verlottern

GrammatikVerb · verlotterte, ist/hat verlottert
Aussprache
Worttrennungver-lot-tern (computergeneriert)
Wortbildung mit ›verlottern‹ als Erstglied: ↗Verlotterung
eWDG, 1977

Bedeutung

abwertend
1.
mit Hilfsverb ›ist‹
verwahrlosen, verkommen
Beispiele:
er wurde haltlos und verlotterte
die Kleidung, den Haushalt verlottern lassen
er ist moralisch völlig verlottert
er wirkte verlottert, trug einen verlotterten Anzug
ein verlotterter Bursche
eine alte verlotterte Bretterbude
Sie müssen der verlotterten Zeit den Spiegel vorhalten [Feuchtw.Goya586]
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. in liederlichem Lebenswandel vergeuden, verschwenden, durchbringen
Beispiel:
Es ist dafür gesorgt ... daß du nicht Mutters Erbe verlotterst [Th. MannBuddenbrooks1,597]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lottern · verlottern · lott(e)rig · Lotterbett · Lotterbube
lottern Vb. ‘liederlich leben, schlampen, sich herumtreiben’ (17. Jh.), zuvor ‘schlaff sein, schlaff herabhängen’ (16. Jh.), ist abgeleitet von einem in ahd. lotar ‘nichtig’ (8. Jh.), mhd. loter ‘locker, leichtsinnig, leichtfertig’ belegten Adjektiv. Vgl. dazu die Substantivierungen ahd. lotar in zi lotare tuon ‘wanken machen, zugrunde richten’ (8. Jh.), mhd. lot(t)er ‘lockerer Mensch, Taugenichts, Gaukler’, mnd. lōder, lodder, loderer, aengl. loddere ‘Bettler’. Mit der unter ↗schlottern (s. d.) aufgeführten Wortgruppe lassen sich alle Formen an ie. *(s)leut-, *(s)lūt-, Dentalerweiterung der Wurzel ie. *(s)leu-, *(s)lū- ‘schlaff herabhängen, schlaff’, anschließen. verlottern Vb. ‘herunterkommen’ (16. Jh.). lott(e)rig Adj. ‘liederlich, schlampig, faul’ (19. Jh.), älter lottericht (17. Jh.). Lotterbett n. ‘Bett zum Ausruhen und Faulenzen’, speziell ‘Lustbett, Hurenbett’ (15. Jh.), eigentlich wohl ‘lockeres, weiches, bequemes Bett’, vgl. noch heute öst. ‘Couch’. Lotterbube m. ‘heruntergekommener Mensch’, mhd. loterbuobe; tautologische und insofern verstärkende Bildung aus substantivischem mhd. lot(t)er (s. oben) und buobe im Sinne von ‘zuchtloser Mensch’ (s. ↗Bube).

Thesaurus

Synonymgruppe
faulen · ↗herunterkommen · ↗modern · ↗verfallen · ↗verfaulen · ↗vergammeln · ↗verkommen · ↗vermodern · ↗verrotten · ↗verwesen  ●  ↗gammeln  ugs. · verlottern  ugs.
Synonymgruppe
Sozialfall werden · abgewirtschaftet haben · sozial absteigen · ↗verelenden · ↗vergammeln · ↗verkommen · verlottern · ↗verwahrlosen  ●  ↗herunterkommen (Person)  Hauptform · in der Gosse enden  fig. · in der Gosse landen  fig. · tief sinken  fig. · unter die Räder kommen  fig. · auf den Hund kommen  ugs. · ganz unten ankommen  ugs., fig. · ↗herumsumpfen  ugs. · ↗runterkommen  ugs. · ↗versacken  ugs. · ↗verschlampen  ugs. · ↗versumpfen  ugs., fig.
Assoziationen
  • abfallen · ↗absinken · ↗abstürzen · ↗fallen · ↗niedergehen
  • ganz unten ankommen · ↗verelenden · völlig verwahrlosen · zugrunde gehen  ●  auf den Hund kommen  sprichwörtlich · vor die Hunde gehen  sprichwörtlich
  • sich gehen lassen · sich hängen lassen · sich vernachlässigen
  • abgleiten  ●  (den) Halt verlieren  fig. · ↗abdriften  fig. · ↗abrutschen  fig. · aus der Spur geraten  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Sitte verkommen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verlottern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Meine Kinder waren in der Kita und sind nicht verlottert.
Die Zeit, 22.07.2002, Nr. 29
Wir können ihr gehorchen, sie weiterentwickeln, sie zwingen, verbiegen, verlottern lassen - oder pflegen.
Süddeutsche Zeitung, 19.02.1997
Wer zu Hause verlottert, verhält sich respektlos gegenüber seinem Partner.
Bild, 28.02.1998
Da verlottern jedes Jahr 30 Prozent der Ernte, auch weil sich um die Ergebnisse der Produktion nicht gekümmert wird.
o. A.: WIR SCHÄTZEN GORBATSCHOW EIN! In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1989]
Wie der Junge zurückkehrte, verlottert durch den Krieg, windig, nicht mehr tauglich zu ernsthafter Arbeit.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 301
Zitationshilfe
„verlottern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verlottern>, abgerufen am 22.10.2019.

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