Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

verlieben

Grammatik Verb · reflexiv
Aussprache 
Worttrennung ver-lie-ben
Wortbildung  mit ›verlieben‹ als Grundform: Verliebtheit · verliebt
eWDG

Bedeutung

sich in jmdn. verliebenvon Liebe zu jmdm. ergriffen werden, in Liebe zu jmdm. entbrennen
Beispiele:
er verliebte sich (leidenschaftlich) in sie
umgangssprachlicher verliebte sich bis über beide Ohren, Hals über Kopf in sie
er hat sich schon oft verliebt
sie ist (zum Sterben) verliebt in ihn
hoffnungslos, unglücklich, unsterblich verliebt sein
jmdn. verliebt ansehen
ein verliebtes Mädchen, Paar, Pärchen
die Verliebten flüsterten miteinander, küssten sich
ein unglücklich Verliebter
umgangssprachlichsie sah an diesem Abend zum Verlieben (= sehr hübsch) aus
übertragen
Beispiel:
er ist ganz verliebt in seinen Wagen, diese Idee (= er ist begeistert von seinem Wagen, dieser Idee)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lieb · Lieb · Liebchen · Liebe · lieben · verlieben · Verliebtheit · liebeln · lieblich · Liebling · Liebschaft · liebenswert · liebenswürdig · Liebeserklärung · Liebhaber · Liebhaberei · lieblos · Liebreiz · liebreizend
lieb Adj. ‘geliebt, wert, herzlich, liebenswert, freundlich, angenehm, artig’, ahd. liob (um 800), mhd. liep, asächs. liof, mnd. lēf, mnl. nl. lief, aengl. lēof, engl. (älter) lief, anord. ljūfr, schwed. ljuv, got. liufs (germ. *leuba-) führt mit den verwandten (ablautenden) Verben erlauben, glauben, loben (s. d.) und mit aind. lúbhyati ‘ist gierig, empfindet Verlangen’, lōbha- ‘Gier, Habsucht’, lubdha- ‘gierig, habsüchtig’, lat. libēre ‘belieben, gefällig sein’, libēns, lubēns ‘willig, gern’, libīdo, lubīdo ‘Lust, Begierde’, lit. liaupsẽ ‘Lob(lied)’, liáupsinti ‘loben, lobpreisen, verherrlichen’, aslaw. l’ubъ ‘lieb, wert’, russ. (umgangssprachlich) ljúbo (любо) ‘lieb, angenehm, geliebt, freundlich’, aslaw. l’ubiti, russ. ljubít’ (любить) ‘lieben, mögen’, aslaw. l’uby, russ. ljubóv’ (любовь) ‘Liebe’ auf eine Wurzel ie. *leubh- ‘gern haben, begehren, lieb’, auch ‘gutheißen, loben’ und (im Germ.) ‘Zutrauen, Vertrauen, Glaube’. lieb hat im älteren Sprachgebrauch die allgemeinere Bedeutung ‘angenehm, erfreulich’, vgl. noch heute es ist mir lieb. Lieb n. heute nur noch dichterisch für ‘Geliebte(r)’, besonders in der Fügung mein Lieb, ahd. liob n. (9. Jh.), mhd. liep ‘das Liebe, Angenehme, Erfreuliche, Freude, Geliebte(r)’, Substantivierung des Adjektivs; dazu das Deminutivum Liebchen n. ‘Liebste, Geliebte, Schatz’ (15. Jh. liebchin). Liebe f. ‘starkes Gefühl der Zuneigung, Barmherzigkeit, Mildtätigkeit’, auch als Objekt der Zuneigung ‘geliebte Person’, ahd. liubī (9. Jh.), lioba (11. Jh.), mhd. liebe ‘das Wohlgefallen, das man über oder durch etw. empfindet, das Liebsein, Freude, das Liebhaben, Freundlichkeit, Gunst’, dann (15./16. Jh.) in den heutigen Sinn übergehend, älteres, anstößig gewordenes Minne (s. d.) verdrängend. Abstraktbildung zum Adjektiv. lieben Vb. ‘ein starkes Gefühl der Zuneigung empfinden, gern haben’, ahd. liobōn (8. Jh.), liuben (9. Jh.) ‘angenehm, lieb machen oder sein, empfehlen, begehren, wohltun’, mhd. lieben ‘angenehm, lieb machen, sein oder werden, gefallen, Freundlichkeit erweisen’; in heutiger Bedeutung seit dem 16. Jh. üblich, zuvor dafür mhd. liep haben, älteres minnen (s. d.) verdrängend. verlieben Vb. reflexiv ‘von Liebe ergriffen werden, in Liebe entbrennen, liebgewinnen’ (2. Hälfte 16. Jh.), anfangs transitiv ‘als angenehm anstreben, belieben’ (16. Jh.); Verliebtheit f. (19. Jh.). liebeln Vb. ‘mit der Liebe spielen, flirten’ (18. Jh.), zuvor ‘seine Liebe bezeugen, liebkosen, schmeicheln’ (16. Jh.); Iterativum zu lieben. lieblich Adj. ‘anmutig, reizvoll, entzückend, hübsch und zart, heiter und freundlich’, ahd. liublīh (8. Jh.), mhd. lieplich ‘freundlich, angenehm’; vgl. ahd. liublīhho Adv. ‘freundlich, zärtlich’ (9. Jh.). Liebling m. ‘Geliebte(r), vor allen geliebte, bevorzugte, begünstigte Person’ (17. Jh.), anfangs im Sinne von ‘Günstling’ (eines Fürsten). Liebschaft f. ‘Liebesverhältnis’, mhd. liebeschaft, liepschaft. liebenswert Adj. ‘von gewinnender Art, sympathisch’ (17. Jh.). liebenswürdig Adj. ‘freundlich, höflich, zuvorkommend’ (18. Jh.), zuvor Liebens würdig (Opitz), vermutlich Wiedergabe von nl. liefwaardig. Liebeserklärung f. ‘Geständnis der Liebe’ (18. Jh.). Liebhaber m. ‘Mann, der mit einer Frau ein Liebesverhältnis hat, Geliebter einer Frau’ (oft abschätzig), auch ‘Mann, der eine Frau liebt und sich um sie bewirbt, wer für etw. eine Vorliebe hat, Amateur’, mhd. liephaber ‘Liebender, Freund, Anhänger’, gebildet zu mhd. liep haben; Liebhaberei f. ‘aus Neigung, Freude an der Sache ausgeübte Tätigkeit, Steckenpferd’ (Adelung 1777). lieblos Adj. ‘unfreundlich, herzlos’, mhd. liebelōs ‘ohne Liebe, freudlos’. Liebreiz m. ‘Anmut, reizendes Aussehen, bezauberndes Wesen, Grazie, Charme’, liebreizend Adj. (beide 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) verlieben (in)  ●  (sich) vergaffen (in)  ugs. · (sich) vergucken (in)  ugs. · (sich) verknallen (in)  ugs. · (voll) abfahren (auf jemanden)  ugs. · entflammen (für)  geh., poetisch · in Liebe entbrannt sein  geh., altertümelnd · sein Herz verlieren (an)  ugs.

Typische Verbindungen zu ›verlieben‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verlieben‹.

Verwendungsbeispiele für ›verlieben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Männer sind oft mehr in ihr Auto verliebt als in ihre Frau. [Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 98]
Es erscheint beinahe zweifelhaft, ob man dabei überhaupt auf die Idee kommt, sich richtig zu verlieben. [Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 363]
Nach einer Stunde bemerkte ich, dass ich dabei war, mich ein weiteres Mal gnadenlos in sie zu verlieben. [Die Zeit, 24.06.1999, Nr. 26]
Da habe ich mich dann zum ersten Mal richtig verliebt, in einen Arzt, 13 Jahre älter als ich. [Die Zeit, 18.02.1999, Nr. 8]
Worein verlieben sich zwei blinde Mädchen, wenn nicht in einen Duft. [Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 35]
Zitationshilfe
„verlieben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verlieben>.

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