vergewaltigen
GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-ge-wal-ti-gen (computergeneriert)
formal verwandt mitGewalt
Wortbildung mit ›vergewaltigen‹ als Erstglied: ↗Vergewaltiger · ↗Vergewaltigung
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
eine Frau durch Anwendung von Gewalt oder Drohung zum Geschlechtsverkehr zwingen
Beispiel:
eine Frau, ein Mädchen vergewaltigen
2.
übertragen etw., jmdn. unterdrücken, unter jmds. Gewalt zwingen
Beispiel:
viele farbige Völker sind lange Zeit politisch, wirtschaftlich vergewaltigt worden
einer Sache etw. aufzwingen, das ihr nicht gemäß ist
Beispiele:
ich müsste die Wahrheit, meine Überzeugung, mein Gewissen vergewaltigen, wollte ich so etw. behaupten
man kann die Sprache nicht vergewaltigen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gewalt · gewaltig · bewältigen · unbewältigt · überwältigen · vergewaltigen · gewaltsam · Gewaltakt · Gewalthaber · Gewaltherrschaft · gewalttätig
Gewalt f. ‘rohe Kraft, Wucht, Macht, Zwang’, ahd. giwalt (8. Jh.), mhd. gewalt, asächs. giwald, mnd. gewelde, gewalt, mnl. ghewelt, nl. geweld, aengl. geweald wie auch anord. vald, schwed. våld (germ. *(ga-)wald-) gehören als Abstraktbildungen (mit unterschiedlichem Genus) zu dem unter ↗walten (s. d.) behandelten Verb. Diesem folgend gilt in alter Zeit vorwiegend die Bedeutung ‘Macht, Herrschaft, Vollmacht’. gewaltig Adj. ‘mächtig, groß, eindrucksvoll’, ahd. giwaltīg (um 800), mhd. gewaltec, gewaltic, geweltic ‘mächtig’. bewältigen Vb. ‘in seine Gewalt bekommen, mit etw. fertig werden, meistern’ (14. Jh.), heute vielfach ‘geistig verarbeiten, verstehend überwinden’. Zuvor mhd. gewaltigen, geweltigen ‘Gewalt antun, überwältigen, etw. seiner Macht unterwerfen’; zu spätmhd. waltec, weltec ‘mächtig, gewaltig’. In der Negation unbewältigt Part.adj. ‘nicht reflektiert, unverarbeitet; verdrängt’ (unbewältigte Vergangenheit, 1955). überwältigen Vb. ‘besiegen, wehrlos machen, beeindrucken’ (15. Jh.). vergewaltigen Vb. ‘mit einer Frau gegen ihren Willen schlafen, gewaltsam zu etw. zwingen’, spätmhd. vergewaltigen, vergeweltigen. gewaltsam Adj. ‘durch Macht, (rohe) Kraft erzwungen’ (15. Jh.). Gewaltakt m. ‘rohe, brutale Handlung, Aktion mit viel Kraftaufwand’ (19. Jh.). Gewalthaber m. (15. Jh.) ‘wer Macht hat, Herrscher’, in älterer Rechtssprache auch ‘wer Vollmacht hat, Stellvertreter’. Gewaltherrschaft f. Verdeutschung (18. Jh.) von Despotie. gewalttätig Adj. ‘rohe Kraft anwendend, brutal’ (Ende 16. Jh., von Gewalttat, 1. Hälfte 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) vergehen an · (sich) vergreifen an · Notzucht verüben (an) · ↗missbrauchen · ↗schänden · zum Sex zwingen  ●  ↗notzüchtigen  veraltet · vergewaltigen  Hauptform
Oberbegriffe
  • marodieren · sengen und morden · sengen und plündern  ●  sengen und brennen  veraltet
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Frau Mädchen Schülerin Stieftochter Studentin ausgeraubt bedroht beraubt brandschatzen entführt erdrosselt ermordet erschlagen erstochen erwürgt gefesselt gefoltert gequält geschwängert getötet gewürgt gezerrt misshandelt mißbraucht morden plündern umgebracht verschleppt verstümmelt überfallen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vergewaltigen‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Beide sollen im letzten Jahr ein 17-jähriges Mädchen in einem Hotel vergewaltigt haben.
Bild, 09.01.2004
Wenn die Täter Moslems sind, haben sie die Lehre des Islams vergewaltigt.
Der Tagesspiegel, 14.09.2001
Vergewaltige mich, dachte ich, aber er entschuldigte sich und schrieb noch einen Brief, um sich ein zweites Mal zu entschuldigen.
Schwaiger, Brigitte: Wie kommt das Salz ins Meer?, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1982 [1977], S. 67
Vom Vater schon in jungen Jahren vergewaltigt, war sie von Hause fortgelaufen.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 78
Der Adel kann nicht das Volk vergewaltigen und ausnutzen, dieses nicht den Adel mit seinen Vorrechten beseitigen.
Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 215
Zitationshilfe
„vergewaltigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vergewaltigen>, abgerufen am 20.01.2018.

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