl. vlucht, engl. flight (westgerm. *fluhti-) ist ein mit ti-Suffix und Ablaut gebildetes Abstraktum zu dem unter ↗fliehen (s. d.) behandelten Verb. flüchten Vb. ‘sich oder etw. retten, in Sicherheit bringen, Schutz suchen, fliehen’, ahd. fluhten ‘vertreiben, austreiben’ (9. Jh.), mhd. vlühten, auch ‘fliehen’. flüchtig Adj. ‘auf der Flucht befindlich’, daher übertragen ‘schnell und ungenau, oberflächlich’, ahd. fluhtīg ‘fliehend’ (9. Jh.), mhd. vlühtec, vlühtic; Flüchtigkeit f. ‘Schnelligkeit’ (16. Jh.), dann ‘Oberflächlichkeit’; verflüchtigen Vb. ‘(sich) in seine Bestandteile, in Dampf auflösen, in gasförmigen Zustand übergehen bzw. überführen’ (18. Jh.), älter ‘fliehen’ (15. Jh.); vgl. mhd. vlühtegen ‘in die Flucht schlagen’ und vervlühtic ‘flüchtig’. Flüchtling m. ‘wer sich auf der Flucht befindet oder geflohen ist’ (17. Jh.). Zuflucht f. ‘Schutz(ort), Unterschlupf, Hilfe’; ahd. zuofluht (8. Jh.), mhd. zuovluht ist Übersetzung von lat. refugium der Bibel und verläßt erst im 14. Jh. den biblisch-religiösen Bereich. Ausflucht f. ‘Ausrede, Vorwand’, in dieser und anfangs noch in der eigentlichen Bedeutung ‘heimliches Entrinnen’ seit dem 15. Jh. belegt; doch vgl. schon ahd. ūʒfluht ‘Flucht, Ausweg zur Flucht, Gelegenheit, sich zu retten’ (8. Jh.) sowie spätmhd. ūʒvliehen ‘entfliehen, sich in Sicherheit bringen’ (14. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abstraktion Aroma Aromastoff Aura Befürchtung Duft Dunst Eindruck Elan Euphorie Gas Geruch Gespenst Groll Hinsehen Illusion Kriegsangst Nebel Rauch Spuk Weltraum Wolke Zauber allmählich alsbald gleichsam rasch schnell vollends zusehends

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verflüchtigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Musik verebbt nicht nur, sie verflüchtigt sich unendlich zärtlich, sie entmaterialisiert sich gleichsam.
Die Welt, 10.04.2006
Und so verflüchtigt sich mit der Musik auch das Drama.
Süddeutsche Zeitung, 19.06.2001
Ja, wenn man das nicht ständig praktiziert, dann verflüchtigt sich das schnell.
Goldt, Max: Mini-Talk am Nachmittag. In: ders., Schließ einfach die Augen und stell dir vor, ich wäre Heinz Kluncker, Zürich: Haffmans 1994, S. 77
Hinter diesen gnostischen Bildern hat sich aber der religiöse Gehalt immer mehr verflüchtigt.
David, C.: George. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 15685
In den letzten Jahren hatte er sich mehr und mehr verflüchtigt.
Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 1717
Zitationshilfe
„verflüchtigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verflüchtigen>, abgerufen am 18.03.2019.

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