verkümmern

GrammatikVerb · verkümmerte, ist/hat verkümmert
Aussprache
Worttrennungver-küm-mern (computergeneriert)
Wortbildung mit ›verkümmern‹ als Erstglied: ↗Verkümmerung
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›ist‹
in der körperlichen Entwicklung, im Wachstum zurückbleiben, sich schwach entwickeln, allmählich an Lebenskraft verlieren
Beispiele:
eine Pflanze, ein Tier verkümmert
Hasen und Rehe verkümmern häufig in der Gefangenschaft
der Baumbestand, Graswuchs war verkümmert
ein verkümmerter Apfelbaum
ohne den Kontakt zur Umwelt verkümmert ein Kind
aus dem kleinen verkümmerten Jungen ist ein großer sehniger Mann geworden
eine verkümmerte Gestalt
jmd. sieht krank und verkümmert aus
durch Kümmernisse, Sorgen allmählich die Freude am Leben, an der Arbeit, die Energie verlieren
Beispiele:
jmd. verkümmert seelisch, menschlich
er ist bei dieser Arbeit verkümmert
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
sich allmählich zurückbilden, schrumpfen
Beispiele:
durch unzweckmäßiges Schuhwerk verkümmert der Fuß
Muskeln und Gewebe können verkümmern und schrumpfen
dieses Organ ist verkümmert
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
dichterisch (jmdm.) etw. verkümmern
(sich) [Dativ] etw. verkümmern
(jmdm., sich) etw. beeinträchtigen, etw. in seinem Wert mindern
Beispiele:
diese Angst verkümmerte (ihm) sein Leben
sie tat alles, um ihm diesen Erfolg zu verkümmern
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kummer · Kümmernis · kümmerlich · kümmern · bekümmern · bekümmert · unbekümmert · verkümmern
Kummer m. ‘Trübsal, Leid, Seelenschmerz’, mhd. kumber, kummer ‘Schutt, Müll, Unrat’, doch auch ‘Belastung, Mühsal, Not, innere Ungelegenheit, Drangsal’, in spätmhd. und frühnhd. Rechtssprache ‘Beschlagnahme, Arrest, Verhaftung’; vgl. mnd. kummer, kumber, mnl. commer, comber ‘Belastung, Behinderung, Verhaftung, Beschlagnahme, Nachteil, Sorge, Mangel’, nl. kommer ‘Gram, Sorge, Mangel, Not’. Als Ausgangsform gilt (mit lat. cōnferre ‘zusammentragen’ verwandtes) gall. *combero-, *comboro- ‘Zusammengetragenes’ (wovon mir. commar ‘Zusammentreffen von Tälern, Strömen, Wegen’), an das sich die Wortgruppe um afrz. *combre (belegt ist erst mfrz. combres Plur. ‘Sperre, Wehr, Hindernis’, 15. Jh., sowie mlat. combrus, cumbrus ‘Verhau, Wehr’ seit dem 7. Jh.) anschließt, vgl. afrz. descombrer ‘räumen, frei machen, befreien, trennen’, encombrer ‘versperren, erschweren, behindern, belasten, bedrängen’, encombre ‘Belästigung, Bedrängnis, Not’. Auf Entlehnung aus dem Galloroman. beruhen die Formen im Nl. und Dt.; hier breitet sich der im Frz. neben der bis heute geltenden konkreten Bedeutung (frz. décombres Plur. ‘Trümmer, Schutt, Abraum’, encombrer ‘versperren’, encombre ‘Hindernis, Schutt’) in älterer Zeit schon auftretende metaphorische Gebrauch aus und setzt sich in der Literatursprache durch; vgl. jedoch noch landschaftlich (westmd. nordd.) Kummer ‘Schutt, Abraum’. Kümmernis f. ‘Ungemach, Gram’, mhd. kumbernisse. kümmerlich Adj. ‘bedrückt, unterentwickelt, armselig’, mhd. kumberlich ‘belästigend, kummervoll’, auch ‘verhaftet’. kümmern Vb. ‘dahinvegetieren’, meist sich kümmern um ‘einer Sache, jmdm. Aufmerksamkeit, Fürsorge widmen, sich befassen mit’, mhd. kumbern, kummern ‘belästigen, bedrängen, quälen, mit Arrest belegen’. bekümmern Vb. ‘traurig machen, kränken’, reflexiv ‘Sorge tragen für’, mhd. bekumbern, bekümbern ‘in Not bringen, belästigen, mit Arrest belegen, (sich) beschäftigen mit, pflegen’; dazu bekümmert Part.adj. ‘niedergeschlagen, deprimiert’ (16. Jh.); unbekümmert Part.adj. ‘unbeschwert, sorglos’, mhd. unbekumbert ‘unbeeinträchtigt’. verkümmern Vb. ‘sich unvollkommen, dürftig entwickeln, in der Entwicklung zurückbleiben, langsam eingehen’, mhd. verkumbern, -kümbern, verkummern, -kümmern ‘arrestieren, auf-, vorenthalten, verpfänden’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) zurückbilden · ↗eingehen · verkümmern

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anhängsel Ansatz Bedeutungslosigkeit Begabung Eigeninitiative Ersatzbank Fähigkeit Hauptschule Industriezweig Instinkt Muskel Pflanze Phantasie Randnotiz Restschule Rinnsal Ritual Schatten Sekte Talent Werkbank absterben allmählich gedeihen irgendwo regelrecht sonst verkommen vollends zusehends

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verkümmern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber eigentlich will ich mein sportliches Potenzial nicht einfach so verkümmern lassen.
Die Welt, 06.10.2003
Vorderhand aber ziehen die Nebel auf, die Blätter verkümmern an den Bäumen.
Süddeutsche Zeitung, 31.07.2000
Manche Freude ist mir auf die Weise entgangen, mancher Genuß verkümmert worden.
Bode, Wilhelm von: Mein Leben, 2 Bde. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1930], S. 1630
Sie hatte im alten Bund ursprünglich auch nicht gefehlt, war jedoch bald verkümmert.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 4006
Er hielt das für sein onkelhaftes Recht und ließ es sich nicht verkümmern.
Hermann, Georg [d.i. Borchardt, Georg Hermann]: Jettchen Gebert, Berlin: Fleischel 1919 [1906], S. 45
Zitationshilfe
„verkümmern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verkümmern>, abgerufen am 21.02.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
verkümmeln
Verkühlung
verkühlen
Verkrustung
verkrusten
Verkümmerung
verkünden
Verkünder
verkündigen
Verkündiger