vergleichen

GrammatikVerb · vergleicht, verglich, hat verglichen
Aussprache
Worttrennungver-glei-chen
Wortbildung mit ›vergleichen‹ als Erstglied: ↗Vergleichung · ↗vergleichbar  ·  mit ›vergleichen‹ als Grundform: ↗vgl.  ·  formal verwandt mit: ↗unvergleichlich
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdn. mit jmdm., etw. mit etw. vergleichenjmdn., etw. prüfend neben jmdn., etw. halten, stellen, gegen jmdn., etw. abwägen, um Unterschiede oder Übereinstimmungen festzustellen
Beispiele:
Kopien, Handschriften mit dem Original vergleichen
hast du schon die Ergebnisse, Maße (miteinander) verglichen?
wir haben die Preise verglichen und dabei festgestellt, dass ...
dies Werk ist an Reife und Schönheit keinem anderen des Künstlers zu vergleichen (= übertrifft an Reife und Schönheit alle anderen des Künstlers)
sie verglich ihn mit ihrem Sohn
vergleiche Seite ... (= Verweis in Büchern)
die vergleichende Grammatik, Sprachwissenschaft, Methode, Anatomie, Verhaltensforschung
2.
sich mit jmdm. vergleichensich mit jmdm. messen, mit jmdm. wetteifern
Beispiel:
du kannst dich mit ihm nicht vergleichen
3.
Jura sich gütlich in einem Streitfall durch beiderseitiges Nachgeben einigen
Beispiel:
die Parteien haben sich über die Rückzahlung des Betrages verglichen
veraltend sich (mit jmdm.) vergleichensich gütlich mit jmdm. einigen
Beispiel:
doch verglich man sich gerne dahin, daß nicht zu zeitig aufgebrochen ... werden solle [MörikeMozart3,272]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gleich · Gleiche · Gleichheit · gleichen · begleichen · vergleichen · Vergleich · Vergleichung · Gleichnis · gleichsam · Gleichung · Gleichgewicht · gleichgültig · Gleichgültigkeit · gleichmäßig · Gleichmaß · gleichmütig · Gleichmut · Gleichschritt · gleichwohl · gleichzeitig
gleich Adj. ‘in allen oder wesentlichen Merkmalen übereinstimmend, ähnlich, der-, die-, dasselbe’, Adv. ‘sofort, auf einmal’, ahd. gilīh Adj., gilīhho Adv. (beide 8. Jh.), mhd. g(e)līch, -lich Adj., g(e)līche Adv., asächs. gilīk Adj., gilīko Adv., mnd. g(e)līk, mnl. ghelijc, nl. gelijk, aengl. (ge)līc, engl. like, anord. (g)līkr, got. galeiks beruhen auf einer Zusammensetzung germ. *ga-līka- aus dem unter ↗ge- (s. d.) behandelten Präfix und germ. *līka- ‘Körper, Gestalt’ (s. ↗Leiche, ↗-lich), so daß von einer Bedeutung ‘dieselbe Gestalt habend’ auszugehen ist. Adjektivischen Gebrauch von germ. *līka- im Sinne von ‘ähnlich, gleich, glatt, passend’ setzen ahd. līhhēn, gilīhhēn (8. Jh.), mhd. gelīchen ‘gefallen’ mit asächs. līkon, mnl. ghelīken, aengl. līcian, engl. to like, anord. līka, got. leikan, galeikan voraus. Außergerm. vergleichbar sind lit. lýgus ‘gleich, gleichartig, gut gebaut’, lýgti ‘gleichen, gleichkommen’, lett. līgt ‘übereinkommen’, so daß auf Grund der germ.-balt. Parallelen von ie. *lē̌ig- bzw. *līg- ‘Gestalt, die Gestalt jmds. habend, gleich, ähnlich’ ausgegangen werden kann. Gleiche f. nur noch in der Wendung in die Gleiche (‘ins Gleichgewicht, in Ordnung’) bringen, ahd. gilīhhī ‘Ähnlichkeit, Gleichheit’ (um 1000), mhd. gelīche; dafür heute allgemein Gleichheit (s. unten). Erhalten hat sich das Substantiv in Tagundnachtgleiche (17. Jh.), für lat. aequinoctium. Gleichheit f. ‘Übereinstimmung (in allen oder wesentlichen Merkmalen), Ähnlichkeit, gleiche Stellung, Gleichrangigkeit, Gleichberechtigung’, mhd. gelīcheit, glīcheit ‘Gleichheit, Gleichmäßigkeit, Gleichnis’, in der Mystik ‘Gleichmut aus Gottergebenheit’, im 16. Jh. synonymes Gleiche (s. oben) zurückdrängend. gleichen Vb. ‘gleich, ähnlich sein’, mhd. gelīchen; die heute übliche starke Flexion kommt (wohl in Analogie zu Verben wie bleichen, schleichen, streichen) im 16./17. Jh. auf und setzt sich im 18. Jh. durch. Daneben steht (transitiv) ahd. gilīhhen (8. Jh.), mhd. gelīchen, nhd. gleichen ‘gleich, ähnlich machen’, dessen schwache Flexion bis zur Ablösung des Verbs durch Präfixbildungen (19. Jh.) beibehalten wird; doch weisen die zugehörigen Präfixverben (an-, aus-, be-, vergleichen) heute ebenfalls starke Flexion auf. begleichen Vb. ‘bezahlen, bereinigen, ausgleichen’, Neubildung (nach nur kurzlebigem frühnhd. sich begleichen ‘sich vergleichen’) Ende des 19. Jhs. in der Handelssprache für saldieren, das zuvor mit vergleichen, ab-, ausgleichen verdeutscht wird. vergleichen Vb. ‘prüfend nebeneinanderstellen’, reflexiv ‘sich gütlich einigen’, mhd. verg(e)līchen ‘ausgleichen’, reflexiv ‘sich vertragen’; Vergleich m. ‘prüfende, kritische Nebeneinanderstellung, gütlicher Ausgleich in einem Streitfall, Einigung’ (17. Jh.), älter Vergleichung f. mhd. vergelīchunge. Gleichnis n. ‘Veranschaulichung eines Sachverhaltes durch eine beispielhafte, bildliche Darstellung’, ahd. gilīhnissa, gilīhnessi, -nissi ‘Abbild, Ähnlichkeit, Gleichnis’ (8. Jh.), mhd. gelīchnisse. gleichsam Adv. ‘gewissermaßen, in derselben Art wie’ (15. Jh.). Gleichung f. in der Mathematik ‘Gleichsetzung mathematischer Größen’ (Ende 17. Jh.), Verdeutschung von lat. aequātio anstelle des im 16. und 17. Jh. üblichen Vergleichung; zuvor ‘Vergleichung, Gleichartigkeit, Ähnlichkeit’ (vereinzelt bis ins 19. Jh.), mhd. g(e)līchunge. Gleichgewicht n. ‘Gleichheit des Gewichts’ (16. Jh.) für lat. aequipondium (aus lat. aequus ‘gleich’ und lat. pondus n. ‘Gewicht’; vgl. gleichwichtig, 15. Jh., gleichgewichtig, Gleichwichtigkeit, 16. Jh.), ‘Balance, Zustand eines Körpers, in dem sich die auf ihn entgegengesetzt einwirkenden Kräfte aufheben’ (17. Jh.) für lat. aequilībrium (zu lat. aequilībris ‘im Gleichgewicht’, lat. lībra ‘Waage, Pfund’), übertragen ‘Ausgleich von Kräften, Machtverhältnissen, seelische Ruhe, Ausgeglichenheit’ (18. Jh.). gleichgültig Adj. ‘teilnahmslos, belanglos, unwesentlich’ (18. Jh.), zuvor ‘gleichwertig, gleichbedeutend’, auch ‘ohne Wert, ohne Bedeutung’ (um 1600); Gleichgültigkeit f. (2. Hälfte 17. Jh.). gleichmäßig Adj. ‘unverändert fortlaufend, regelmäßig, ruhig, ausgeglichen’ (15. Jh.); Gleichmaß n. ‘Ebenmaß, Gleichförmigkeit, Ausgeglichenheit’ (vereinzelt 16. Jh., häufiger seit etwa 1700). gleichmütig Adj. ‘ruhig, gefaßt, gelassen’ (15. Jh.); dazu die Rückbildung Gleichmut m. ‘Gelassenheit’ (17. Jh.). Gleichschritt m. ‘gleichmäßige Bewegung zweier und mehrerer Personen bzw. der Truppe mit einheitlicher Schrittlänge und taktmäßigem Niedersetzen des gleichen Fußes’ (2. Hälfte 18. Jh.). gleichwohl Konj. Adv. ‘trotz dem Vorhergesagten, dennoch, trotzdem’ (15. Jh.), Zusammenrückung von gleich und wohl, spätmhd. gelīche wol, eigentlich ‘in gleicher Weise gut, wirksam’, mnd. gelīkewol. gleichzeitig Adj. ‘zur gleichen Zeit’ (Mitte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Parallelen ziehen · auf eine Stufe stellen (mit) · ↗gleichsetzen · vergleichen (mit)  ●  in eins setzen  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
Parallelen ziehen · einen Vergleich anstellen (zwischen) · ↗entgegensetzen · gegeneinander abwägen · ↗gegenüberstellen · in Relation setzen · ↗kontrastieren · vergleichen
Unterbegriffe
  • Dinge vergleichen, die nicht verglichen werden können · einen unfairen Vergleich machen · Äpfel mit Birnen vergleichen
Assoziationen
Synonymgruppe
kollationieren · vergleichen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angebot Apfel Birne Datum Ergebnis Fingerabdruck Forscher Glückszahl Lage Leistung Original Preis Situation Studie Vorgehen Vorjahr Vorjahreszeitraum Wissenschaftler Zahl Zustand analysieren durchaus etwa gern gerne man miteinander nicht untereinander untersuchen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vergleichen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Verglichen damit sei das Ergebnis doch gar nicht so schlecht.
Die Zeit, 18.09.2006, Nr. 38
Und das war noch nichts, verglichen mit dem, was folgen sollte.
Der Tagesspiegel, 01.08.2004
Doch muß man hier noch mehr als gewöhnlich die Wörter mit der Wirklichkeit vergleichen.
Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 428
Jetzt hat man mir das Buch wieder weggenommen, jetzt kann ich es wieder nicht mehr vergleichen.
o. A.: Einhundertelfter Tag. Donnerstag, 18. April 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 14876
Wie verhielt sich die Wirklichkeit verglichen mit so hohen Idealen?
Goldfriedrich, Johann: Geschichte des Deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1909], S. 3669
Zitationshilfe
„vergleichen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vergleichen>, abgerufen am 21.11.2019.

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