vergällen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-gäl-len (computergeneriert)
GrundformGalle1
Wortbildung formal verwandt mit: ↗unvergällt
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdm. die Freude an etw. vergällenjmdm. die Freude an etw. verbittern, trüben
Beispiele:
musst du uns denn alles mit deiner schlechten Laune vergällen?
harte Schicksalsschläge hatten ihr das Leben vergällt
2.
Chemie Genussmittel ungenießbar machen, denaturieren
Beispiel:
vergällter Alkohol, Spiritus
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Galle1 · galle(n)bitter · gallig · vergällen · unvergällt · Gallenkolik · Gallenstein
Galle1 f. ‘bittere, gelbflüssige Absonderung der Leber, Gallenblase’. Die germ. Bezeichnungen ahd. (9. Jh.), asächs. galla, mhd. mnd. galle, nl. gal, aengl. gealla, engl. gall, anord. gall, schwed. galla, galle (germ. *gallō-) führen mit verwandten Wörtern in anderen ie. Sprachen wie awest. zāra- ‘Galle’, griech. cholḗ, chólos (χολή, χόλος) ‘Galle, Zorn, Groll’ (s. ↗Cholera), lat. fel (Genitiv fellis) ‘Galle, Bitterkeit, Zorn’, lit. žãlias ‘grün, roh, ungekocht’, aslaw. zelenъ, russ. zelënyj (зелёный) ‘grün’, aslaw. zlъčь, aruss. zъlčь, žъlčь, russ. žëlč’ (жёлчь) ‘Galle’ auf die Wurzel ie. *g̑hel(ə)- ‘glänzen, schimmern’, in Farbbezeichnungen besonders ‘gelb, grün’, bzw. die Varianten *ghel(ə)- oder *g‐ͧhel(ə)- (s. ↗gelb). Die Galle ist somit nach ihrer gelblichgrünen Farbe benannt. In übertragener Verwendung gilt dt als Symbol der Bitterkeit und Sitz des Zorns und Ärgers. galle(n)bitter Adj. ‘bitter wie Galle, sehr bitter’ (16. Jh.); substantivisches Gallenbitter(e)n und obd. Gallenbitterin für ‘Gallenflüssigkeit’ ist schon in der 2. Hälfte des 15. Jhs. bezeugt. gallig Adj. ‘Galle enthaltend, galle(n)bitter, voll Bitterkeit und dadurch unfreundlich, bitter spottend’ (16. Jh.), bis ins 19. Jh. auch gallicht. vergällen Vb. ‘(Freude, Leben) verbittern’, mhd. gellen, vergellen ‘bitter wie Galle machen, verbittern’. In neuerer Zeit auch ‘denaturieren’, d. h. ‘Genußmittel ungenießbar machen’; dazu unvergällt Part.adj. ‘unbeschwert, zufrieden’ (18. Jh.), ‘nicht mit Bitterstoffen versetzt’ (19. Jh.); vgl. mhd. unvergellet. Gallenkolik f. Gallenstein m. (beide Anfang 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aufregen · ↗ereifern · ↗erregen · ↗vergraulen · ↗vergrämen · vergällen · ↗verärgern · ↗ärgern  ●  ↗echauffieren  franz. · sauer machen  ugs. · ↗verdrießen  geh. · ↗vergrätzen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alltag Appetit Aufenthalt Freude Genuß Leben Lebensabend Lebensfreude Lektüre Lust Reise Spaß Urlaub Vergnügen Vorfreude gründlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vergällen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was der eine erträgt, vergällt dem anderen schon das Leben.
Die Zeit, 09.09.2013, Nr. 36
Das aber ist ihr in den letzten Tagen vergällt - und auch untersagt worden.
Die Welt, 20.02.2002
Die Osterfeiertage waren aber nun durch mein Sitzenbleiben in der Schule uns allen vergällt.
Corinth, Lovis: Selbstbiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1926], S. 17852
Jedenfalls sind sie dann imstande, dem Leidenden das Leben zu vergällen, wenn nicht zu verkürzen.
o. A.: Heumann-Heilmittel, o. O.: [1936], S. 62
Denn, hören Sie mich für diesen Ton, den wir alle hassen und der uns unsere Kindheit vergällt hat, als wir begannen zu denken.
Rubiner, Ludwig: Brief an einen Aufrührer. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 16733
Zitationshilfe
„vergällen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vergällen>, abgerufen am 17.10.2019.

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