vergaloppieren
GrammatikVerb · reflexiv
Aussprache
Worttrennungver-ga-lop-pie-ren (computergeneriert)
eWDG, 1977

Bedeutung

salopp etw. denken, sagen, tun, was sich später als großer Irrtum herausstellt, sich irren
Beispiel:
ich habe mich in meinen Überlegungen, Berechnungen ganz schön vergaloppiert
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Galopp · galoppieren · vergaloppieren
Galopp m. ‘aus Sprungbewegungen bestehende Gangart beim Tier’ (bes. beim Pferd). Galoppo wird Mitte des 16. Jhs. von gleichbed. ital. galoppo übernommen, das aus afrz. galop, walop (einer Rückbildung aus galoper, waloper, s. unten) entlehnt ist; die heutige Form setzt sich im 17. Jh. während des Dreißigjährigen Krieges unter Einfluß von frz. galop durch. galoppieren Vb. ‘im Galopp laufen, reiten’, im 16. Jh. aus gleichbed. ital. galoppare entlehnt, das auf afrz. galoper, waloper ‘galoppieren’ zurückgeht, dem wiederum anfrk. *wala hlaupan ‘gut springen’ zugrunde liegen könnte (s. ↗wohl und ↗laufen; vgl. auch mnl. lōpen ‘springen, galoppieren’). Knobloch in: Symbolae linguisticae in honorem Georgii Kurilowicz (1965) 173 f. erschließt dagegen mit guten Gründen (vgl. auch Knobloch in: Sprachdienst (1991) 55) als Ausgangsform germ. *walhlaup- ‘das Laufen, Springen, Stürmen auf bzw. über den Kampfplatz’ (vgl. ahd. wal ‘Kampfplatz’, s. ↗Walstatt). Die älteren Formen mhd. galopieren, kalopieren, walopieren, walapieren ‘galoppieren’ und mhd. walap ‘Galopp’ werden mit der Verbreitung französischer ritterlicher Kultur und Reitkunst in höfischer Zeit (um 1200) unmittelbar aus gleichbed. afrz. galoper, waloper bzw. galop, walop entlehnt, geraten aber mit dem Verfall des Rittertums in Vergessenheit. Die umgangssprachliche Wendung galoppierende Schwindsucht ‘letztes, schnell zum Tode führendes Stadium der Lungentuberkulose’ kommt um 1800 auf. vergaloppieren Vb. refl. ‘in die Irre geraten, zu falschen, vorschnellen Schlüssen kommen’ (18. Jh.), vgl. gleichbed. nl. zich vergaloppeeren.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) hinreißen lassen (zu) · ↗(sich) verrennen · ↗(sich) versteigen (zu) · unangemessen reagieren  ●  ↗(sich) vergaloppieren  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) zu der Bemerkung hinreißen lassen (dass) · ↗(ungewollt oder versehentlich) ausplaudern  ●  in ein Wespennest stechen  fig. · ↗(jemandem) entfahren  geh. · ↗(jemandem) herausrutschen  ugs. · ↗(jemandem) herausschlüpfen  ugs. · (sich) den Mund verbrennen  ugs., fig. · ↗(sich) vergaloppieren  ugs., fig. · ↗(sich) verplappern  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wo die Politik sich vergaloppiert, schlägt die Stunde des Bürgers.
Die Welt, 19.02.2005
Es wird jemand sein, der sich mit Luther irgendwie vergaloppiert hat.
Die Zeit, 01.11.2000, Nr. 44
Aber bei dieser Rechtschreibreform - da hatte er sich nun völlig vergaloppiert.
Süddeutsche Zeitung, 19.02.1997
Und wer sich im Dienst vergaloppiert, wird aus ihm entlassen.
Der Tagesspiegel, 04.08.2002
Schon ein flüchtiger Blick auf das OSS-Papier vom selben Tag zeigt, daß sich der amerikanische Generalstäbler nicht etwa rhetorisch vergaloppiert hatte.
konkret, 1986
Zitationshilfe
„vergaloppieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vergaloppieren>, abgerufen am 22.10.2017.

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