Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

vergewaltigen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ver-ge-wal-ti-gen
formal verwandt mitGewalt
Wortbildung  mit ›vergewaltigen‹ als Erstglied: Vergewaltiger · Vergewaltigung
eWDG

Bedeutungen

1.
eine Frau durch Anwendung von Gewalt oder Drohung zum Geschlechtsverkehr zwingen
Beispiel:
eine Frau, ein Mädchen vergewaltigen
2.
übertragen etw., jmdn. unterdrücken, unter jmds. Gewalt zwingen
Beispiel:
viele farbige Völker sind lange Zeit politisch, wirtschaftlich vergewaltigt worden
einer Sache etw. aufzwingen, das ihr nicht gemäß ist
Beispiele:
ich müsste die Wahrheit, meine Überzeugung, mein Gewissen vergewaltigen, wollte ich so etw. behaupten
man kann die Sprache nicht vergewaltigen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gewalt · gewaltig · bewältigen · unbewältigt · überwältigen · vergewaltigen · gewaltsam · Gewaltakt · Gewalthaber · Gewaltherrschaft · gewalttätig
Gewalt f. ‘rohe Kraft, Wucht, Macht, Zwang’, ahd. giwalt (8. Jh.), mhd. gewalt, asächs. giwald, mnd. gewelde, gewalt, mnl. ghewelt, nl. geweld, aengl. geweald wie auch anord. vald, schwed. våld (germ. *(ga-)wald-) gehören als Abstraktbildungen (mit unterschiedlichem Genus) zu dem unter walten (s. d.) behandelten Verb. Diesem folgend gilt in alter Zeit vorwiegend die Bedeutung ‘Macht, Herrschaft, Vollmacht’. – gewaltig Adj. ‘mächtig, groß, eindrucksvoll’, ahd. giwaltīg (um 800), mhd. gewaltec, gewaltic, geweltic ‘mächtig’. bewältigen Vb. ‘in seine Gewalt bekommen, mit etw. fertig werden, meistern’ (14. Jh.), heute vielfach ‘geistig verarbeiten, verstehend überwinden’. Zuvor mhd. gewaltigen, geweltigen ‘Gewalt antun, überwältigen, etw. seiner Macht unterwerfen’; zu spätmhd. waltec, weltec ‘mächtig, gewaltig’. In der Negation unbewältigt Part.adj. ‘nicht reflektiert, unverarbeitet; verdrängt’ (unbewältigte Vergangenheit, 1955). überwältigen Vb. ‘besiegen, wehrlos machen, beeindrucken’ (15. Jh.). vergewaltigen Vb. ‘mit einer Frau gegen ihren Willen schlafen, gewaltsam zu etw. zwingen’, spätmhd. vergewaltigen, vergeweltigen. gewaltsam Adj. ‘durch Macht, (rohe) Kraft erzwungen’ (15. Jh.). Gewaltakt m. ‘rohe, brutale Handlung, Aktion mit viel Kraftaufwand’ (19. Jh.). Gewalthaber m. (15. Jh.) ‘wer Macht hat, Herrscher’, in älterer Rechtssprache auch ‘wer Vollmacht hat, Stellvertreter’. Gewaltherrschaft f. Verdeutschung (18. Jh.) von Despotie. gewalttätig Adj. ‘rohe Kraft anwendend, brutal’ (Ende 16. Jh., von Gewalttat, 1. Hälfte 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) vergehen an · (sich) vergreifen an · Notzucht verüben (an) · missbrauchen · zum Sex zwingen  ●  notzüchtigen  veraltet · schänden  altertümelnd · vergewaltigen  Hauptform
Oberbegriffe
  • marodieren · sengen und morden · sengen und plündern  ●  sengen und brennen  veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›vergewaltigen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vergewaltigen‹.

Verwendungsbeispiele für ›vergewaltigen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die junge Frau beschuldigt Herrn R., sie vergewaltigt zu haben. [Die Zeit, 16.05.1997, Nr. 21]
Denn – auch das scheint typisch für die besondere Situation eines Mädchens – ihre Lage unterscheidet sich nicht von der einer vergewaltigten Frau. [konkret, 1980]
Mit elf begann der älteste Sohn des Bauern, sie zu vergewaltigen. [Die Zeit, 29.07.2013, Nr. 31]
Ein Viertel gibt an, bereits eine Frau vergewaltigt zu haben. [Die Zeit, 04.03.2013, Nr. 09]
Vergewaltige mich, dachte ich, aber er entschuldigte sich und schrieb noch einen Brief, um sich ein zweites Mal zu entschuldigen. [Schwaiger, Brigitte: Wie kommt das Salz ins Meer?, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1982 [1977], S. 67]
Zitationshilfe
„vergewaltigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vergewaltigen>.

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