verhaften

Grammatik Verb · verhaftet, verhaftete, hat verhaftet
Aussprache  [fɛɐ̯ˈhaftn̩]
Worttrennung ver-haf-ten
Wortzerlegung  ver- haften1
Wortbildung  mit ›verhaften‹ als Erstglied: Verhaftung  ·  mit ›verhaften‹ als Grundform: Verhaft · verhaftet
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

jmd. verhaftet jmdn., jmd. wird verhaftetjmdn. (aufgrund eines Haftbefehls) in Haft nehmen
Die Fachsprache unterscheidet in Bezug auf die Gefangennahme einer Person zwischen dem Verhaften aufgrund eines Haftbefehls einerseits und dem Festnehmen ohne Haftbefehl andererseits. Die Allgemeinsprache verwendet beide Begriffe meist synonym.
siehe auch inhaftieren
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: Personen wahllos, willkürlich verhaften
mit Akkusativobjekt: Extremisten, Kriegsverbrecher, Täter, Tatverdächtige, Terroristen, Verdächtige verhaften
mit Aktivsubjekt: der Geheimdienst, die Kripo, die Polizei verhaftet jmdn.; die Fahnder, Polizisten, Sicherheitskräfte, US-Behörden verhaften jmdn.
in Koordination: verhaftet und abgeschoben, angeklagt, ausgeliefert, deportiert, [wieder] freigelassen, gefoltert, hingerichtet, [vor Gericht] gestellt, verhört, verschleppt, verurteilt werden
hat Präpositionalgruppe/-objekt: unter einer Beschuldigung, einem Verdacht, einem Vorwurf, einem Vorwand, wegen eines Verdachts verhaftet werden
als Prädikativ: als Anstifter, Komplize, Mitwisser, Spion, Tatverdächtiger verhaftet werden
Beispiele:
Die Polizei hat Wohnungen durchsucht sowie in ganz Europa und in den USA Personen verhaftet, die der Installation der Handy‑Malware verdächtigt wurden. [Droidjack – Android-Entwickler auf Abwegen, 30.08.2019, aufgerufen am 06.05.2020]
Der junge Mann sei am Dienstag von der Militärpolizei verhaftet und nach Großbritannien gebracht worden. in Manchester wurde er verhört. [Der Spiegel, 04.12.2013 (online)]
übertragen, scherzhaft Zubereitung: 1.) Freunde anrufen und für den nächsten Nachmittag zum Kaffeeklatsch verhaften. [Zucker, Zimt und Liebe, 05.02.2012, aufgerufen am 29.04.2016]
Die jungen Leute wurden verhaftet, mehrere Wochen verhört, mit Gefängnis bedroht und schließlich wieder in Freiheit gesetzt. [Engler, Wolfgang: Die Ostdeutschen, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1999], S. 313]
Derweil führt Judas die Beamten der Staatsmacht zu Jesus und zeigt ihnen durch einen Bruderkuß, wen sie verhaften sollen. [Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 70]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haft1 · Haftel · Heftel · Haft2 · Haftbefehl · haften · Haftung · verhaften · Verhaftung · verhaftet · inhaftieren
Haft1 f. ‘polizeilicher Gewahrsam, Gefangenschaft’. Auf das Westgerm. beschränkt sind die Feminina mhd. haft ‘Fesselung, Gefangenschaft, Befestigung’ (frühnhd. auch ‘Beschlagnahme’), mnd. hacht ‘Anspruch, Berechtigung, Haft’, wohl auch aengl. hæft ‘Gefangennahme, Haft’ und ahd. hafta ‘Verknüpfung, Griff, Gefangennahme’ (9. Jh.), mhd. hafte ‘Verknüpfung, Haft, Verwahrung, Hindernis’, mnd. hacht(e), hafte ‘Gefängnis, Haft’, anfrk. hafta ‘Gefangenschaft’, mnl. hachte ‘Gefangenschaft, Gefahr, schwierige Lage’. Daneben kennt das Germ. ein in den Verwendungen sich mit den Feminina vermischendes maskulines und neutrales Substantiv ahd. haft m. n. ‘Band, Fessel, Gefangenschaft’ (9. Jh.), mhd. haft m. ‘Band, Fessel, Knoten, Halt’ (spätmhd. auch ‘Bürgschaft’), nhd. Haft m. ‘Verbindung, Naht, Fessel, Haltevorrichtung’ (bis ins 18. Jh., vgl. dazu das Deminutivum mhd. haftel, haftelīn, heftel, heftelīn, obd. Haftel, omd. Heftel n. ‘Verschluß aus Haken und Öse’), aengl. hæft m. ‘Band, Fessel, Gefangenschaft’, anord. hapt n. ‘Fessel’ sowie ein Maskulinum mhd. haft, aengl. hæft, anord. haptr ‘Gefangener’, das sich zum Adjektiv ahd. (9. Jh.), mhd. haft ‘gebunden, gefangen’ (s. -haft) stellt. Alle diese nominalen Bildungen (und weiterhin die bei Heft1 angegebenen germ. Formen, s. d.) weisen die auch für heben und haben (s. d.) vorauszusetzende Wurzel ie. *kap- auf; sie bewahren (im Unterschied zu den genannten Verben) deren ursprüngliche Bedeutung ‘fassen’ (vgl. lat. capere ‘nehmen, fassen, ergreifen’, captīvus ‘gefangen, erbeutet’). Wohl ebenfalls an diese Gruppe anzuschließen (vielleicht als Rückbildung aus dem Verb haften, s. unten) ist der Insektenname Haft2 m. n. ‘Eintagsfliege’ (18. Jh., vgl. gleichbed. nl. haft, haf n., 17. Jh.), dessen Pluralform Hafte von Oken in die dt. zoologische Fachsprache übernommen wird (s. Eintagsfliege). Eine junge Zusammensetzung mit nhd. Haft f. ‘polizeilicher Gewahrsam’ ist Haftbefehl m. ‘schriftliche richterliche Verfügung, eine Person zu verhaften’ (2. Hälfte 19. Jh.) für älteres Haftbrief (16. Jh.). haften Vb. ‘fest an einem Gegenstand hängen, kleben’, in der Fügung für etw., jmdn. haften ‘bürgen, einstehen, verantwortlich sein’, ahd. haftēn ‘hängen, kleben, festhalten, zugeordnet, verbunden sein’ (9. Jh.), mhd. haften ‘befestigt sein, anhängen, zugehören’, asächs. hafton ‘haften’, mnd. haften, hachten, mnl. hachten ‘haften, befestigen, gefangennehmen’ (mnd. auch ‘bürgen’). Das Verb basiert wie das unter heften (s. d.) dargestellte, anders abgeleitete gemeingerm. Faktitiv auf dem in ahd. haft ‘gebunden, gefangen’ vorliegenden germ. Adjektiv (s. -haft). Seit Mitte des 14. Jhs. ist der vor allem rechtssprachliche Gebrauch im Sinne von ‘bürgen’ bezeugt. Nur noch hierzu gehört heute das Verbalsubstantiv Haftung f. ‘Verpflichtung, für etw. oder jmdn. einzustehen’ (so seit dem 14. Jh., im älteren Nhd. auch ‘Gefangennahme’), ahd. haftunga ‘Gefangenschaft’ (um 900), mhd. haftunge ‘Gefangennahme, Haft, das Festhalten’, mnd. haftinge ‘Haft’. verhaften Vb. ‘gefangennehmen’ (17. Jh., zuvor ‘pfänden, beschlagnahmen, verbinden, befestigen’, 15. Jh.), transitivierende Präfixbildung zu haften (s. oben) anstelle von vorausgehendem mhd. frühnhd. verheften (Part. Prät. verhaft, verheftet) ‘einheften, befestigen, verbinden, vorenthalten’ (frühnhd. auch ‘festnehmen, pfänden’), dieses zu mhd. heften (s. heften); Verhaftung f. ‘Gefangennahme’ (16. Jh., zunächst auch ‘Verbindung, Befestigung’), vgl. frühnhd. verheftunge ‘Beschlagnahme’ (15. Jh.). Das Part. Prät. von verhaften verselbständigt sich im Nhd. als verhaftet Part.adj. ‘eng mit etw. verbunden, in etw. verwurzelt’ (16. Jh.). inhaftieren Vb. in der Kanzleisprache des 18. Jhs. als Synonym für verhaften aufkommend, ist eine latinisierende Bildung (mit in-1, s. d.) zu Haft (wohl unter Einfluß der präpositionalen Fügung in Haft).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandes) habhaft werden · auffliegen lassen · aufgreifen · ausheben · ergreifen · ertappen · erwischen · fangen · fassen · festnehmen · greifen · hochgehen lassen · stellen · verhaften · zu fassen kriegen  ●  (jemandem) das Handwerk legen  fig. · (wieder) einkassieren  ugs., salopp, fig. · am Schlafittchen packen  ugs. · arripieren  geh., veraltet · aufbringen (Schiff)  fachspr., Jargon · hochnehmen  ugs. · hoppnehmen  ugs. · hopsnehmen  ugs. · kaschen  ugs. · kassieren  ugs. · kriegen  ugs. · packen  ugs. · schnappen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
dingfest machen · gefangen nehmen · gefangennehmen · in Gewahrsam nehmen · in Haft nehmen · inhaftieren · verhaften  ●  aus dem Verkehr ziehen  fig. · festnehmen  Hauptform · arretieren  geh., veraltet · die Handschellen klicken lassen  ugs., auch figurativ · einkassieren  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
erwischen · gefangen nehmen · verhaften  ●  (jemanden) hochnehmen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›verhaften‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verhaften‹.

Zitationshilfe
„verhaften“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verhaften>, abgerufen am 21.09.2021.

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