vergnügen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-gnü-gen
Wortbildung mit ›vergnügen‹ als Grundform: ↗vergnügt
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
sich vergnügensich vergnügt die Zeit vertreiben
Beispiele:
sich auf dem Rummelplatz, auf dem Ball, in der Faschingszeit vergnügen
die Kinder vergnügten sich mit Schneeballwerfen, haben sich stundenlang im Wasser vergnügt
er vergnügte sich mit ihr
2.
etw. vergnügt jmdn.etw. belustigt, amüsiert jmdn.
Beispiele:
es vergnügte ihn zu hören, wie die Leute über ihn sprachen
ihre Frage, Bestürzung, unbegründete Angst schien ihn zu vergnügen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

vergnügen · vergnügt · Vergnügen · vergnüglich · Vergnügung
vergnügen Vb. ‘erheitern, ergötzen, in fröhliche Stimmung versetzen’, heute vor allem reflexiv ‘sich in angenehmer Weise die Zeit vertreiben’, zuvor (vereinzelt noch im frühen 19. Jh.) ‘zufriedenstellen, befriedigen’, frühnhd. verg(e)nügen (15. Jh.), auch (bis ins 17. Jh.) vernügen wie mnd. vor(g)nȫgen, mnl. vernoeghen, vernoughen, vernueghen ‘zufriedenstellen, Genugtuung leisten, bezahlen’. Die mit dem zusätzlichen Präfix nhd. mnl. ver-, mnd. vor- (s. ↗ver-) erweiterten Formen schließen sich an das unter ↗genügen (s. d.) dargestellte, zum Adjektiv ↗genug (s. d.) gehörende Verb an. Im Nhd. übernimmt vergnügen weitgehend den transitiven Gebrauch von mhd. genüegen, genuogen. Der Bedeutungswandel von ‘befriedigen’ (vgl. in diesem Sinne noch nl. vergenoegen, älter vernoegen) zu ‘in den angenehmen Zustand völliger Zufriedenheit versetzen, ergötzen, heiter machen’ vollzieht sich Mitte des 17. Jhs. Die gleiche semantische Entwicklung zeigen das sich verselbständigende vergnügt Part.adj. ‘fröhlich gestimmt, erheitert’ (seit dem 17. Jh.), ‘zufriedengestellt, entschädigt’ (15. bis 18. Jh.) und der substantivierte Infinitiv Vergnügen n. ‘Freude, Spaß, angenehmer Zeitvertreib’ (Ende 17. Jh., zunächst vor allem ‘innere Befriedigung, zufriedene Heiterkeit’), älter ‘Genüge, Befriedigung (eines Anspruchs), Entschädigung, Bezahlung’ (besonders im Rechts- und Geschäftsverkehr), frühnhd. Verg(e)nügen (2. Hälfte 15. Jh.), Vernügen (16. Jh.), mnd. vornȫgen ‘Genüge, Befriedigung, Zufriedenheit’. Die junge Verwendung von Vergnügen für ‘Geselligkeit, Fest, Tanzveranstaltung’ (vgl. Tanzvergnügen, 2. Hälfte 19. Jh., Betriebsvergnügen, 20. Jh.) wird heute bereits wieder unüblich. vergnüglich Adj. ‘erheiternd, Vergnügen bereitend’ (Ende 17. Jh.), auch ‘heiter, vergnügt’ (18. Jh.), vorher ‘genügend, befriedigend’ (auch vernüglich, 17. Jh.); vgl. frühnhd. vergnügig ‘genügend’, vernügig ‘zufrieden’ (16. Jh.). Vergnügung f. ‘Freude, Spaß, erheiterndes Erlebnis’ (17. Jh., auch ‘unterhaltsame Veranstaltung’, vgl. Vergnügungsfahrt, -reise, 19. Jh., Vergnügungspark, -steuer, 20. Jh.), jetzt meist im Plur., während der Sing. hinter (in neuerer Sprache kaum pluralisch gebrauchtem) Vergnügen (s. oben) zurücktritt; voraus geht frühnhd. Vergnügung, Vernügung ‘Genüge, Genügsamkeit, Genugtuung, Bezahlung’ (16. Jh.), mnd. vor(ge)nȫginge ‘Befriedigung, Wiedergutmachung, Bezahlung’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Badegast Ballspiel Büfett Disco Diskothek Eisstockschießen Fahrgeschäft Freier Geliebte Herzenslust Hüpfburg Kartenspiel Karussell Kid Kleine Oktoberfest Ponyreiten Pool Prostituierte Pärchen Rutsche Sommerfest Spielplatz Tanzfläche Yacht abends anderweitig derweil nebenan währenddessen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vergnügen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es geht also immer erheiternd zu; das Volk ist doch schon längst vergessen, man vergnügt sich.
Süddeutsche Zeitung, 20.04.2004
So kommt es, wie es kommen muß, der Leser vergnügt sich mit.
Der Tagesspiegel, 13.08.1996
Das macht alle Essen nicht schon wieder dick, dafür aber vergnügt.
Schönfeldt, Sybil: Leichte schnelle Küche, Hamburg: Litten 1978, S. 61
Wir setzten uns vergnügt um den runden Tisch des verlassenen Hauses.
Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg - Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1928], S. 48
Und bei der andern Arbeit, die du als notwendig ausgeheckt hast, mußt du dich einmal alleine vergnügen.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 6096
Zitationshilfe
„vergnügen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vergnügen>, abgerufen am 19.09.2019.

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