Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

verkneifen

Grammatik Verb · verkneift, verkniff, hat verkniffen
Aussprache 
Worttrennung ver-knei-fen
Wortzerlegung ver- kneifen
Wortbildung  mit ›verkneifen‹ als Grundform: Verkniffenheit · verkniffen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. etw., sich zusammenkneifen
    1. oft im Partizip II
  2. 2. [umgangssprachlich] ⟨(sich) etw. verkneifen⟩ sich etw. versagen, auf etw. verzichten
    1. etw. unterdrücken, nicht zeigen
eWDG

Bedeutungen

1.
etw., sich zusammenkneifen
Beispiele:
die Lippen, Augen, Lider verkneifen
böse verkniff sie den Mund
seine Augen verkniffen sich vor Vergnügen
Grammatik: oft im Partizip II
Beispiele:
ein verkniffenes Gesicht (= Gesicht, das durch andauernde Erbitterung, Verärgerung harte und scharfe Züge bekommen hat)
ein verkniffener Blick
er hat einen verkniffenen Zug um den Mund
verkniffen lächeln
2.
umgangssprachlich (sich) [Dativ] etw. verkneifensich etw. versagen, auf etw. verzichten
Beispiele:
Gebratenes muss ich mir wegen meiner Galle leider verkneifen
das ist mir zu teuer, das muss ich mir vorläufig noch verkneifen
warum sollte ich mir diesen Spaß, dieses Vergnügen verkneifen?
sie hat immer gespart und sich alles verkniffen
etw. unterdrücken, nicht zeigen
Beispiele:
sich das Lachen, die Ironie, das Gähnen, eine Frage, Bemerkung verkneifen
er konnte sich ein Lächeln, das Schmunzeln nicht verkneifen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kneifen · auskneifen · verkneifen · Kneifer · Kneifzange
kneifen Vb. ‘(jmds. Haut) zwischen zwei Fingern zusammendrücken, zwicken, klemmen, pressen’, zu mnd. nd. knīpen (s. kneipen2) gebildete hd. Form, die im 16. Jh. aufkommt, im 18. Jh. häufiger und danach in der Literatursprache üblich wird. Umgangssprachliches kneifen im Sinne von ‘sich drücken, sich jmdm. oder einer Sache nicht stellen, sich einer Herausforderung, einer Verpflichtung entziehen’ stammt aus dem Nd., vgl. nd. knīpen ‘davonlaufen, rennen, sich davonmachen’, eigentlich wohl ‘aus einer Klemme entlaufen’; vgl. nd. knīpen gān ‘entlaufen, entwischen, sich aus der Klemme befreien’. auskneifen Vb. ‘heimlich davonlaufen, ausreißen, sich einer Verpflichtung entziehen’ (19. Jh.), älter auskneipen (17. Jh.), nd. ūtknīpen ‘sich davonmachen’. verkneifen Vb. ‘auf etw. verzichten, etw. unterdrücken’ (19. Jh.); verkniffen Part.adj. ‘zusammengezogen, verzogen’, speziell verkniffenes Gesicht ‘Gesicht, das durch Erbitterung, Verärgerung harte und scharfe Züge bekommen hat, wegen blendenden Lichts verzogenes Gesicht’. Kneifer m. ‘Klemmer, Zwicker’, gekürzt (2. Hälfte 19. Jh.) aus Nasenkneifer (für frz. pince-nez, s. Klemmer, Zwicker). Kneifzange f. ‘Zange mit zwei scharfen, gegeneinandergebogenen Schneiden’ (17. Jh.), md. auch Kneipzange.

Thesaurus

Synonymgruppe
nicht aussprechen · unterdrücken  ●  (eine Bemerkung) hinunterschlucken  fig. · (etwas) runterschlucken  fig. · (sich etwas) verbeißen  ugs. · (sich) (eine Bemerkung) verkneifen  ugs. · (sich) auf die Zunge beißen  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • kein Wort über etwas verlieren · mit keinem Wort erwähnen · nicht ansprechen · nicht eingehen (auf) · nicht erwähnen · unerwähnt lassen · ungesagt lassen · unterschlagen · verheimlichen · verleugnen  ●  verschweigen  Hauptform · (mit etwas) hinter dem Berg halten  ugs., variabel · nichts erwähnen (von)  ugs. · nichts erzählen (von)  ugs. · nichts sagen (von)  ugs. · unter den Tisch fallen lassen  ugs., fig. · verhehlen  geh.
  • (aus etwas) ein Geheimnis machen · (die) Diskretion wahren · (etwas) niemandem sonst erzählen · (jemandem etwas) verheimlichen · für sich behalten · in seinem Herzen bewahren · nicht ausplaudern · nicht verraten · nicht weitererzählen · nicht weitergeben (eine Information) · nicht weitersagen  ●  mit ins Grab nehmen  fig. · verschweigen  Hauptform · Stillschweigen bewahren  geh. · in seinem Herzen verschließen (lit.)  geh. · mit niemandem sprechen über  ugs. · nicht preisgeben  geh. · niemandem etwas sagen (von)  ugs., variabel
Synonymgruppe
(sich) beherrschen (etwas zu tun) · Abstand nehmen (von etwas) · absehen (von) · aufhören (mit / zu + Infinitiv) · nicht machen · nicht tun  ●  unterlassen  Hauptform · (etwas) bleibenlassen  ugs. · (etwas) lassen  ugs. · (sich etwas) verkneifen  ugs. · (sich von etwas) fernhalten  geh. · (von etwas) die Finger lassen  ugs. · bleiben lassen  ugs. · gar nicht erst versuchen  ugs. · sausen lassen  ugs. · sein lassen  ugs.
Assoziationen
  • (darauf) verzichten (noch ... zu) · (einer Sache) nicht weiter nachgehen · (es) belassen bei · (es) bewenden lassen (mit) · auf sich beruhen lassen · nicht weiterverfolgen  ●  (etwas) nicht noch weiter (zu tun) brauchen  ugs.
  • absagen (Termin) · ausfallen lassen (regelmäßige Termine) · streichen  ●  canceln  engl. · abblasen (Feier, Veranstaltung)  ugs.
  • (ein Vorhaben) nicht weiterverfolgen · vergessen (können)  ●  (sich etwas) aus dem Kopf schlagen  fig. · (sich) verabschieden (von etwas)  fig. · (sich etwas) abschminken  ugs., fig. · (sich etwas) in die Haare schmieren können  derb, fig. · (sich etwas) von der Backe putzen  ugs., salopp · abhaken (können)  ugs. · knicken können  ugs., salopp · nicht weiter d(a)rüber nachdenken  ugs.
  • (einer Sache) nichts hinzuzufügen (sein) · (es) belassen bei · es bewenden lassen (mit / bei) · sein Bewenden haben (mit / bei)  ●  (es) ist gut (mit)  ugs. · (etwas) soll (mal) genug sein  ugs.
  • gar nicht erst anfangen (etwas / mit etwas) · nicht machen (Ausbildung, Fortbildung, Schulung ...) · sausen lassen (Studium, Ausbildung)  ●  nicht antreten (Stelle, Ausbildung, Dienst)  Hauptform
  • (jemanden) verschonen (mit)  scherzhaft · (sich / jemandem etwas) ersparen  floskelhaft · (sich etwas) schenken  floskelhaft · (sich etwas) sparen  floskelhaft · verzichten (auf)  floskelhaft
  • (die) Finger lassen (von) · nicht anfassen · nicht anrühren  ●  nicht anpacken  ugs. · nicht gehen an  ugs.
Synonymgruppe
(einem Antrieb / Drang) nicht nachgeben · (einer) Versuchung standhalten · (sich etwas) verbieten  ●  (sich etwas) nicht gestatten  geh. · (sich etwas) nicht zugestehen  geh. · (sich etwas) verkneifen  ugs. · (sich etwas) versagen  geh., Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein Lachen / Gähnen / Stöhnen / ....) unterdrücken · (sich ein Grinsen / Lächeln / Schmunzeln / ....) verkneifen  ●  an sich halten müssen, um nicht zu (+ Infinitiv)  geh., Hauptform
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›verkneifen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verkneifen‹.

Verwendungsbeispiele für ›verkneifen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Bauer sah sie aber nur grimmig aus seinen verkniffenen Augen an. [Held, Kurt: Die rote Zora und ihre Bande, Aarau: Sauerländer 1989 [1941], S. 166]
Ich war nah dran, habe es mir aber immer verkniffen. [Der Tagesspiegel, 09.11.2003]
Für einen Moment konnte er sich ein Lächeln nicht verkneifen. [Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 306]
Ich kann mir gerade noch verkneifen, zu erwähnen, daß ich 40 werden mußte, um so etwas mit eigenen Augen zu sehen. [o. A.: Erlebnispark "Opel Live" - Essen statt Räder. In: Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 2000 [1999]]
Um die junge Mutter nicht zu erregen, hatte sie es sich verkniffen, weiter nach dem Vater zu fragen. [Bredel, Willi: Die Väter. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Bd. 7, Berlin: Aufbau-Verl. 1973 [1946], S. 17]
Zitationshilfe
„verkneifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verkneifen>.

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