Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

verkümmern

Grammatik Verb · verkümmert, verkümmerte, ist/hat verkümmert
Aussprache 
Worttrennung ver-küm-mern
Wortbildung  mit ›verkümmern‹ als Erstglied: Verkümmerung
eWDG

Bedeutungen

1.
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
a)
in der körperlichen Entwicklung, im Wachstum zurückbleiben, sich schwach entwickeln, allmählich an Lebenskraft verlieren
Beispiele:
eine Pflanze, ein Tier verkümmert
Hasen und Rehe verkümmern häufig in der Gefangenschaft
der Baumbestand, Graswuchs war verkümmert
ein verkümmerter Apfelbaum
ohne den Kontakt zur Umwelt verkümmert ein Kind
aus dem kleinen verkümmerten Jungen ist ein großer sehniger Mann geworden
eine verkümmerte Gestalt
jmd. sieht krank und verkümmert aus
b)
durch Kümmernisse, Sorgen allmählich die Freude am Leben, an der Arbeit, die Energie verlieren
Beispiele:
jmd. verkümmert seelisch, menschlich
er ist bei dieser Arbeit verkümmert
2.
sich allmählich zurückbilden, schrumpfen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
durch unzweckmäßiges Schuhwerk verkümmert der Fuß
Muskeln und Gewebe können verkümmern und schrumpfen
dieses Organ ist verkümmert
3.
dichterisch (jmdm.) etw. verkümmern, (sich) [Dativ] etw. verkümmern(jmdm., sich) etw. beeinträchtigen, etw. in seinem Wert mindern
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
diese Angst verkümmerte (ihm) sein Leben
sie tat alles, um ihm diesen Erfolg zu verkümmern
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kummer · Kümmernis · kümmerlich · kümmern · bekümmern · bekümmert · unbekümmert · verkümmern
Kummer m. ‘Trübsal, Leid, Seelenschmerz’, mhd. kumber, kummer ‘Schutt, Müll, Unrat’, doch auch ‘Belastung, Mühsal, Not, innere Ungelegenheit, Drangsal’, in spätmhd. und frühnhd. Rechtssprache ‘Beschlagnahme, Arrest, Verhaftung’; vgl. mnd. kummer, kumber, mnl. commer, comber ‘Belastung, Behinderung, Verhaftung, Beschlagnahme, Nachteil, Sorge, Mangel’, nl. kommer ‘Gram, Sorge, Mangel, Not’. Als Ausgangsform gilt (mit lat. cōnferre ‘zusammentragen’ verwandtes) gall. *combero-, *comboro- ‘Zusammengetragenes’ (wovon mir. commar ‘Zusammentreffen von Tälern, Strömen, Wegen’), an das sich die Wortgruppe um afrz. *combre (belegt ist erst mfrz. combres Plur. ‘Sperre, Wehr, Hindernis’, 15. Jh., sowie mlat. combrus, cumbrus ‘Verhau, Wehr’ seit dem 7. Jh.) anschließt, vgl. afrz. descombrer ‘räumen, frei machen, befreien, trennen’, encombrer ‘versperren, erschweren, behindern, belasten, bedrängen’, encombre ‘Belästigung, Bedrängnis, Not’. Auf Entlehnung aus dem Galloroman. beruhen die Formen im Nl. und Dt.; hier breitet sich der im Frz. neben der bis heute geltenden konkreten Bedeutung (frz. décombres Plur. ‘Trümmer, Schutt, Abraum’, encombrer ‘versperren’, encombre ‘Hindernis, Schutt’) in älterer Zeit schon auftretende metaphorische Gebrauch aus und setzt sich in der Literatursprache durch; vgl. jedoch noch landschaftlich (westmd. nordd.) Kummer ‘Schutt, Abraum’. – Kümmernis f. ‘Ungemach, Gram’, mhd. kumbernisse. kümmerlich Adj. ‘bedrückt, unterentwickelt, armselig’, mhd. kumberlich ‘belästigend, kummervoll’, auch ‘verhaftet’. kümmern Vb. ‘dahinvegetieren’, meist sich kümmern um ‘einer Sache, jmdm. Aufmerksamkeit, Fürsorge widmen, sich befassen mit’, mhd. kumbern, kummern ‘belästigen, bedrängen, quälen, mit Arrest belegen’. bekümmern Vb. ‘traurig machen, kränken’, reflexiv ‘Sorge tragen für’, mhd. bekumbern, bekümbern ‘in Not bringen, belästigen, mit Arrest belegen, (sich) beschäftigen mit, pflegen’; dazu bekümmert Part.adj. ‘niedergeschlagen, deprimiert’ (16. Jh.); unbekümmert Part.adj. ‘unbeschwert, sorglos’, mhd. unbekumbert ‘unbeeinträchtigt’. verkümmern Vb. ‘sich unvollkommen, dürftig entwickeln, in der Entwicklung zurückbleiben, langsam eingehen’, mhd. verkumbern, -kümbern, verkummern, -kümmern ‘arrestieren, auf-, vorenthalten, verpfänden’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) zurückbilden · eingehen · verkümmern

Typische Verbindungen zu ›verkümmern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verkümmern‹.

Verwendungsbeispiele für ›verkümmern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Manche Freude ist mir auf die Weise entgangen, mancher Genuß verkümmert worden. [Bode, Wilhelm von: Mein Leben, 2 Bde. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1930], S. 1630]
Sonst verkümmern die staatlichen Institutionen zu einem Wert an sich. [Die Zeit, 16.09.1999, Nr. 38]
Diese Potentiale verkümmern, wenn sie nur einmal in vier Jahren gefragt sind. [Die Zeit, 03.12.1993, Nr. 49]
Aber im Kabinett, so scheint es, ist die politische Diskussion ohnehin verkümmert. [Die Zeit, 15.02.1988, Nr. 07]
Wenn sie mich wieder fangen, dann gehe ich lieber in den Tod als dort zu verkümmern. [Die Zeit, 21.07.1978, Nr. 30]
Zitationshilfe
„verkümmern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verk%C3%BCmmern>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
verkümmeln
verkühlen
verköstigen
verkörpern
verkörnen
verkünden
verkündigen
verkürzen
verküssen
verlachen