Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

verfremden

Grammatik Verb · verfremdet, verfremdete, hat verfremdet
Aussprache 
Worttrennung ver-frem-den
Grundformfremd
eWDG

Bedeutung

etw. mit den Mitteln der Verfremdung gestalten
Beispiel:
Brecht verfremdet uns das Gewohnte, damit wir es in seiner Besonderheit erfassen [ Bild. Kunst1957]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fremd · Fremder · Fremdling · Fremde · befremden · befremdlich · entfremden · Entfremdung · Fremdsprache · Fremdwort · Verfremdung · verfremden
fremd Adj. ‘von auswärts stammend, nicht heimisch, nicht zugehörig, unbekannt’. Das gemeingerm. Adjektiv ahd. fremidi (8. Jh.), mhd. vremede, vremde, vröm(e)de, asächs. fremiði, mnd. vrȫmede, mnl. vreemde, vremde, vreemt, nl. vreemd, aengl. frem(e)de, got. framaþeis ist mit dem (Bindevokal aufweisenden) Suffix germ. -iþja- / -iðja- (ie. -ti̯o-) gebildet zu (im Nhd. untergegangenem) germ. *fram, belegt in ahd. fram Adv. (8. Jh.), mhd. fram Adv. ‘vorwärts, fort, weiter, sogleich’, Präp. ‘fort von, von … her’, asächs. fram Adv. ‘hervor, weg, heraus’, aengl. fram, from Adv. ‘fort, vorwärts, weg’, Präp. ‘weg von, von … her’, anord. fram Adv. ‘vorwärts’, got. fram Adv. ‘weiter’, Präp. ‘von … her’, so daß eine Grundbedeutung ‘entfernt, fern’ angenommen werden kann. Germ. *fram ist wie anord. framr ‘tapfer, vorzüglich’, aengl. fram ‘stark, tüchtig, tapfer’ mit griech. prómos (πρόμος) ‘Vorderster, Vorkämpfer, Führer, Fürst’, umbr. promom ‘zuerst, anfangs’ eine m-Ableitung (s. auch verwandtes fromm) von ie. *prō̌, einer der Varianten von ie. *per ‘das Hinausführen über’, womit vornehmlich Adverbien und Präpositionen gebildet werden (s. z. B. für, vor, ver-). Aus dem Adjektiv substantiviert Fremder m. ‘Auswärtiger, Gast’, mhd. vremder. Dafür auch Fremdling m. mhd. vremdelinc. Fremde f. ‘Ort, wo man nicht heimisch ist’, mhd. vrem(e)de ‘Entfernung’. befremden Vb. ‘unangenehm berühren, fremdartig anmuten’ (15. Jh.); vgl. ahd. irfremiden ‘ausschließen, verstoßen’ (?; 8. Jh.), gifremiden ‘jmdm. etw. entziehen, sich von jmdm. abwenden’ (9. Jh.), mhd. vremeden ‘abfallen, meiden’; befremdlich Adj. ‘verwunderlich, unerfreulich’ (16. Jh.). entfremden Vb. ‘fremd machen, entziehen’, mhd. enphremden, entvremden; Entfremdung f. ‘Abkühlung, Lösung (einer Beziehung), Entfernung’ (15. Jh.). Fremdsprache f. (19. Jh.). Fremdwort n. (19. Jh.), älter dafür fremdes Wort (16. Jh.). Verfremdung f. Stilmittel des epischen Theaters (20. Jh., Brecht); dazu in entsprechendem Sinne verfremden Vb. zuvor ‘fremd machen, entfremden, enteignen’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abalinieren · befremden · entfremden · verfremden
Synonymgruppe
(akustisch) verfremden · unkenntlich machen · verzerren
Assoziationen
  • (optisch) unkenntlich machen · verpixeln

Typische Verbindungen zu ›verfremden‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verfremden‹.

Verwendungsbeispiele für ›verfremden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es gibt auch eine Art, sich die Dinge lesend zu verfremden. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 1, Berlin: Aufbau-Verl. 1954, S. 418]
Musik aus dem Radio wirkt verfremdend, Musik aus dem Off befördert die Illusionen. [Die Zeit, 19.06.1987, Nr. 26]
Das heißt, die Arbeit auf dem Lande ist ebenso verfremdet wie in der Industrie. [Die Zeit, 09.04.1982, Nr. 15]
Wie gut kann die Kamera die Wirklichkeit abbilden, wie sehr verfremdet sie? [Der Tagesspiegel, 01.09.2002]
Das Licht unterstützt aktiv diese Form, verändert sie oder verfremdet sie. [Süddeutsche Zeitung, 21.02.2002]
Zitationshilfe
„verfremden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verfremden>.

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