vergiften

GrammatikVerb · vergiftet, vergiftete, hat vergiftet
Worttrennungver-gif-ten (computergeneriert)
Grundformgiften
Wortbildung mit ›vergiften‹ als Erstglied: ↗Vergifter · ↗Vergiftung  ·  formal verwandt mit: ↗gasvergiftet
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw. mit Gift versehen, durchsetzen, vermischen
Gegenwort zu entgiften
Beispiele:
die Speise war vergiftet
die Industrieabgase hatten die Luft vergiftet
ein vergifteter Pfeil, Speer
vergiftetes Blut
die Amputation des vergifteten Gliedes war die einzige Rettung
übertragen
Beispiele:
Neid und Habgier vergifteten (= verdarben) sein Gemüt
kleine Misshelligkeiten des Alltags können zuweilen die Atmosphäre im Betrieb vergiften (= unerträglich machen)
2.
sich vergiftendurch Aufnahme von Gift in den Organismus oder durch Bildung von Gift im Organismus erkranken
Beispiel:
sie hatten sich leicht an, mit verdorbenem Fleisch, durch verdorbene Speisen vergiftet
3.
jmdn., sich, ein Tier vergiftenjmdn., sich, ein Tier durch Gift töten
Beispiele:
der alte Hund musste in der Tierklinik vergiftet werden
sie hatte ihn aus Eifersucht vergiftet
er hat sich vergiftet (= durch Gift das Leben genommen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gift · Mitgift · giften · vergiften · giftig · Giftmischer
Gift n. ‘Stoff, der an oder in einem lebenden Organismus schädliche Wirkungen, Krankheiten oder Tod hervorruft’, ahd. (9. Jh.), mhd. mnd. gift f. ‘das Geben, Gabe, Geschenk, Gift’, mnl. ghifte, ghichte, nl. gift f. ‘Gabe, Gift’, aengl. gift, gyft f. n. ‘Gabe, Belohnung, Brautpreis’, Plur. ‘Hochzeit’, anord. gipt, gift f. ‘Gabe, Glück, Vermählung (der Frau)’, got. fragifts f. ‘Verleihung’, Plur. ‘Verlobung’, ist eine germ. Abstraktbildung (*gefti-) mit t-Suffix (und dadurch bedingtem Wandel von b zu f) zu dem unter ↗geben (s. d.) behandelten Verb. Die ursprüngliche Bedeutung ‘Gabe, Geschenk, Schenkung’ (die Gift noch bei Goethe) ist heute geschwunden und hat sich nur in der Zusammensetzung Mitgift f. ‘Heiratsgut der Braut, Aussteuer’, frühnhd. mitegift (15. Jh.), mnd. medegift (13. Jh.), eigentlich ‘das Mitgegebene’, erhalten. Der Bedeutungswandel von ‘Gabe’ zu ‘tödliche Gabe, Gift’, euphemistisch zuerst im Ahd. bei Notker, steht später unter dem Einfluß von griech.-spätlat. dosis, das ‘Geschenk, Gabe, bestimmte Menge Arznei’ bedeutet (s. ↗Dosis), aber auch als verhüllender Ausdruck für ‘Gift’ verwendet wird. Gift behält das ursprünglich fem. Genus in beiden Bedeutungen vorerst bei, wird dann als ‘schädlicher Stoff’ zuerst Mask. (Anfang 15. Jh.), später Neutr. (Mitte 16. Jh.), das sich im 18. Jh. durchsetzt und Gift f. ‘Gabe’ verdrängt. giften Vb. (auch reflexiv) ‘ärgern, erzürnen’ (15. Jh.), an den bildlichen Gebrauch von Gift ‘Arglist, Bosheit, Ärger, Wut, Zorn’ anknüpfend; vgl. mhd. giften ‘geben, schenken, vergiften’, ahd. giften ‘ausliefern, aussetzen’ (10. Jh.). vergiften Vb. ‘mit Gift durchsetzen, durch Gift schädigen, mit Gift töten’, ahd. firgiften ‘verkaufen, übergeben, zuerkennen’ (10. Jh.), mhd. vergiften, vergiftigen ‘schenken, vermachen, vergiften’. giftig Adj. ‘Gift enthaltend, boshaft, gehässig’, mhd. giftec. Giftmischer m. ‘wer in verbrecherischer Absicht Gift bereitet’ (1. Hälfte 16. Jh.), scherzhaft ‘wer beruflich mit Gift zu tun hat’, vor allem für den ‘Apotheker’, zuweilen auch den ‘Arzt’ (2. Hälfte 18. Jh.), neuerdings auch für den ‘Barmixer’.

Thesaurus

Synonymgruppe
kontaminieren · vergiften · ↗verunreinigen
Synonymgruppe
(jemandem) Gift geben · durch Gift töten · mit Gift umbringen · vergiften  ●  ↗(einen) Giftmord (an jemandem) begehen  geh.
Oberbegriffe
  • (jemandem) (den) Lebensfaden abschneiden · ↗auslöschen · ↗ermorden · ins Jenseits befördern · ↗killen · ↗meucheln · tot... · ↗umbringen · ums Leben bringen · zum Schweigen bringen · zur Strecke bringen  ●  (jemandem) das Lebenslicht auslöschen  fig., variabel · ↗töten (absichtlich)  Hauptform · (jemandem) den Garaus machen  ugs. · ↗abmurksen  ugs. · ↗abservieren  ugs., salopp · ↗ausknipsen  ugs., fig., salopp · ↗entleiben  geh. · in die ewigen Jagdgründe schicken  ugs. · ins Gras beißen lassen  ugs., fig. · ins Nirwana befördern  ugs. · ↗kaltmachen  ugs. · ↗totmachen  ugs. · um die Ecke bringen  ugs. · ↗umlegen  ugs. · vom Leben zum Tode befördern  geh. · über die Klinge springen lassen  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgas Arsis Atmosphäre Auspuffgas Autoabgas Betriebsklima Blausäure Brunnen Dioxin Erpresser Grundwasser Investitionsklima Klima Lebensmittel Leuchtgas Pestizid Pflanzenschutzmittel Polonium Schlaftablette Schwermetall Strychnin Tablette Taube Trinkwasser Zyanid Zyankali ertränken erwürgen vergasen verseuchen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vergiften‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Also bleiben sie bei Coast und die Atmosphäre bleibt vergiftet.
Die Welt, 08.05.2003
Weil es nichts anderes mehr zu essen gab, haben sie sich aus Hunger selbst vergiftet.
Süddeutsche Zeitung, 17.02.1994
Pilze umgeben uns, Pilze durchdringen uns, Pilze schmecken uns, und wenn wir nicht aufpassen, vergiften sie uns.
Katz, Richard: Übern Gartenhag, München u. Zürich: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. 1965, S. 153
Nun willst du wohl auch mich, deinen vierten Mann, vergiften?
Friedländer, Hugo: Die unglücklichen Ehen. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 28896
Er erfaßte auch die Kinder in den Schulen und begann so frühzeitig wie möglich, ihr Denken zu vergiften.
o. A.: Einunddreißigster Tag. Donnerstag, 10. Januar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 8265
Zitationshilfe
„vergiften“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vergiften>, abgerufen am 12.11.2019.

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