verleiten

GrammatikVerb · verleitete, hat verleitet
Worttrennungver-lei-ten
Grundformleiten
Wortbildung mit ›verleiten‹ als Erstglied: ↗Verleitung
eWDG, 1977

Bedeutung

jmdn. zu etw. verleitenjmdn. dazu bewegen, dass er etw. Verwerfliches, Schädliches, Falsches tut, jmdn. zu etw. verführen
Beispiele:
jmdn. zum Diebstahl, zu übermäßigem Alkoholgenuss verleiten
sein Zorn hat ihn zu dieser Unüberlegtheit, unbedachten Äußerung verleitet
sich zu einer strafbaren Handlung, zu voreiligen Schlussfolgerungen verleiten lassen
er hat sich durch diesen Erfolg zur Selbstüberschätzung verleiten lassen
eigentlich wollte sie an ihrer Examensarbeit weiterarbeiten, aber das schöne Wetter verleitete sie dazu, ins Schwimmbad zu gehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

leiten · Leiter1 · Leiterin · Leitung · anleiten · Anleitung · einleiten · Einleitung · geleiten · Geleit · verleiten · Leitartikel · Leitfaden · Leithammel · Leitstern
leiten Vb. ‘führen, an der Spitze stehen und den Verlauf bestimmen, befehligen, in eine bestimmte Richtung lenken, Elektrizität, Wärme, Schall durch einen Stoff weiterführen’, ahd. (8. Jh.), mhd. leiten ‘geleiten, lenken, führen’, asächs. lēdian, mnd. lēden, mnl. leiden, lēden, nl. leiden, aengl. lǣdan, engl. to lead, anord. leiða, schwed. leda ist ein Kausativum im Sinne von ‘Fortbewegung veranlassen, gehen, fahren machen’ zu dem unter ↗leiden (eigentlich ‘sich fortbewegen, gehen’) behandelten Verb (s. d.). Dazu gehören als Substantivbildungen ahd. leita ‘Leichenbegängnis’ (9. Jh.), ‘Führung’ (um 1000), mhd. leite ‘Leitung, Führung, Weg, Fuhre, Wagenladung’, asächs. lēda ‘Leitung, Graben, Wasserlauf’, anord. leið, aengl. lād ‘Weg, Reise’; s. auch ↗Lotse. Leiter1 m. ‘wer an der Spitze steht, verantwortlicher Vorgesetzter, energieleitender Stoff’, ahd. leitāri (9. Jh.), mhd. leitære ‘Führer, Anführer, Verführer’; Leiterin f. mhd. leitærinne. Leitung f. ‘das Leiten, Führen, Gesamtheit der leitenden Personen, Vorrichtung zum Weiterleiten, speziell Röhren’ (16. Jh.), ‘Drähte, Kabel zum Leiten elektrischer Energie, zur Übermittlung elektrischer Signale’ (19. Jh.). anleiten Vb. ‘unterweisen, anlernen’, ahd. analeiten ‘einführen’ (9. Jh.), mhd. an(e)leiten, auch ‘in jmds. Güter einsetzen’ (vgl. mhd. anleitunge ‘Einsetzung eines um Schadenersatz Klagenden in des Beklagten Güter’); Anleitung f. ‘Unterweisung’ (15. Jh.). einleiten Vb. ‘in die Wege leiten, in Gang bringen, eröffnen, mit einem Vorwort versehen, einführen’, ahd. inleiten ‘einführen’ (9. Jh.), mhd. īnleiten ‘hineinführen, zu etw. bringen, bewegen, anleiten, verführen’; Einleitung f. ‘Beginn, Eröffnung, Einführung, Vorwort’ (16. Jh.). geleiten Vb. ‘aus Ehrerweisung, zum Schutz jmdn. begleiten’, ahd. gileiten (8. Jh.), mhd. geleiten ‘führen, schützend begleiten’ (s. auch ↗begleiten); Geleit n. ‘der Ehrung oder dem Schutz dienende Begleitung, alle begleitenden Personen, Gefolge’, mhd. geleit(e) ‘Leitung, Führung, Begleitung, Schutz’. verleiten Vb. ‘(zum Bösen) verführen’, ahd. firleiten ‘ent-, verführen’ (8. Jh.), mhd. verleiten ‘irreführen, verleiten’. Leitartikel m. ‘wesentliche, kommentierende (meist aktuelle) Abhandlung auf der ersten Seite einer Zeitung’ (1848), nach leitender Artikel (1839) und zunächst neben Hauptartikel (1834), Übersetzung von engl. leading article. Leitfaden m. ‘kurzgefaßte Darstellung zur Einführung in ein Wissensgebiet, Lehrbuch, Grundgedanke’ (18. Jh.), in Anlehnung an den Faden der Ariadne, also eigentlich ‘Faden, der jmdn. durch ein Labyrinth hindurchleitet’. Leithammel m. ‘die Herde führender Hammel’ (16. Jh.), übertragen ‘Anführer, dem die Menge gedankenlos folgt’ (Ende 18. Jh.). Leitstern m. ‘als richtungweisender Orientierungspunkt dienender Stern’, mhd. leit(e)sterne ‘der die Schiffer leitende Polarstern’, auch bildlich von der Jungfrau Maria.

Thesaurus

Synonymgruppe
locken · ↗verführen · verleiten · ↗versuchen
Assoziationen
Synonymgruppe
anstiften · verleiten · ↗überreden
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abschweifung Annahme Bemerkung Euphorie Fahren Fahrweise Falschaussage Fehleinschätzung Fehlschluß Fehlurteil Irrtum Kauf Leichtsinn Mißverständnis Nachahmung Oberflächlichkeit Rauchen Schluß Schlußfolgerung Schlußfolgerunge Schmunzeln Selbstzufriedenheit Sünde Trinken Trugschluß Träumen Vermutung Vertragsbruch dazu Übermut

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verleiten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die harten Schalen verleiten oft dazu, zu viel aufs Dach zu laden.
Süddeutsche Zeitung, 17.11.2004
Defizite verleiten sie, neue Dollars zu drucken, statt mit ehrlichem Geld zu zahlen.
Die Zeit, 14.11.1980, Nr. 47
Trotzdem dürfen Sie sich nicht dazu verleiten lassen, überall, wo Sie eingeladen sind, gleich Bücher auszuborgen.
Chamrath, Gustav: Lexikon des guten Tons, Wien: Ullstein 1954 [1953], S. 51
Kein Leser möge sich verleitet fühlen, sich selbst, wenn er krank ist, zu behandeln!
Reile, Bonifaz (Hg.), Kneipp, Sebastian. Das große Kneippbuch, München: Beckstein 1939 [1903], S. 309
Rühme nicht eine Dame zu sehr der anderen gegenüber, noch weniger aber lasse dich verleiten, spöttisch oder geringschätzig von einer Dame zu sprechen.
Franken, Konstanze von [d.i. Stoekl, Helene]: Handbuch des guten Tones, Berlin: Hesse 1936, S. 74
Zitationshilfe
„verleiten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verleiten>, abgerufen am 25.06.2019.

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