Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

verlottern

Grammatik Verb · verlottert, verlotterte, ist/hat verlottert
Aussprache 
Worttrennung ver-lot-tern
Wortbildung  mit ›verlottern‹ als Erstglied: Verlotterung
eWDG

Bedeutung

abwertend
1.
verwahrlosen, verkommen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
er wurde haltlos und verlotterte
die Kleidung, den Haushalt verlottern lassen
er ist moralisch völlig verlottert
er wirkte verlottert, trug einen verlotterten Anzug
ein verlotterter Bursche
eine alte verlotterte Bretterbude
Sie müssen der verlotterten Zeit den Spiegel vorhalten [ Feuchtw.Goya586]
2.
etw. in liederlichem Lebenswandel vergeuden, verschwenden, durchbringen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
Es ist dafür gesorgt … daß du nicht Mutters Erbe verlotterst [ Th. MannBuddenbrooks1,597]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lottern · verlottern · lott(e)rig · Lotterbett · Lotterbube
lottern Vb. ‘liederlich leben, schlampen, sich herumtreiben’ (17. Jh.), zuvor ‘schlaff sein, schlaff herabhängen’ (16. Jh.), ist abgeleitet von einem in ahd. lotar ‘nichtig’ (8. Jh.), mhd. loter ‘locker, leichtsinnig, leichtfertig’ belegten Adjektiv. Vgl. dazu die Substantivierungen ahd. lotar in zi lotare tuon ‘wanken machen, zugrunde richten’ (8. Jh.), mhd. lot(t)er ‘lockerer Mensch, Taugenichts, Gaukler’, mnd. lōder, lodder, loderer, aengl. loddere ‘Bettler’. Mit der unter schlottern (s. d.) aufgeführten Wortgruppe lassen sich alle Formen an ie. *(s)leut-, *(s)lūt-, Dentalerweiterung der Wurzel ie. *(s)leu-, *(s)lū- ‘schlaff herabhängen, schlaff’, anschließen. verlottern Vb. ‘herunterkommen’ (16. Jh.). lott(e)rig Adj. ‘liederlich, schlampig, faul’ (19. Jh.), älter lottericht (17. Jh.). Lotterbett n. ‘Bett zum Ausruhen und Faulenzen’, speziell ‘Lustbett, Hurenbett’ (15. Jh.), eigentlich wohl ‘lockeres, weiches, bequemes Bett’, vgl. noch heute öst. ‘Couch’. Lotterbube m. ‘heruntergekommener Mensch’, mhd. loterbuobe; tautologische und insofern verstärkende Bildung aus substantivischem mhd. lot(t)er (s. oben) und buobe im Sinne von ‘zuchtloser Mensch’ (s. Bube).

Thesaurus

Synonymgruppe
faulen · herunterkommen · modern · verfallen · verfaulen · vergammeln · verkommen · vermodern · verrotten · verwesen  ●  gammeln  ugs. · verlottern  ugs.
Synonymgruppe
Sozialfall werden · abgewirtschaftet haben · sozial absteigen · verelenden · vergammeln · verkommen · verlottern · verwahrlosen  ●  herunterkommen (Person)  Hauptform · in der Gosse enden  fig. · in der Gosse landen  fig. · tief sinken  fig. · unter die Räder kommen  fig. · auf den Hund kommen  ugs. · ganz unten ankommen  ugs., fig. · herumsumpfen  ugs. · runterkommen  ugs. · versacken  ugs. · verschlampen  ugs. · versumpfen  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›verlottern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verlottern‹.

Verwendungsbeispiele für ›verlottern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Meine Kinder waren in der Kita und sind nicht verlottert. [Die Zeit, 22.07.2002, Nr. 29]
Der Betrieb galt als verlottert, hatte immer wieder den vorbeifließenden Bach und die Umgebung verpestet. [Die Zeit, 10.07.2006, Nr. 28]
Wir können ihr gehorchen, sie weiterentwickeln, sie zwingen, verbiegen, verlottern lassen – oder pflegen. [Süddeutsche Zeitung, 19.02.1997]
Aber das Geld ist nicht verlottert worden sondern ist in gute Dinge geflossen. [Süddeutsche Zeitung, 04.12.2000]
Wer zu Hause verlottert, verhält sich respektlos gegenüber seinem Partner. [Bild, 28.02.1998]
Zitationshilfe
„verlottern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verlottern>.

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