verkehren

Grammatik Verb · verkehrt, verkehrte, hat/ist verkehrt
Aussprache 
Worttrennung ver-keh-ren
eWDG

Bedeutungen

1.
als öffentliches Verkehrsmittel auf einer bestimmten Strecke fahren
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’/‘ist’
Beispiele:
die Straßenbahn, der Bus verkehrt viertelstündlich
der Omnibus hat, ist gestern unregelmäßig verkehrt
im Winter verkehrt die Fähre nur an Sonn‑ und Feiertagen
der Straßenbahnverkehr wurde eingestellt, nur die Linie 8 verkehrt noch
zwischen beiden Flughäfen verkehren täglich zwei Maschinen
2.
mit jmdm. Kontakte unterhalten, mit jmdm. in regelmäßiger Verbindung stehen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
mit jmdm. geschäftlich, brieflich verkehren
in freundschaftlichem Ton miteinander verkehren
er verkehrt mit ihnen
sie verkehren mit niemandem (= sie machen keine Besuche und bekommen auch keine)
in etw., bei jmdm. verkehren
etw., jmdn. regelmäßig aufsuchen, in etw., bei jmdm. häufig zu Gast sein
Beispiele:
in diesem Café verkehren viele Journalisten
er hat damals in dieser Familie, diesem Haus, bei ihnen verkehrt
3.
Beispiel:
mit jmdm. geschlechtlich verkehren (= mit jmdm. Geschlechtsverkehr haben)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

verkehren · verkehrt · Verkehrtheit · Verkehr
verkehren Vb. ‘etw., sich in das Gegenteil verwandeln, verändern’, heute besonders ‘mit jmdm. Verbindung, Umgang, Gemeinschaft haben’, mhd. verkēren ‘umkehren, umwenden, verwandeln, verdrehen, ins Entgegengesetzte verändern, eine falsche Richtung geben, verführen’ ist mit verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten des Präfixes (s. ver-) gebildet zu dem unter kehren1 ‘etw. in eine bestimmte Richtung drehen, wenden’ (s. d.) behandelten Verb. Die heute verbreitete Bedeutung ‘Umgang, Verbindung haben’ (18. Jh.) schließt an den nd. Gebrauch des Wortes an, wo mnd. vorkēren aus ‘verändern, wechseln’ den Sinn ‘sich aus handwerklicher Arbeit einen Verdienst schaffen, gewerbliche Erzeugnisse vertreiben, (Geld) unter die Leute bringen, umsetzen, anlegen, Handel treiben’ entwickelt; vgl. nl. (älter) verkeren ‘in Handelsverkehr treten’. verkehrt Part.adj. ‘umgekehrt, ins Gegenteil gewendet, falsch’, mhd. verkārt. Verkehrtheit f. ‘das Verkehrtsein, Unrichtigkeit’ (geläufig seit 18. Jh.), mhd. verkērtheit. Verkehr m. ‘Handelsverkehr, Umsatz, Vertrieb von Waren’ (1. Hälfte 18. Jh.), danach ‘(gesellschaftlicher) Umgang, Verbindung, Gemeinschaft mit jmdm.’ (2. Hälfte 18. Jh.), ‘das Hinundhergehen und -fahren in der Öffentlichkeit, Beförderung bzw. Bewegung von Personen, Fahrzeugen, Gütern, Nachrichten auf dafür vorgesehenen Wegen’ (2. Hälfte 19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›verkehren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verkehren‹.

Verwendungsbeispiele für ›verkehren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie macht aber, wie man sieht, noch eine verkehrte Anwendung von dieser Erkenntnis. [Ernst, Otto: Appelschnut, Rostock: Hirnstoff 1989 [1907], S. 125]
Das Böse ist nur eine aus der menschlichen Freiheit entstandene verkehrte Richtung des Willens. [Vorländer, Karl: Geschichte der Philosophie. In: Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 7189]
Haben Sie in dieser Zeit mehr mit ihm verkehrt – außer rein offiziell? [o. A.: Einhundertundneunzehnter Tag. Donnerstag, 2. Mai 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 10083]
Es ist verkehrt, in solchen Fällen nach einer höheren einheitlichen Idee zu suchen. [Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. I,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1884], S. 18944]
Ich beging den Fehler, freundlich, freundschaftlich mit anderen verkehren zu wollen. [Die Zeit, 04.11.1999, Nr. 45]
Zitationshilfe
„verkehren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verkehren#1>.

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verkehren

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ver-keh-ren
Wortzerlegung ver- kehren1
Wortbildung  mit ›verkehren‹ als Erstglied: Verkehrung  ·  mit ›verkehren‹ als Grundform: verkehrt
eWDG

Bedeutung

etw., sich in etw. anderes, in das Gegenteil verwandeln oder verändern
Beispiele:
diese Interpretation verkehrt den Sinn völlig
eine Reihenfolge, einen Sachverhalt, bestimmte Tatsachen verkehren (= falsch darstellen)
etw. verkehrt sich in sein Gegenteil
Liebe verkehrt sich manchmal in Hass
seine Bescheidenheit hat sich in das Gegenteil verkehrt
umgangssprachlich verkehrtdem Richtigen entgegengesetzt, falsch
Grammatik: oft im Partizip II
Beispiele:
einen Brief an der verkehrten Seite öffnen
in die verkehrte Richtung laufen, fahren
in den verkehrten Zug einsteigen
an der verkehrten Haltestelle aussteigen
an der verkehrten Stelle suchen
am verkehrten Ende sparen
Blumen zu schenken, ist nie verkehrt
das ist (nicht) verkehrt!
ihn zu bedauern, wäre völlig verkehrt, wäre das Verkehrteste
mir ist ein Krümel in die verkehrte Kehle (= in die Luftröhre) geraten
ich möchte einen Kaffee verkehrt (= eine Tasse Milch mit etwas Kaffee)
bildlich
Beispiele:
er hat diese Bemerkung in die verkehrte Kehle bekommen (= die Bemerkung, die nicht böse gemeint war, mißverstanden und übelgenommen)
umgangssprachlich, scherzhafter ist verkehrt, mit dem verkehrten Bein zuerst aufgestanden (= ist heute übel gelaunt)
etw. verkehrt, am verkehrten Ende anfassen (= etw. ungeschickt, von der falschen Seite her beginnen)
saloppdamit kommst du bei mir an den Verkehrten, an die verkehrte Adresse!
veraltend, saloppjmd. ist verkehrt herum (= jmd. ist homosexuell)
umgangssprachlich fehlerhaft, mit Mängeln behaftet
Beispiele:
eine verkehrte Antwort geben
eine verkehrte Auskunft bekommen
eine Frage verkehrt beantworten
ein Fremdwort verkehrt schreiben, aussprechen
sich verkehrt ausdrücken
etw. verkehrt verstehen
jmdn., eine Situation verkehrt einschätzen
er hat alles verkehrt gemacht
er hatte Angst, etwas Verkehrtes zu sagen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

verkehren · verkehrt · Verkehrtheit · Verkehr
verkehren Vb. ‘etw., sich in das Gegenteil verwandeln, verändern’, heute besonders ‘mit jmdm. Verbindung, Umgang, Gemeinschaft haben’, mhd. verkēren ‘umkehren, umwenden, verwandeln, verdrehen, ins Entgegengesetzte verändern, eine falsche Richtung geben, verführen’ ist mit verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten des Präfixes (s. ver-) gebildet zu dem unter kehren1 ‘etw. in eine bestimmte Richtung drehen, wenden’ (s. d.) behandelten Verb. Die heute verbreitete Bedeutung ‘Umgang, Verbindung haben’ (18. Jh.) schließt an den nd. Gebrauch des Wortes an, wo mnd. vorkēren aus ‘verändern, wechseln’ den Sinn ‘sich aus handwerklicher Arbeit einen Verdienst schaffen, gewerbliche Erzeugnisse vertreiben, (Geld) unter die Leute bringen, umsetzen, anlegen, Handel treiben’ entwickelt; vgl. nl. (älter) verkeren ‘in Handelsverkehr treten’. verkehrt Part.adj. ‘umgekehrt, ins Gegenteil gewendet, falsch’, mhd. verkārt. Verkehrtheit f. ‘das Verkehrtsein, Unrichtigkeit’ (geläufig seit 18. Jh.), mhd. verkērtheit. Verkehr m. ‘Handelsverkehr, Umsatz, Vertrieb von Waren’ (1. Hälfte 18. Jh.), danach ‘(gesellschaftlicher) Umgang, Verbindung, Gemeinschaft mit jmdm.’ (2. Hälfte 18. Jh.), ‘das Hinundhergehen und -fahren in der Öffentlichkeit, Beförderung bzw. Bewegung von Personen, Fahrzeugen, Gütern, Nachrichten auf dafür vorgesehenen Wegen’ (2. Hälfte 19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›verkehren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verkehren‹.

Verwendungsbeispiele für ›verkehren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie macht aber, wie man sieht, noch eine verkehrte Anwendung von dieser Erkenntnis. [Ernst, Otto: Appelschnut, Rostock: Hirnstoff 1989 [1907], S. 125]
Das Böse ist nur eine aus der menschlichen Freiheit entstandene verkehrte Richtung des Willens. [Vorländer, Karl: Geschichte der Philosophie. In: Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 7189]
Haben Sie in dieser Zeit mehr mit ihm verkehrt – außer rein offiziell? [o. A.: Einhundertundneunzehnter Tag. Donnerstag, 2. Mai 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 10083]
Es ist verkehrt, in solchen Fällen nach einer höheren einheitlichen Idee zu suchen. [Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. I,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1884], S. 18944]
Ich beging den Fehler, freundlich, freundschaftlich mit anderen verkehren zu wollen. [Die Zeit, 04.11.1999, Nr. 45]
Zitationshilfe
„verkehren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verkehren#2>.

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