vergammeln

GrammatikVerb · vergammelt, vergammelte, ist/hat vergammelt
Aussprache
Worttrennungver-gam-meln (computergeneriert)
Wortzerlegungver-gammeln
eWDG, 1977

Bedeutung

salopp, abwertend
1.
gammelig werden, verderben, besonders von Lebensmitteln
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
in diesem Geschäft vergammelte das Obst, ist das Gemüse vergammelt
vergammeltes Fleisch, Brot
die Maschine vergammelt (= wird rostig und unbrauchbar) in einer Ecke des Kellers
herunterkommen, verwahrlosen
Beispiele:
wie hat er nur in so kurzer Zeit vergammeln können?
er sah heute vergammelt aus
er ließ sein Grundstück vergammeln
2.
die Zeit vergammelndie Zeit verbummeln, vertrödeln
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
ich habe die Ferien in einem kleinen Nest vergammelt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gammeln1 · gamm(e)lig · vergammeln1
gammeln1 Vb. ‘alt, faulig, schimmlig werden’, im Nordd. heimisches, aus dem Nd. stammendes Verb; vgl. asächs. gigamalōd ‘betagt, bejahrt’, aengl. gamolian, mnd. gam(m)elen ‘alt werden’. Es gehört zu einem im Nordgerm. (anord. gamall, schwed. gammal, dän. gammel) und auch im Westgerm. (aengl. gamol, mnl. gamel, nl. gammel) belegten Adjektiv mit der Bedeutung ‘alt’, dessen Herkunft nicht geklärt ist. Eine im heutigen Nordd. geläufige Weiterbildung des Adjektivs liegt vor in gamm(e)lig Adj. ‘alt, verdorben, faulig’ (von Speisen), aber auch ‘unansehnlich’. Häufiger als das Simplex gammeln ist die Präfixbildung vergammeln1 Vb. ‘verderben, unansehnlich werden’, die, zumal in dem Part.adj. vergammelt ‘alt, faulig, verdorben, unansehnlich, verwahrlost’, im 20. Jh. eine über das Nordd. hinausgehende Verbreitung erlangt (wohl in Zusammenhang mit ↗vergammeln, s. unten, indem sich beide Verben, als zusammengehörig empfunden, in ihrer zunehmenden Gebrauchshäufigkeit gegenseitig beeinflußt haben).

gammeln2 · vergammeln2 · Gammler
gammeln2 Vb. ‘untätig die Zeit verbringen, sich herumtreiben, äußere Formen und allgemeingültiges Normverhalten ablehnen’ (Mitte 20. Jh.). Etymologie unklar. Vielleicht ist anzuknüpfen an westmd. (rhein. hess.) gammeln (auch gambeln, gumpeln) ‘faul umherschlendern, müßiggehen’. Das sich als Modewort rasch verbreitende Verb wird vielfach als zu ↗gammeln gehörig empfunden und erhält auf diese Weise zusätzlich den Sinn des Unkonventionellen, Nachlässigen, alle Formen Negierenden. vergammeln2 Vb. ‘zum Bummler werden, die Zeit verbummeln, vertrödeln’ (20. Jh.). Gammler m. ‘(junger) Mensch, der allgemeingültige Normen und äußere Formen ablehnt, daher auch keiner regelmäßigen Arbeit nachgeht’ (Mitte 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
faulen · ↗herunterkommen · ↗modern · ↗verfallen · ↗verfaulen · vergammeln · ↗verkommen · ↗vermodern · ↗verrotten · ↗verwesen  ●  gammeln  ugs. · ↗verlottern  ugs.
Synonymgruppe
Sozialfall werden · abgewirtschaftet haben · sozial absteigen · ↗verelenden · vergammeln · ↗verkommen · ↗verlottern · ↗verwahrlosen  ●  ↗herunterkommen (Person)  Hauptform · in der Gosse enden  fig. · in der Gosse landen  fig. · tief sinken  fig. · unter die Räder kommen  fig. · auf den Hund kommen  ugs. · ganz unten ankommen  ugs., fig. · ↗herumsumpfen  ugs. · ↗runterkommen  ugs. · ↗versacken  ugs. · ↗verschlampen  ugs. · ↗versumpfen  ugs., fig.
Assoziationen
  • abfallen · ↗absinken · ↗abstürzen · ↗fallen · ↗niedergehen
  • ganz unten ankommen · ↗verelenden · völlig verwahrlosen · zugrunde gehen  ●  auf den Hund kommen  sprichwörtlich · vor die Hunde gehen  sprichwörtlich
  • sich gehen lassen · sich hängen lassen · sich vernachlässigen
  • abgleiten  ●  (den) Halt verlieren  fig. · ↗abdriften  fig. · ↗abrutschen  fig. · aus der Spur geraten  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gebäude Keller Müll Schublade irgendwo langsam

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vergammeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nun aber hat der Lärm überall Gäste vertrieben, haben ratlose Wirte ihre Häuser vergammeln lassen.
Süddeutsche Zeitung, 18.07.2003
Die können, Sie zu Hause vergammeln lassen, oder Sie können sie hierherholen und sie richtig behandeln.
Die Zeit, 03.02.1969, Nr. 05
Er wacht auf in seinem Haus in Split, trinkt einen Kaffee, vergammelt den Tag.
Der Tagesspiegel, 25.01.2001
Ich bin hierher gekommen und das Geld vergammelt seither auf mehreren namenlosen Bankkonten.
Späth, Gerold: Commedia, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1980 [1980], S. 233
Ich sammelte ein bißchen Holz und fand irgendwo ein paar Meter Schnur, die noch nicht vergammelt war.
Brussig, Thomas: Wasserfarben, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1991], S. 186
Zitationshilfe
„vergammeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vergammeln>, abgerufen am 06.12.2019.

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