verhungern

GrammatikVerb · verhungerte, ist verhungert
Aussprache
Worttrennungver-hun-gern (computergeneriert)
Grundformhungern
Wortbildung mit ›verhungern‹ als Grundform: ↗verhungert
eWDG, 1977

Bedeutung

vor Hunger sterben
Beispiele:
noch heute verhungern täglich viele Menschen in der Welt
die vom Hochwasser Eingeschlossenen waren nahe am Verhungern, dem Verhungern nahe
diese Leute sahen verhungert (= elend und abgemagert) aus
umgangssprachlich, scherzhaft wir sind schon am Verhungern (= haben großen Hunger)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hunger · hungern · hungrig · aushungern · verhungern · Hungersnot · Hungertuch
Hunger m. ‘Verlangen nach Nahrung, starkes Bedürfnis’, ahd. hungar (8. Jh.), mhd. mnd. hunger, asächs. hungar, mnl. hongher, nl. honger, aengl. hungor, hungur, engl. hunger, anord. hungr, schwed. hunger mit grammatischem Wechsel gegenüber got. hūhrus. Germ. *hungru-/ *hunhru- führt mit griech. kánkanos (κάγκανος) ‘dürr, trocken, brennbar’, kénkei (κέγκει) ‘hungert’, lit. kankà ‘Schmerz, Pein, Marter, Qual’, kankìnti ‘peinigen, quälen’, keñkti ‘schaden, schmerzen’ und möglicherweise auch aind. kā́ṅkṣati ‘er begehrt, verlangt brennend, sehnt sich’ auf eine Wurzel ie. *kenk- ‘brennen, weh tun’ (auch von Durst und Hunger). Vom Substantiv abgeleitet hungern Vb. ahd. hungarēn (8. Jh.), hungarōn (11. Jh.), mhd. hungern. hungrig Adj. ‘Hunger leidend’, ahd. hung(a)rag (9. Jh.), mhd. hungerec, hungeric, hungerc. aushungern Vb. ‘hungern lassen, durch Hunger zum Nachgeben, zur Auf-, Übergabe zwingen’ (15. Jh.). verhungern Vb. ‘an Hunger zugrunde gehen’, mhd. verhungern. Hungersnot f. mhd. hungernōt. Hungertuch n. ehemals ‘in der Fastenzeit den Altar verhüllendes bemaltes oder besticktes Tuch’, mhd. hungertuoch, mnd. hungerdōk. Dazu die Wendung am Hungertuche nagen ‘Not leiden’ (16. Jh.), scherzhafte Umbildung (H. Sachs, Fischart) von (ebenfalls im 16. Jh. bezeugtem) am Hungertuche nähen, flicken ‘fasten, sich kümmerlich behelfen’, eigentlich ‘das Fastenvelum nähen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(den) Hungertod sterben · an Nahrungsmangel zugrunde gehen · bei/in einer Hungersnot umkommen · vor Hunger sterben  ●  verhungern  Hauptform · hungers sterben  geh., veraltet
Oberbegriffe
  • (die) Augen für immer schließen · (jemandem) schlägt die Stunde · (jemandes) letztes Stündlein hat geschlagen · ↗ableben · das Zeitliche segnen · den Tod erleiden · ↗erlöschen · in den letzten Zügen liegen · in die ewigen Jagdgründe eingehen · sein Leben aushauchen · sein Leben lassen · seinen Geist aushauchen · ↗verdämmern · ↗verscheiden · ↗versterben · ↗wegsterben  ●  (die) Reihen lichten sich  fig. · ↗abtreten  fig. · aus dem Leben scheiden  fig. · ↗dahinscheiden  verhüllend · ↗davongehen  fig. · ↗entschlafen  fig., verhüllend · ↗fallen  militärisch · ↗gehen  verhüllend · sanft entschlafen  verhüllend, fig. · seinen letzten Gang gehen  fig. · ↗sterben  Hauptform · uns verlassen  verhüllend · von der Bühne des Lebens abtreten  fig. · von uns gehen  fig. · über die Klinge springen (lassen)  salopp · (den) Arsch zukneifen  vulg., fig. · (den) Löffel abgeben  ugs., fig., salopp · (den) Weg allen Fleisches gehen  geh. · (seine) letzte Fahrt antreten  ugs., fig. · ↗dahingehen  geh., verhüllend · dahingerafft werden (von)  ugs. · den Geist aufgeben  ugs. · die Hufe hochreißen  derb, fig. · dran glauben (müssen)  ugs. · in die Grube fahren  ugs., fig. · ins Gras beißen  ugs., fig. · seinen Geist aufgeben  ugs. · vor seinen Richter treten  geh., fig. · vor seinen Schöpfer treten  geh., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Esel Gefangenschaft Heuhauf Hunderttausend Jungtier Jungvogel Leningrad Leningrader Nordkoreaner Pflegekind Siebenjährige Tausend Verlies Zehntausend abmagern buchstäblich elend elendig erfrieren ersticken ertrinken foltern hungern jämmerlich krepieren qualvoll verdursten verhungern verrecken verweichlicht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verhungern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hier verhungerten laut seiner Liste in den vergangenen zwei Jahren 24 Kinder.
Die Zeit, 18.04.2011, Nr. 16
In den ersten Jahren seines Schaffens, so er selber, wäre er beinahe verhungert.
Süddeutsche Zeitung, 13.03.1999
Die nordischen Völker hätten verhungern müssen, wenn sie darauf verzichtet hätten.
Bauer, Hans: Tisch und Tafel in alten Zeiten, Leipzig: Koehler & Amelang 1967, S. 184
Das ganze gesellschaftliche Leben ist zuerst darauf eingestellt, nicht zu verhungern.
Bertaux, Pierre: Afrika bis zum Kommen der Europäer. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 17513
In dem überfüllten Lager, in dem es an allem mangelte, verdursteten und verhungerten viele von ihnen binnen kurzem.
o. A.: Enzyklopädie des Nationalsozialismus - B. In: Enzyklopädie des Nationalsozialismus, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1997], S. 6178
Zitationshilfe
„verhungern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verhungern>, abgerufen am 21.08.2019.

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