vergessen

Grammatik Verb · vergisst, vergaß, hat vergessen
Aussprache 
Worttrennung ver-ges-sen
Wortbildung  mit ›vergessen‹ als Erstglied: vergessbar  ·  mit ›vergessen‹ als Letztglied: selbstvergessen  ·  formal verwandt mit: ehrvergessen · gottvergessen · pflichtvergessen · unvergessen · weltvergessen
eWDG

Bedeutungen

1.
etw., jmdn. aus dem Gedächtnis verlieren, sich nicht mehr an etw., jmdn. erinnern
Beispiele:
ich habe seinen Namen, die neue Anschrift, Hausnummer vergessen
ich habe den Brief, Schlüssel vergessen (= habe aus Versehen den Brief, Schlüssel liegenlassen, nicht mitgenommen)
ich habe vergessen, den Schirm, Hut mitzunehmen, dich zu benachrichtigen
hast du die Vokabeln, Jahreszahlen, das Gelernte schon wieder vergessen?
wir wollen den Vorfall vergessen
ich habe vergessen, was ich sagen wollte
sie vergisst leicht, schnell
ich hatte alles um mich her vergessen
sie vergaßen für ein paar Stunden ihre Sorgen
so etw. vergisst man nicht, vergisst sich schnell
wir haben über dem anregenden Gespräch ganz die Arbeit vergessen (= nicht mehr an die Arbeit gedacht)
das ist zwischen uns längst vergangen und vergessen, vergeben und vergessen
er ist längst tot und vergessen
dieser Schriftsteller ist heute vergessen (= diesen Schriftsteller kennt heute niemand mehr)
vergiss mich nicht
dichterisch vergiss mein nicht
gehoben vergiss meiner nicht
das werde ich dir nie vergessen (= ich werde immer daran denken, was du für mich getan, gegen mich unternommen hast)
nicht zu vergessen
Grammatik: bei Aufzählungen
Beispiel:
für die Reise müssen wir noch einige Sachen besorgen, nicht zu vergessen die Fahr‑ und Platzkarten
veraltend, gehoben einer Sache, jmds. vergessen
Beispiel:
er konnte der Heimat, seines alten Freundes niemals völlig vergessen
landschaftlich, besonders österreichisch, umgangssprachlich vergessen auf etw., jmdn.
Beispiel:
ich habe auf seinen Geburtstag, darauf vergessen (= habe nicht an seinen Geburtstag, daran gedacht)
2.
sich vergessendie Beherrschung verlieren, sich nicht beherrschen können
Beispiele:
einmal hatte er sich so weit vergessen, dass er nicht mehr wusste, was er tat
hinaus, oder ich vergesse mich!
veraltendsie soll sich schon mit einem anderen vergessen haben (= soll schon intime Beziehungen mit einem anderen gehabt haben)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

vergessen · Vergessenheit · vergeßlich · Vergeßlichkeit
vergessen Vb. ‘aus dem Gedächtnis verlieren, sich nicht mehr erinnern können’, reflexiv ‘die Beherrschung verlieren’, ahd. firgeʒʒan (9. Jh.), mhd. vergeʒʒen ‘aus den Gedanken verlieren, vergessen’, reflexiv ‘in Vergessenheit geraten’, asächs. fargetan, mnd. vorgēten, mnl. verghēten, nl. vergeten, aengl. forgietan, engl. to forget ‘vergessen’. Daneben steht mit dem unter er- behandelten Präfix gebildetes ahd. irgeʒʒan ‘vergessen’ mit dem Kausativum irgezzen ‘vergessen machen’ (s. ergötzen). Es handelt sich um präfigierte Verben zu einem Simplex germ. *getan ‘erlangen’, das in ahd. geʒʒan ‘erlangen’ (8. Jh.), anord. geta ‘schaffen, erreichen, erzeugen, lernen, nennen, vermuten’ (woraus mengl. geten, engl. to get ‘erhalten, bekommen’), dän. gide ‘mögen’ erhalten ist, wozu auch ahd. bigeʒʒan ‘erhalten’ (8. Jh.), asächs. bigetan ‘finden, ergreifen’, aengl. begietan ‘erlangen, bekommen, finden, erwerben, erzeugen’, got. bigitan ‘finden’ gebildet sind. Außergerm. vergleichen sich lat. praeda (aus *prai-hedā, -hidā) ‘(Kriegs)beute, Gewinn’ und (mit Nasalpräsens) lat. prehendere ‘(an)fassen, ergreifen’, (schwundstufig) griech. chandánein (χανδάνειν), Aorist chadé͞in (χαδεῖν) ‘fassen, in sich begreifen, enthalten’, air. rogeinn ‘findet Platz in’, so daß von einer Wurzel ie. *ghe(n)d- ‘(an)fassen, ergreifen’, auch ‘geistig erfassen’ ausgegangen werden kann (dazu s. möglicherweise verwandtes beginnen). Die Bedeutung des Simplex wird durch die Präfigierung (s. ver- in negierender Funktion) ins Gegenteil gewendet, vergessen bedeutet eigentlich ‘nicht mehr ergreifen, halten können, aus seinem (geistigen) Besitz verlieren’. Vergessenheit f. ‘Zustand des Vergessenseins’, mhd. vergeʒʒenheit, auch ‘Vergeßlichkeit’. vergeßlich Adj. ‘leicht vergessend, ein schlechtes Gedächtnis habend’, mhd. vergeʒʒe(n)lich; Vergeßlichkeit f. (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) vergessen · außer sich geraten · die Beherrschung verlieren · die Nerven verlieren · herumwüten  ●  (einen) Wutanfall bekommen  Hauptform · explodieren  fig. · Gift und Galle spucken  ugs. · abgehen  ugs. · abspacen  ugs. · an die Decke gehen  ugs., fig. · aus der Haut fahren  ugs. · ausflippen  ugs. · ausrasten  ugs. · austicken  ugs. · auszucken  ugs., österr. · durchdrehen  ugs. · einen Rappel kriegen  ugs. · einen Tobsuchtsanfall kriegen  ugs. · hochgehen wie eine Rakete  ugs. · vor Wut schäumen  ugs., fig.
Assoziationen
  • (immer wenn ...) rasend werden · (jemanden) packt die Wut · rotsehen  ●  in Wut geraten  Hauptform · mit der Faust auf den Tisch schlagen  auch figurativ · (die) kalte Wut kriegen  ugs. · (gleich) Amok laufen  ugs., übertreibend · (jemandem) geht das Messer in der Tasche auf  ugs., regional · (jemanden) packt der helle Zorn  geh. · Schnappatmung bekommen  ugs., fig. · an die Decke gehen  ugs. · böse werden  ugs., Kindersprache · die Platze kriegen  ugs., regional · die Wut bekommen  ugs. · die Wut kriegen  ugs. · einen Föhn kriegen  ugs., regional · einen dicken Hals kriegen  ugs. · hochgehen wie ein HB-Männchen  ugs., veraltet · hochgehen wie eine Rakete  ugs. · in Rage geraten  geh. · in Rage kommen  geh. · in die Luft gehen  ugs. · kurz vorm Explodieren sein  ugs. · kurz vorm Überkochen sein  ugs. · mit der Faust auf den Tisch hauen  derb · so (+ Geste) eine Krawatte kriegen  ugs. · so (+ Geste) einen Hals kriegen  ugs.
  • (sich) empören · (sich) entrüsten · (sich) ereifern · (sich) erregen · in Wallung geraten · in Wallung kommen · in Wut geraten · wütend werden  ●  aufbrausen  fig. · aus der Haut fahren  fig. · sich aufregen  Hauptform · (sich) echauffieren  geh., franz. · die Wände hochgehen  ugs., fig. · einen Tanz aufführen  ugs., fig.
Synonymgruppe
verfehlen · vergessen · verpassen · versäumen · übersehen  ●  nicht mitbekommen  ugs. · verabsäumen  geh., Papierdeutsch · verbaseln  ugs., regional · verpennen  ugs. · verschlafen  ugs. · verschwitzen  ugs.
Assoziationen
  • (sich) nicht erinnern (an) · nicht denken an · vergessen  ●  (jemandem) entfallen (sein)  geh. · (jemandem) nicht erinnerlich (sein)  geh. · (sich einer Sache) nicht entsinnen können  geh. · aus den Augen verlieren  ugs. · verbummeln  ugs. · verschwitzen  ugs.
Synonymgruppe
(sich) nicht erinnern (an) · nicht denken an · vergessen  ●  (jemandem) entfallen (sein)  geh. · (jemandem) nicht erinnerlich (sein)  geh. · (sich einer Sache) nicht entsinnen können  geh. · aus den Augen verlieren  ugs. · verbummeln  ugs. · verschwitzen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein Vorhaben) nicht weiterverfolgen · vergessen (können)  ●  (sich etwas) aus dem Kopf schlagen  fig. · (sich) verabschieden (von etwas)  fig. · (sich etwas) abschminken  ugs., fig. · (sich etwas) in die Haare schmieren können  derb, fig. · (sich etwas) von der Backe putzen  ugs., salopp · abhaken (können)  ugs. · knicken können  ugs., salopp · nicht weiter d(a)rüber nachdenken  ugs.
Assoziationen
  • (einer Sache) ein Ende machen · (sich) abwenden von · (sich) verabschieden von · ablassen von · ad acta legen · aufgeben · beenden · fallen lassen · fallenlassen · hinter sich lassen · sausen lassen · stoppen · vergessen  ●  (einen) Schlussstrich ziehen  fig. · Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.  sprichwörtlich · beerdigen  fig. · über den Haufen werfen (Planungen)  fig. · (davon) Abschied nehmen  ugs. · an den Nagel hängen  ugs., fig. · den Rücken kehren  ugs., fig. · einstampfen  ugs., fig. · sterben lassen  ugs., fig. · zu Grabe tragen  ugs., fig. · über Bord werfen  ugs., fig.
  • (einen) Rückzieher machen · (es mit/bei etwas) bewenden lassen · (es) aufgeben · (es) aufstecken · (etwas) auf sich beruhen lassen · (sich dem) Schicksal ergeben · (sich dem) Schicksal fügen · (sich mit etwas) abfinden · (sich) beugen · (sich) geschlagen geben · aufhören zu kämpfen · kapitulieren · klein beigeben · nicht weiter versuchen · nicht weiterverfolgen · nicht weiterversuchen · passen · passen müssen · resignieren  ●  (das) Feld räumen (müssen)  fig. · (die) Waffen strecken  fig. · aufgeben  Hauptform · (das) Handtuch schmeißen  ugs., fig. · (das) Handtuch werfen  ugs., fig. · (den) (ganzen) Bettel hinschmeißen  ugs. · (den) (ganzen) Bettel hinwerfen  ugs. · (den) (ganzen) Kram hinschmeißen  ugs. · (den) (ganzen) Krempel hinschmeißen  ugs. · (die) Brocken hinschmeißen  ugs. · (die) Brocken hinwerfen  ugs. · (die) Flinte ins Korn werfen  ugs., fig. · (die) Segel streichen  ugs. · (etwas) stecken  ugs. · (sich) ins Bockshorn jagen lassen  ugs. · (sich) schicken (in)  geh., veraltet · abbrechen  ugs. · aufstecken  ugs. · die weiße Fahne hissen  ugs., fig. · einpacken (können)  ugs., fig. · hinschmeißen  ugs. · in den Sack hauen  ugs. · schmeißen  ugs., fig. · zurückrudern  ugs., fig.
  • (die) Hoffnung aufgeben, etwas wiederzufinden · (es) aufgeben zu suchen · (jemanden / etwas) abschreiben · als Verlust verbuchen · auf die Verlustliste setzen · auf die Vermisstenliste setzen · aufhören zu suchen · nicht weiter suchen (nach) · verloren geben  ●  nicht länger suchen (nach)  Hauptform · (etwas) in den Wind schreiben  ugs. · sausen lassen  ugs.
  • nicht (so) wichtig · nicht erforderlich · nicht nötig · unwichtig · verzichtbar · überflüssig  ●  unnötig  Hauptform · (danke,) kein Bedarf  ugs. · entbehrlich  geh. · muss nicht sein  ugs. · nicht brauchen (zu)  ugs.
Synonymgruppe
(sich) vergessen · seine gute Erziehung vergessen · seine gute Kinderstube vergessen
Assoziationen
  • (sich) vergessen · außer sich geraten · die Beherrschung verlieren · die Nerven verlieren · herumwüten  ●  (einen) Wutanfall bekommen  Hauptform · explodieren  fig. · Gift und Galle spucken  ugs. · abgehen  ugs. · abspacen  ugs. · an die Decke gehen  ugs., fig. · aus der Haut fahren  ugs. · ausflippen  ugs. · ausrasten  ugs. · austicken  ugs. · auszucken  ugs., österr. · durchdrehen  ugs. · einen Rappel kriegen  ugs. · einen Tobsuchtsanfall kriegen  ugs. · hochgehen wie eine Rakete  ugs. · vor Wut schäumen  ugs., fig.
Synonymgruppe
(einer Sache) ein Ende machen · (sich) abwenden von · (sich) verabschieden von · ablassen von · ad acta legen · aufgeben · beenden · fallen lassen · fallenlassen · hinter sich lassen · sausen lassen · stoppen · vergessen  ●  (einen) Schlussstrich ziehen  fig. · Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.  sprichwörtlich · beerdigen  fig. · über den Haufen werfen (Planungen)  fig. · (davon) Abschied nehmen  ugs. · an den Nagel hängen  ugs., fig. · den Rücken kehren  ugs., fig. · einstampfen  ugs., fig. · sterben lassen  ugs., fig. · zu Grabe tragen  ugs., fig. · über Bord werfen  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
nicht denken an · sich nicht kümmern (um) · vergessen · zurücklassen  ●  hängen lassen  ugs.
Synonymgruppe
(sich) frei machen von · vergessen (seine Sorgen)  ●  (sich einer Sache) entschlagen  geh., veraltend
Synonymgruppe
(wieder) vergessen · verlernen

Typische Verbindungen zu ›vergessen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vergessen‹.

Verwendungsbeispiele für ›vergessen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Viele vergessen das leider – insbesondere, wenn sie von der Idee besessen sind, möglichst braun zu werden. [Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 216]
Vergiß nicht, deinem Kopf auch ein Paar schmucke Ohren anzusetzen. [Braun, Anne u. Nell, Edith: Man muß sich nur zu helfen wissen, Leipzig: Verl. für die Frau 1971, S. 126]
Gewiß ist es ein Unrecht, das ihr mit der Verurteilung angetan wird, und sie hat recht, es nicht zu vergessen. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 478]
Wir haben dies vergessen, und die Welt soll froh sein darüber. [o. A.: Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg Abschlussveranstaltung in der Kongresshalle, 14.09.1936]
Denn diese Kultur vergaß über ihrem christlichen Ideal niemals das Leben. [Rubin, Berthold: Byzanz. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1965], S. 15082]
Zitationshilfe
„vergessen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vergessen>.

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