verirren

GrammatikVerb · reflexiv
Aussprache
Worttrennungver-ir-ren
Grundformirren
Wortbildung mit ›verirren‹ als Erstglied: ↗Verirrung
eWDG, 1977

Bedeutung

in die Irre gehen, sich verlaufen, vom richtigen Wege abkommen
Beispiele:
sich im Walde, im Gebirge, in der Wüste, auf dem Heimweg verirren
hier kann man sich leicht verirren
ein verirrtes Kind, Reh
umgangssprachlich zufällig irgendwohin geraten
Beispiel:
kaum ein Reisender, Auto verirrt sich in diese abgelegene Gegend
bildlich
Beispiele:
meine Gedanken verirrten sich ins Grenzenlose
wie konnte deine Liebe sich so weit verirren?
verirrte Kugeln schwirrten durch die Luft
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

irre · irr · Irrer · Irrenhaus · Irrenanstalt · Irrsinn · irrsinnig · Irre · irren · beirren · verirren · irrig · Irrtum · irrtümlich · Irrfahrt · Irrgarten · Irrlehre · Irrlicht · Irrwisch
irre irr Adj. ‘unsicher, zweifelnd, verwirrt, geistesgestört’, ahd. irri ‘umherschweifend, verirrt, unwissend, zügellos’ (9. Jh.), mhd. irre, erre ‘vom rechten Wege abgekommen, verirrt, wankelmütig, erzürnt, aufgebracht, uneinig’, asächs. irri ‘zornig’, mnd. erre, aengl. ierre ‘umherschweifend, verdorben, schlecht, zornig, wild’, got. aírzeis ‘verirrt’. Vergleicht man aind. irasyáti ‘zürnt, will übel’, lat. errāre ‘umherirren, sich verirren’ und zieht ↗rasen (s. d.) und die dort genannten Formen heran, so kann von ie. *er(ə)s-, *rē̌s- ‘fließen, aufgebracht, erregt sein’, wohl s-Erweiterung der Wurzel ie. *er-, *or- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’, ausgegangen werden. S. auch ↗rinnen, ↗rennen, ↗rieseln. Germ. *erzja- setzt die Wurzelbedeutung teils in ‘unruhig umherschweifend’, teils in ‘heftig bewegt, zornig’ fort. Nhd. irre ‘geistig verwirrt, geisteskrank’ (17. Jh.) geht hervor aus ‘verwirrt, geistig vom rechten Weg abgekommen’; dazu Irrer m. ‘Geistesgestörter’ (19. Jh.); Irrenhaus n. (18. Jh.), für älteres Narrenhaus; Irrenanstalt f. (19. Jh.). Irrsinn m. ‘Wahnsinn, Geistesgestörtheit’ (18. Jh.), zuvor ‘verwirrtes, unrichtiges Denken’ (17. Jh.); irrsinnig Adj. ‘wahnsinnig, geistesgestört’ (19. Jh.); in heutiger Umgangssprache (20. Jh.) oft verstärkend ‘sehr’. Irre f. ‘falscher Weg, falsche Richtung’, mhd. irre, (md.) erre ‘Irrtum, Verirrung, Irrfahrt’; vgl. got. aírzei ‘Irrlehre’. irren Vb. ‘sich ziellos hin und her bewegen, rastlos umherziehen, eine falsche Meinung haben, sich täuschen’, ahd. irrōn ‘irregehen, umherirren, in Ungewißheit sein, abtrünnig werden’ (8. Jh.), irren ‘verwirren’ (9. Jh.), mhd. irren ‘in Verwirrung bringen, stören, auf Abwege, zum Unglauben bringen, ungewiß, unsicher sein’, aengl. iorsian, irsian ‘böse sein, machen’, got. aírzjan ‘irreführen’. beirren Vb. ‘unsicher machen’ (17. Jh.). verirren Vb. reflexiv ‘vom Weg abkommen, sich nicht zurechtfinden’, ahd. firirrōn (um 1000), mhd. verirren ‘in die Irre führen, stören, verwirren, sich verirren, in Irrtum fallen’. irrig Adj. ‘falsch’, mhd. irrec, irric ‘zweifelhaft, hinderlich’, vgl. ahd. irrī̌gheit ‘Irrlehre, Irrtum’ (um 1000). Irrtum m. ‘Fehler, Versehen’, ahd. irrituom ‘Irrlehre, Irrtum, Irrgang’ (9. Jh.), mhd. irretuom ‘Irrung, Hindernis, Schaden, Ketzerei, Streit’; irrtümlich Adj. ‘fälschlich, versehentlich’ (19. Jh.). Irrfahrt f. ‘Fahrt in die falsche Richtung, vergebliches Suchen nach dem rechten Weg’, mhd. irrevart. Irrgarten m. ‘Labyrinth’ (16. Jh.). Irrlehre f. ‘falsche Lehre’ (17. Jh.). Irrlicht n. kurz aufleuchtendes, unruhig flackerndes Flämmchen (über Moorböden, durch Selbstentzündung von Sumpfgas), im Volksglauben als in die Irre führender Kobold oder Totengeist vorgestellt (17. Jh.); dafür auch Irrwisch m. (16. Jh.), zu ↗Wisch ‘Fackel’ (s. d.); auch ‘unruhiger Mensch, lebhaftes Kind’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(die) Abfahrt verpassen · (die) Abzweigung verpassen · (sich) verirren · in die falsche Richtung fahren · vom Weg abkommen · von der Route abkommen  ●  ↗(sich) verfahren  Hauptform · ↗(sich) verfranzen  ugs.
Assoziationen
  • abdriften · ↗abtreiben · vom richtigen Kurs abdriften · wegdriften
  • (den) falschen Weg einschlagen · (die) Orientierung verlieren · (sich) verirren · den Weg verfehlen · in die falsche Richtung laufen · nicht mehr wissen, wo man ist · nicht zurückfinden · vom Weg abirren · vom Weg abkommen  ●  ↗(sich) verlaufen  Hauptform · ↗fehlgehen  geh.
  • (sich) verfliegen  ●  ↗(sich) verfranzen  Jargon
  • desorientiert (sein) · nicht wissen, wo man (gelandet) ist  ●  keinen Plan haben  ugs., salopp
Synonymgruppe
(den) falschen Weg einschlagen · (die) Orientierung verlieren · (sich) verirren · den Weg verfehlen · in die falsche Richtung laufen · nicht mehr wissen, wo man ist · nicht zurückfinden · vom Weg abirren · vom Weg abkommen  ●  ↗(sich) verlaufen  Hauptform · ↗fehlgehen  geh.
Oberbegriffe
  • (einen) Fehler begehen · (einen) Fehler machen · (etwas) falsch machen  ●  ↗(sich) vertun  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Delphin Dickicht Dschungel Fremde Fremder Gebirge Gestrüpp Gewirr Labyrinth Lade Nebel Nordsee Ostsee Pottwal Sackgasse Schneesturm Tourist Wal Wald Wanderer Wildnis Wüste dorthin heillos hierher hierhin hineinverirren hoffnungslos selten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verirren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Leicht verirrt man sich dabei und findet neue Ecken, mal mit Büchern, dann wieder Pasta.
Süddeutsche Zeitung, 07.12.2001
Wenn ich ihn kennenlerne, werde ich mich darin nicht mehr verirren.
Wölfl, Norbert: Die wiedergefundene Zärtlichkeit, Genf u. a.: Ariston 1995 [1983], S. 53
Touristen verirren sich dorthin nur selten, und der Professor ist nicht böse darüber, daß er bei seiner Arbeit kaum gestört wird.
Die Zeit, 10.05.1968, Nr. 19
Denn ich halte dich nur für verirrt, nicht für wahnsinnig.
Hauptmann, Gerhart: Der Narr in Christo Emanuel Quint, Berlin: Aufbau-Verl. 1962 [1910], S. 300
Auch wären hie und da die Wege verschneit, so daß man sich im Dunkeln leicht verirren könnte.
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 726
Zitationshilfe
„verirren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verirren>, abgerufen am 19.10.2019.

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