vergeben

GrammatikVerb · vergibt, vergab, hat vergeben
Worttrennungver-ge-ben
Grundformgeben
Wortbildung mit ›vergeben‹ als Erstglied: ↗Vergebung  ·  mit ›vergeben‹ als Letztglied: ↗weitervergeben  ·  mit ›vergeben‹ als Grundform: ↗Vergabe
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw. (an jmdn.) weggeben, verteilen
Beispiele:
Aufträge, Arbeiten an Handwerker, Betriebe vergeben
Themen für Dissertationen vergeben
in jeder Disziplin werden drei Preise, Medaillen vergeben (= verliehen)
obgleich er keinen Cent zu vergeben hatte, war er stets sauber und korrekt gekleidet (= obgleich er keinen Cent zu verschenken hatte, war er stets sauber und korrekt gekleidet)
ein paar Eintrittskarten wurden umsonst vergeben (= ausgeteilt)
es sind noch Zimmer zu vergeben (= frei)
die Stelle ist schon, noch nicht vergeben (= die Stelle ist schon besetzt, noch frei)
die Weltmeisterschaften im Handball wurden nach B vergeben (= B wurde mit der Durchführung der Weltmeisterschaften beauftragt)
sie hatte den nächsten Tanz schon vergeben (= jmdm. versprochen)
umgangssprachlich zwei Töchter der Familie waren schon vergeben (= verheiratet, verlobt)
in der nächsten Woche sind schon drei Tage vergeben (= besetzt)
2.
jmdm. (etw.) verzeihen
Beispiele:
er hat mir die Schuld, Beleidigung vergeben
sie hat ihm das Unrecht, das er ihr zugefügt hatte, längst vergeben
vergib (mir)!
der alte Streit ist schon lange vergeben und vergessen
3.
sich [Dativ] etw. vergebenseinem Ansehen schaden
Beispiele:
du vergibst dir nichts, wenn du selbst mit Hand anlegst
sie würde sich nichts vergeben haben, wenn sie einmal gelacht hätte
4.
etw. nicht zum eigenen Vorteil nutzen, ausnutzen
Beispiele:
eine, die letzte Chance vergeben
die Mannschaft hat einen Elfmeter, zwei sichere Tore vergeben
5.
sich, etw. vergebensich beim Austeilen, besonders der Spielkarten, irren, die Karten falsch geben
Beispiel:
er hat sich heute schon zweimal vergeben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

geben · abgeben · Abgabe · angeben · Angabe · Angeber · angeblich · aufgeben · Aufgabe · ausgeben · Ausgabe · ausgiebig · begeben · Begebenheit · beigeben · Beigabe · eingeben · Eingabe · Eingebung · ergeben · Ergebung · ergeben · Ergebenheit · Ergebnis · ergiebig · freigebig · Freigebigkeit · hingeben · Hingabe · Hingebung · hingebungsvoll · nachgeben · nachgiebig · übergeben · Übergabe · umgeben · Umgebung · Untergebener · vergeben · Vergebung · vergebens · vergeblich · zugeben · Zugabe
geben Vb. ‘(hin-, dar)reichen, schenken, überlassen’. Das gemeingerm. Verb ahd. geban (8. Jh.), mhd. geben, asächs. geƀan, mnd. gēven, mnl. ghēven, nl. geven, aengl. giefan (engl. to give ist aus dem Nord. entlehnt), anord. gefa, schwed. giva, got. giban (germ. *geban). Herkunft ungesichert. Das Verb wird allgemein mit lat. habēre ‘halten, haben, besitzen’, habilis ‘handlich, geeignet’, air. gaibid ‘nimmt, ergreift, erhält’, lit. gabénti ‘fördern, transportieren, herbei-, fortschaffen’, aruss. gabati ‘bedrängen, verfolgen (?)’, tschech. (älter) habati ‘raffen’, poln. gebać ‘anfechten, reizen, beunruhigen’ zu der in mehreren Varianten vorliegenden Wurzel ie. *ghabh-, *ghab-, *ghap- ‘fassen, nehmen’ (die letzte Variante wohl unter Einfluß der Wurzel ie. *kap- ‘fassen’, s. ↗heben) gestellt. Der auffallende Bedeutungsunterschied zwischen den germ. Vertretern und dem ie. Wurzelansatz (‘geben’ – ‘nehmen’) wird damit erklärt, daß hier eine germ. Eigenbildung als Ersatz für ie. *dō- ‘geben’ vorliegt, die sowohl lautlich (im Vokalismus der Stammsilbe) wie inhaltlich unter dem Einfluß von germ. *neman (s. ↗nehmen) als Gegenwort steht (was man hat, auswählend ergreift, „nimmt“, kann man darreichen, schenken, „geben“). Die reiche Bedeutungsentfaltung des Verbs führt zu zahlreichen Präfixbildungen mit weiteren Ableitungen. abgeben Vb. ‘(einen Teil) hergeben, abtreten, überlassen, darstellen, sein’ reflexiv ‘sich beschäftigen, befassen’, frühnhd. ab(e)geben, vgl. ahd. abageban ‘verlassen, im Stich lassen’ (9. Jh.); Abgabe f. ‘zu entrichtende Leistung, Überlassung’ (2. Hälfte 17. Jh.). angeben Vb. ‘(aus)sagen, anzeigen, verraten, bestimmen, prahlen, aufschneiden’, mhd. an(e)geben, auch ‘(ein Kleid) anlegen’; Angabe f. ‘Aussage, Prahlerei, Aufschneiderei’ (Anfang 16. Jh.); Angeber m. ‘Denunziant, Aufschneider’, frühnhd. angeber ‘Anfänger, Anstifter’; angeblich Adj. ‘vermeintlich’ (1. Hälfte 18. Jh.). aufgeben Vb. ‘zur Weiterleitung übergeben, erledigen lassen, verzichten, zurücktreten’, mhd. ūfgeben; Aufgabe f. ‘Übergabe zur Weiterleitung, Auftrag, Verzicht’, mhd. ūfgābe. ausgeben Vb. ‘austeilen, aushändigen, verkünden, Geld verbrauchen, spendieren’, reflexiv ‘seine Kräfte verbrauchen, verausgaben’, ahd. ūʒgeban ‘(her)ausgeben, ausschütten’ (9. Jh.), mhd. ūʒgeben; Ausgabe f. ‘Austeilung, Aushändigung, Verkündigung, Verbrauch an Geld, Edition, Nummer einer Zeitung, Zeitschrift’, spätmhd. ūʒgābe; ausgiebig Adj. ‘reichlich’ (Mitte 18. Jh.). begeben Vb. reflexiv ‘sich aufmachen, gehen, sich ereignen, geschehen’, sich einer Sache begeben ‘auf etw. verzichten’, ahd. bigeban ‘verlassen, aufgeben’ (10. Jh.), mhd. begeben; Begebenheit f. ‘Ereignis, Geschehen’ (1. Hälfte 17. Jh.). beigeben Vb. ‘mitgeben, hinzufügen, zur Verfügung stellen, nachgeben, sich fügen’ (1. Hälfte 16. Jh.); Beigabe f. (1. Hälfte 19. Jh.). eingeben Vb. ‘einflößen, einreichen’, mhd. īngeben ‘übergeben, überweisen’; Eingabe f. ‘das Einflößen, schriftlicher Vorschlag, Gesuch’, spätmhd. ingābe; Eingebung f. ‘plötzlich auftauchender Gedanke, Intuition’ (1. Hälfte 15. Jh.). ergeben Vb. ‘als Ergebnis hervorbringen’, reflexiv ‘zustande kommen, sich hingeben, widmen, die Waffen strecken, sich dem Feind ausliefern’, ahd. irgeban ‘(von sich) geben, heraus-, übergeben, sich jmdm. ausliefern, Rechenschaft ablegen’ (8. Jh.), mhd. ergeben ‘zeigen, herausgeben, übergeben, anheimgeben, einträglich sein’, reflexiv ‘sich in jmds. Gewalt geben, sich fügen’; Ergebung f. ‘das Sichergeben, Unterwerfung, Ergebenheit’ (14. Jh.); ergeben Part.adj. ‘gefügig, hingebungsvoll, wohlgeneigt’, in frühnhd. Zeit aus dem Part. Prät. mhd. ergeben ‘sich durch Gelübde dem Mönchsleben ergeben habend’; Ergebenheit f. ‘demütige Hingabe, Fügsamkeit’, mhd. ergebenheit ‘Klostergelübde’; Ergebnis n. ‘Resultat’ (um 1800); ergiebig Adj. ‘ertragreich, fruchtbar’ (16. Jh.). freigebig Adj. ‘gern gebend, großzügig’, Freigebigkeit f. (1. Hälfte 16. Jh.). hingeben Vb. ‘weg-, fortgeben, verschenken’ (15. Jh.), reflexiv ‘sich aufopfern, sich widmen’ (18. Jh.); vgl. schon ahd. hinageban ‘hingeben, übergeben, preisgeben’ (um 1000); Hingabe f. ‘Opferbereitschaft, Leidenschaft’ und gleichbed. Hingebung f. (1. Hälfte 19. Jh.), älter im Sinne von ‘das Weg-, Fortgeben’ (Hingebung seit dem 17. Jh., Hingabe seit dem 18. Jh.); hingebungsvoll Adj. ‘voll Eifer, Aufopferung’ (1. Hälfte 19. Jh.). nachgeben Vb. ‘nicht standhalten, Widerstand aufgeben, sich fügen, erschlaffen, locker werden’, spätmhd. nāchgeben ‘zulassen, einräumen’; nachgiebig Adj. ‘nicht standhaltend, keinen Widerstand entgegensetzend, schlaff, leicht umzustimmen, fügsam’ (18. Jh.). übergeben Vb. ‘aushändigen, überantworten, ausliefern, für etw. freigeben’, reflexiv ‘sich erbrechen’, mhd. übergeben ‘übertreffen, beeinträchtigen, verletzen, verzichten’, reflexiv ‘sich aufgeben, schuldig bekennen’; Übergabe f. ‘Aushändigung, Auslieferung’ (Ende 15. Jh.). umgeben Vb. ‘ein-, umschließen’, ahd. umbigeban ‘umgeben, umstellen’ (8. Jh.), mhd. umbegeben; Umgebung f. ‘einen Ort umgebende Landschaft, jmdn. umgebender Kreis von Menschen’ (um 1800; vorher dafür Environs, nach gleichbed. frz. environs Plur.), älter im Sinne von ‘das Herumgeben, Umhängen’ (Ende 15. Jh.). Untergebener m. ‘wer einem Vorgesetzten dienstlich unterstellt ist’ (um 1600), substantivierte Form zum Part.adj. untergeben ‘einem Vorgesetzten dienstlich unterstellt’, eigentlich Part. Prät. zu heute nicht mehr üblichem untergeben ‘unter Aufsicht stellen’, ahd. untargeban ‘unterwerfen, unterstellen’ (um 800), spätmhd. undergeben. vergeben Vb. ‘weggeben, austeilen, verschenken, verzeihen’, meist reflexiv ‘seinem Ansehen schaden’, nur reflexiv ‘sich beim Austeilen (der Spielkarten) irren, falsch geben’, ahd. firgeban ‘vergeben, schenken, einräumen’ (8. Jh.), mhd. vergeben; Vergebung f. ‘das Vergeben, Vergabe, Verzeihung’, spätmhd. vergebunge ‘Verzeihung’; vergebens Adv. ‘vergeblich, erfolglos, umsonst, nutzlos’, spätmhd. vergeben(e)s, mit sekundärem s für gleichbed. mhd. vergebene ‘geschenkweise, unentgeltlich, umsonst, unnütz, vergeblich’, Adverb zum Part. Prät. mhd. vergeben; vgl. ahd. firgebano Adv. ‘umsonst, ohne Gegenleistung’ (um 1000). vergeblich Adj. ‘erfolglos, nutzlos, umsonst’, zuerst md. vergebelich (15. Jh.), vgl. mhd. frühnhd. vergebenlich (wohl gekürzt aus vergebendlich). zugeben Vb. ‘hinzufügen, dazugeben, für richtig erklären, einräumen, gestehen’ (15. Jh.), vgl. schon ahd. zuogeban ‘hinzufügen, zuteilen, verteilen’ (9. Jh.), dagegen mhd. zuogeben ‘tapfer auf jmdn. eindringen, jmdm. zusetzen’; Zugabe f. ‘was zusätzlich über die pflichtgemäße Leistung oder Menge hinaus gegeben wird’, spätmhd. zuogābe ‘Zugabe, Mitgift’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(einen Preis) verleihen · ↗erteilen · vergeben · ↗zuerkennen · ↗zusprechen
Synonymgruppe
auslagern · außer Haus erledigen lassen (von) · ↗outsourcen · ↗verdingen (an) · vergeben (an)
Synonymgruppe
amnestieren · ↗begnadigen · ↗entschuldigen · ↗nachsehen · vergeben · ↗verzeihen  ●  ↗exkulpieren  fachspr.
Synonymgruppe
gebunden · nicht mehr frei · nicht mehr zu haben  ●  ihr Herz gehört einem anderen (lit.)  geh. · vergeben  ugs.
Assoziationen
  • (die) Ehe versprochen haben · (jemandem) versprochen · (sich) verlobt haben · verlobt (sein)
  • (mit jemandem) zusammen · Mann und Frau (sein) · ↗gebunden · getraut · nicht mehr frei · nicht mehr zu haben · verehelicht · vergeben · verheiratet · vermählt  ●  in festen Händen  fig. · unter der Haube  ugs.
  • (ein) Liebespaar (sein) · (ein) Paar sein · (jetzt) zusammen sein (mit) · fest zusammen sein (mit) · liiert sein · verbandelt sein (mit) · verpartnert sein · wie Mann und Frau (zusammen)leben  ●  Tisch und Bett teilen  veraltend · das junge Glück  veraltend, scherzhaft · ↗zusammen sein (mit)  ugs., Hauptform
Synonymgruppe
(mit jemandem) zusammen · Mann und Frau (sein) · ↗gebunden · getraut · nicht mehr frei · nicht mehr zu haben · verehelicht · vergeben · verheiratet · vermählt  ●  in festen Händen  fig. · unter der Haube  ugs.
Assoziationen
  • gebunden · nicht mehr frei · nicht mehr zu haben  ●  ihr Herz gehört einem anderen (lit.)  geh. · vergeben  ugs.
Antonyme
  • vergeben
Synonymgruppe
(jemandem etwas) nachsehen · (jemandem etwas) vergeben · ↗(jemandem etwas) verzeihen · (sich) nachsichtig zeigen · Verständnis aufbringen (für) · Verständnis haben (für)  ●  ↗(etwas) entschuldigen  Hauptform · Nachsicht üben  geh.
Assoziationen
  • (etwas) nicht ahnden · (etwas) nicht bestrafen · (jemandem etwas) durchgehen lassen · (jemandem) etwas nachsehen · (jemandem) nicht böse sein (können) · (sich) nachsichtig zeigen · Gnade walten lassen · Milde walten lassen · Nachsicht üben · auf (eine) Bestrafung verzichten · auf (eine) Strafe verzichten · barmherzig sein · gnädig sein · nicht zu streng sein · von einer Bestrafung absehen  ●  Gnade vor Recht ergehen lassen  floskelhaft · beide Augen zudrücken  fig. · dann woll'n wir mal nicht so sein  ugs., Spruch · etwas mit dem Mantel der Nächstenliebe zudecken  ugs., sprichwörtlich
  • nicht zu entschuldigen · ↗unentschuldbar · ↗unverzeihlich
  • dulden · ↗tolerieren · ↗zulassen · über etwas hinwegschauen · über etwas hinwegsehen  ●  (ich will dann) mal nicht so sein  ugs. · ein Auge zudrücken  ugs., fig. · fünfe gerade sein lassen  ugs., sprichwörtlich

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auszeichnung Breakball Breakchance Chance Elfmeter Freiwurf Förderpreis Großchance Kredit Kreditvolumen Kunstpreis Liebesmüh Liebesmühe Literaturpreis Matchball Prix Publikumspreis Riesenchance Satzball Siebenmeter Siegchance Strafstoß Strafwurf Torchance Vorname alljährlich dotiert erstmals freihändig leichtfertig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vergeben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Tatsächlich haben die Hanseaten zum zweiten Mal in Folge auswärts leichtfertig einen Sieg vergeben.
Die Welt, 19.09.2005
Statt sich frischen architektonischen Lösungen zu öffnen, vergeben sie ihre Aufträge dann meist an alteingesessene Büros.
Der Tagesspiegel, 05.05.2003
Wer verknallt ist, ist vergeben, also gewissermaßen aus dem Spiel.
Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 81
Sie wissen nicht, was sie sagen, Herr, aber vergib ihnen nicht.
Späth, Gerold: Commedia, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1980 [1980], S. 111
Was hat so ein Mann nicht alles an sie zu vergeben!
Meisel-Hess, Grete: Die sexuelle Krise. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 8652
Zitationshilfe
„vergeben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vergeben>, abgerufen am 18.09.2019.

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