verleugnen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ver-leug-nen
Grundform leugnen
Wortbildung  mit ›verleugnen‹ als Erstglied: ↗Verleugnung
eWDG

Bedeutung

etw. in Abrede stellen, bestreiten, leugnen
Beispiele:
jmd. verleugnet seine Überzeugung, Gesinnung, Gefühle, sein Gewissen
er kann seine Herkunft, Erziehung, sein Vorbild, seinen Geiz nicht verleugnen (= seine Herkunft, Erziehung, sein Vorbild, Geiz ist deutlich zu erkennen)
etw. lässt sich nicht verleugnenetw. ist unbestreitbar, unleugbar, unumstößlich
jmdn. verleugnen
Beispiele:
er hat seinen besten Freund verleugnet (= hat so getan, als wäre er nicht sein Freund)
Er ... verleugnete keinen Augenblick den Kavalier (= benahm sich stets wie ein Kavalier) [ FontaneWuthenowI 1,313]
sich verleugnen
Beispiele:
wenn ich das täte, müsste ich mich verleugnen (= würde ich meiner Überzeugung, Art zuwiderhandeln)
er hatte das Klingeln und laute Klopfen wohl gehört, sich aber verleugnet (= hatte so getan, als wäre er nicht anwesend)
sich verleugnen lassen (= einem Besucher durch jmdn. sagen lassen, dass man nicht anwesend sei)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

leugnen · ableugnen · verleugnen
leugnen Vb. ‘die Wahrheit von etw. bestreiten, für falsch erklären, etw. verneinen’, ahd. lougnen (um 800), mhd. lougenen, lougen, asächs. lōgnian, mnd. lȫch(e)nen, lȫken, mnl. lōchenen, lōghenen, nl. loochenen, aengl. līgnan, got. laugnjan, anord. (mit lautgesetzlichem Schwund des g vor n) leyna ‘verbergen’ steht (denominativ?) wie ahd. lougna ‘das Leugnen’ (9. Jh.), anord. laun ‘Verborgenheit, das Verbergen, Leugnung’ (germ. *laugnō f.; vgl. got. analaugns ‘verborgen’) im Ablaut zu dem unter ↗lügen (s. d.) behandelten Verb. ableugnen Vb. ‘in Abrede stellen, nicht zugeben’, früher auch im Sinne von ‘(Verpflichtungen und Verbindlichkeiten) absprechen, für nicht bestehend erklären, nicht zuerkennen’ (15. Jh.). verleugnen Vb. ‘in Abrede stellen, bestreiten, leugnen’, ahd. firlougnen (8. Jh.), mhd. verloug(en)en.

Thesaurus

Synonymgruppe
kein Wort über etwas verlieren · mit keinem Wort erwähnen · nicht ansprechen · nicht eingehen (auf) · nicht erwähnen · unerwähnt lassen · ungesagt lassen · ↗unterschlagen · ↗verheimlichen · verleugnen  ●  ↗verschweigen  Hauptform · (mit etwas) hinter dem Berg halten  ugs., variabel · nichts erwähnen (von)  ugs. · nichts erzählen (von)  ugs. · nichts sagen (von)  ugs. · unter den Tisch fallen lassen  ugs., fig. · ↗verhehlen  geh.
Oberbegriffe
  • (jemandes) Lippen sind versiegelt · kein Wort (zu etwas) verlieren · keine Antwort geben · nichts sagen · stumm bleiben  ●  ↗schweigen  Hauptform · (das) Sprechen verlernt haben  ugs., ironisch · (den) Mund halten  ugs. · (sich) in Schweigen hüllen  geh. · den Rand halten  ugs. · kein Sterbenswörtchen sagen  ugs. · keinen Mucks von sich geben  ugs. · keinen Piep sagen  ugs. · keinen Ton sagen  ugs. · ↗schweigen wie ein Grab  ugs. · sein Herz nicht auf der Zunge tragen  ugs., fig. · still schweigen (veraltet lit.)  geh. · stumm wie ein Fisch sein (bildl.)  ugs.
Assoziationen
  • (absolutes) Stillschweigen bewahren (über) · ↗(eine Sache) totschweigen · ↗geheim halten · nicht ans Licht der Öffentlichkeit gelangen lassen · nichts davon ans Licht der Öffentlichkeit kommen lassen  ●  (den) Mantel des Schweigens breiten (über)  fig. · unter Verschluss halten  fig. · unter dem Deckel halten  fig. · unter der Decke halten  fig. · (über etwas) Gras wachsen lassen  ugs., fig. · unter den Teppich kehren  ugs., fig. · unter den Tisch kehren  ugs., fig.
  • manipulieren · ↗verdecken · ↗verschleiern · ↗vertuschen · zu verheimlichen versuchen · ↗zudecken  ●  (etwas) unter den Teppich kehren  ugs., fig.
  • kaschieren · ↗tarnen · ↗umhüllen · ↗ummänteln · ↗umnebeln · ↗verbergen · ↗verdecken · ↗verfälschen · ↗verhüllen · ↗verkleiden · ↗vernebeln · ↗verschleiern · ↗verstecken · ↗vertuschen · ↗verwischen · ↗zudecken  ●  unter den Teppich kehren  fig.
  • (etwas) unkommentiert lassen · (sich) ausschweigen (zu) · (sich) bedeckt halten · (sich) in Schweigen hüllen · (sich) mit Kommentaren zurückhalten · (von jemandem ist) nichts zu erfahren · (zu etwas) gibt es von unserer Seite nichts zu sagen. · (zu etwas) hört man nichts von (Seiten ...) · (zu etwas) nichts sagen (wollen) · (über / zu etwas) keine Auskunft geben können · (über etwas) nicht sprechen (wollen) · Kein Kommentar. · keine Stellungnahme abgeben (wollen) (zu) · keinen Kommentar abgeben (wollen) (zu) · nicht Stellung nehmen (wollen) (zu) · nicht kommentieren · nichts Falsches sagen wollen · nichts sagen (zu etwas) · nichts zu sagen haben (zu)  ●  (sich) einer Stellungnahme enthalten  variabel · (sich) nicht äußern zu  Hauptform · keinen Gesprächsbedarf haben  ironisch · (das) Maul nicht aufkriegen  derb · (die) Schnauze halten  derb · (sich) wenig auskunftsfreudig zeigen  geh., ironisierend · da(rüber) schweigt des Sängers Höflichkeit  geh., Redensart · die Schnauze nicht aufmachen  ugs. · mit etwas hinter dem Berg(e) halten  ugs. · niemandem zu nahetreten wollen  geh., floskelhaft, formell
  • (Probleme) zu verdrängen versuchen · ↗fortsehen · ↗ignorieren · nicht wahrhaben wollen · sich (einem Problem) nicht stellen  ●  (den) Kopf in den Sand stecken  fig. · die Augen verschließen (vor)  fig. · ↗wegschauen  fig. · ↗wegsehen  fig. · ↗weggucken  ugs. · ↗wegkucken  ugs., norddeutsch
  • nicht aussprechen · ↗unterdrücken  ●  ↗(eine Bemerkung) hinunterschlucken  fig. · ↗(etwas) runterschlucken  fig. · ↗(sich etwas) verbeißen  ugs. · ↗(sich) (eine Bemerkung) verkneifen  ugs. · (sich) auf die Zunge beißen  ugs., fig.

Typische Verbindungen zu ›verleugnen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verleugnen‹.

Verwendungsbeispiele für ›verleugnen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Worte kann man interpretieren, aber Bilder kann man nicht verleugnen.
Der Tagesspiegel, 01.09.2000
Meine Romane, die nach jener schweren Zeit entstanden, möchte ich doch nicht insgesamt verleugnen.
Boy-Ed, Ida: Wenn man zurückdenkt. In: Lehmstedt, Mark (Hg.), Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1975], S. 2315
Ich finde, daß die Welt nicht dazu da ist, verlassen, aufgelöst, verleugnet zu werden, sondern daß wir in ihr leben müssen.
Die Zeit, 11.11.1966, Nr. 46
Aber auch in dem vorgeschriebenen Rahmen vermochte er seinen Genius nicht zu verleugnen.
Schuhmann, Otto: Meyers Opernbuch, Leipzig: Bibliograph. Inst. 1938 [1935], S. 288
Und als die Frau dann zu Ihnen gekommen ist, haben Sie sich verleugnen lassen.
Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt - Bd. 1, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1990 [1934], S. 62
Zitationshilfe
„verleugnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verleugnen>, abgerufen am 13.05.2021.

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