vergesslich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungver-gess-lich
Ungültige Schreibungvergeßlich
Rechtschreibregeln§ 2
Wortbildung mit ›vergesslich‹ als Erstglied: ↗Vergesslichkeit
eWDG, 1977

Bedeutung

leicht vergessend, ein schlechtes Gedächtnis habend
Beispiele:
er ist ein vergesslicher Mensch
ich bin jetzt sehr vergesslich
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

vergessen · Vergessenheit · vergeßlich · Vergeßlichkeit
vergessen Vb. ‘aus dem Gedächtnis verlieren, sich nicht mehr erinnern können’, reflexiv ‘die Beherrschung verlieren’, ahd. firgeʒʒan (9. Jh.), mhd. vergeʒʒen ‘aus den Gedanken verlieren, vergessen’, reflexiv ‘in Vergessenheit geraten’, asächs. fargetan, mnd. vorgēten, mnl. verghēten, nl. vergeten, aengl. forgietan, engl. to forget ‘vergessen’. Daneben steht mit dem unter ↗er- behandelten Präfix gebildetes ahd. irgeʒʒan ‘vergessen’ mit dem Kausativum irgezzen ‘vergessen machen’ (s. ↗ergötzen). Es handelt sich um präfigierte Verben zu einem Simplex germ. *getan ‘erlangen’, das in ahd. geʒʒan ‘erlangen’ (8. Jh.), anord. geta ‘schaffen, erreichen, erzeugen, lernen, nennen, vermuten’ (woraus mengl. geten, engl. to get ‘erhalten, bekommen’), dän. gide ‘mögen’ erhalten ist, wozu auch ahd. bigeʒʒan ‘erhalten’ (8. Jh.), asächs. bigetan ‘finden, ergreifen’, aengl. begietan ‘erlangen, bekommen, finden, erwerben, erzeugen’, got. bigitan ‘finden’ gebildet sind. Außergerm. vergleichen sich lat. praeda (aus *prai-hedā, -hidā) ‘(Kriegs)beute, Gewinn’ und (mit Nasalpräsens) lat. prehendere ‘(an)fassen, ergreifen’, (schwundstufig) griech. chandánein (χανδάνειν), Aorist chadé͞in (χαδεῖν) ‘fassen, in sich begreifen, enthalten’, air. rogeinn ‘findet Platz in’, so daß von einer Wurzel ie. *ghe(n)d- ‘(an)fassen, ergreifen’, auch ‘geistig erfassen’ ausgegangen werden kann (dazu s. möglicherweise verwandtes ↗beginnen). Die Bedeutung des Simplex wird durch die Präfigierung (s. ↗ver- in negierender Funktion) ins Gegenteil gewendet, vergessen bedeutet eigentlich ‘nicht mehr ergreifen, halten können, aus seinem (geistigen) Besitz verlieren’. Vergessenheit f. ‘Zustand des Vergessenseins’, mhd. vergeʒʒenheit, auch ‘Vergeßlichkeit’. vergeßlich Adj. ‘leicht vergessend, ein schlechtes Gedächtnis habend’, mhd. vergeʒʒe(n)lich; Vergeßlichkeit f. (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
vergesslich · ↗zerstreut  ●  (ein) zerstreuter Professor (humor. Klischee)  ugs. · ↗schusselig  ugs. · ↗schusslig  ugs. · ↗trottelig  ugs. · tüddelig  ugs., norddeutsch · ↗tüdelig  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Autofahrer Ehemann Erinnerung Leser Mensch Nation Tourist Wesen Wähler Zeitgenosse Zeuge dumm gebrechlich sehr weniger

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vergesslich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nur vergesslich darf man nicht sein, denn sonst findet man die schwer wieder.
Der Tagesspiegel, 30.08.2003
So vergeßlich sind nicht einmal Sie, liebe Leser, Sie schon gar nicht.
Süddeutsche Zeitung, 05.04.1994
Je mehr Millionen einer hat, um so vergeßlicher wird er.
Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 355
Und Doris wunderte sich wieder einmal, wie vergeßlich ihre Freundin war.
Hettche, Thomas: Der Fall Arbogast, Köln: DuMont Buchverlag, 2001, S. 138
Sie verbreitet mit einer vergeßlichen Heiterkeit, wohin immer sie kommt, Frohsinn.
Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 106
Zitationshilfe
„vergesslich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vergesslich>, abgerufen am 19.04.2019.

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