vermöbeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-mö-beln (computergeneriert)
GrundformMöbel
eWDG, 1977

Bedeutung

landschaftlich, salopp jmdn. verprügeln
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Möbel · möblieren · aufmöbeln · vermöbeln
Möbel n. ‘zum Sitzen, Liegen oder als Behältnis dienender Einrichtungsgegenstand’. Aus vlat. *mobilis ‘beweglich’ (statt lat. mōbilis, s. ↗mobil; Verkürzung des Tonvokals wohl durch Einwirkung des zugrundeliegenden Verbs lat. movēre ‘bewegen’) entwickelt sich das gleichbed. Adjektiv afrz. mueble, afrz. frz. meuble. Dessen Substantivierung erscheint als juristischer Terminus für ‘bewegliche Habe’ (entsprechend mlat. mobile, mobilia statt spätlat. rēs mōbilēs, s. ↗Mobilien), woraus frühnhd. mubel, mübel, möbel (15./16. Jh., in Rechtstexten des Moselgebiets). Außerhalb des terminologischen Bereichs wandelt sich die Bedeutung von frz. meuble zu ‘Haushaltsgegenstand, Hausrat’ (15./16. Jh.), ‘Einrichtungsgegenstand’ (17. Jh.). Hierauf beruht die vom frühen 17. Jh. an belegte Entlehnung Meubles ‘Hausrat’, seit dem 18. Jh. ‘Einrichtungsgegenstände’, die durch Austausch der Pluralendung (Meublen, 1688) und Umlautschreibung (Möbeln, 18. Jh.; Möbel, 19. Jh.) zunehmend eingedeutscht wird. Das 18. Jh. kennt auch die Singularformen Meuble, Möble, Möbel, anfangs mit femininem, in der 2. Jahrhunderthälfte mit neutralem Genus; der Singular ist jedoch bis in die Gegenwart wenig gebräuchlich (dafür Möbelstück, 19. Jh.). möblieren Vb. ‘einrichten, mit Möbeln ausstatten’, bis ins 18. Jh. allgemein meubli(e)ren, ist eine Bildung des ausgehenden 17. Jhs. im Anschluß an frz. meubler (zu frz. meuble, s. oben). Attributive Verwendung des Part. Prät. wird in der Fügung möbliertes Zimmer ‘nur mit vollständiger Einrichtung vermietetes Zimmer’ (2. Hälfte 18. Jh.) geläufig; dazu, von Berlin ausgehend und wohl zunächst im Scherz geprägt, ein möblierter Herr ‘Mieter eines möblierten, d. h. vollständig eingerichteten Zimmers’ (um 1900). Ein von Campe 1809 als Ersatzwort vorgeschlagenes möbeln bleibt ohne Nachfolge, lebt aber in den der Alltagssprache angehörenden Präfixbildungen aufmöbeln Vb. ‘aufmuntern, neu beleben’ (1. Hälfte 19. Jh., vielleicht die Vorstellung vom Aufarbeiten alter Möbel aufgreifend, Anknüpfungsmöglichkeiten bietet jedoch auch die Semantik des Adjektivs ↗mobil, s. d.) und vermöbeln Vb. ‘verprügeln’ (Mitte 19. Jh.), älter in der ursprünglich studentischen Verwendung ‘vergeuden, durchbringen, zu Geld machen’ (vgl. studentensprachliches möbeln ‘Geld ausgeben’, beide Mitte 18. Jh.), die vermutlich unter dem Einfluß des Rechtsausdrucks ↗Mobilien ‘bewegliche (und damit leichter zu veräußernde) Habe’ (s. d.) steht.

Thesaurus

Synonymgruppe
(die) Hand erheben (gegen) · (sich) vergreifen an · ↗eindreschen (auf) · ↗einprügeln (auf) · ↗einschlagen (auf) · ↗schlagen  ●  ↗verprügeln  Hauptform · (jemandem) die Hucke vollhauen  ugs. · (jemandem) eine Abreibung verpassen  ugs. · (jemandem) rutscht die Hand aus  ugs. · ↗abschwarten  ugs. · ↗verdreschen  ugs. · ↗verhauen  ugs. · ↗verkloppen  ugs. · vermöbeln  ugs. · ↗versohlen  ugs. · ↗verwichsen  ugs. · windelweich prügeln  ugs.
Assoziationen
  • Klimperer · Tastenquäler · schlechter Klavierspieler  ●  Tastenprügler  ironisch
  • krankenhausreif prügeln · krankenhausreif schlagen · ↗zusammenhauen  ●  zu Mus machen  fig. · ↗zusammenschlagen  Hauptform · (jemandem) die Fresse polieren  derb · Kleinholz machen aus  ugs., fig. · alle machen  ugs. · ↗fertig machen  ugs.
  • Prügelei · ↗Prügelorgie · ↗Rauferei · ↗Ringkampf · Tätlichkeiten · handfeste Auseinandersetzung(en) · tätliche Auseinandersetzung  ●  ↗Schlagabtausch (meist fig.)  auch figurativ · ↗Schlägerei  Hauptform · ↗Keilerei  ugs. · ↗Klopperei  ugs. · ↗Raufhandel  geh., veraltend · Raufhändel  geh., veraltend
  • (eine) Tracht Prügel geben · (eine) Tracht Prügel verabreichen · (jemandem) den Hintern versohlen · ↗(jemanden) verprügeln · ↗(jemanden) züchtigen · (jemanden) übers Knie legen · jemanden verkloppen · jemanden vermöbeln · körperlich bestrafen  ●  langen Hafer geben  selten · (jemandem) den Hosenboden strammziehen  ugs. · ↗(jemanden) abreiben  ugs. · jemandem eine Naht verpassen  ugs. · jemanden verbimsen  ugs. · jemanden vertobaken  ugs., norddeutsch · jemanden verwamsen  ugs.
  • Hiebe · Körperstrafe · ↗Prügel · Schläge · Tracht Prügel · ↗Züchtigung · es setzt Prügel · es setzt was · es setzt was mit dem Rohrstock  ●  (die) Jacke voll  ugs. · ↗(eine) Wucht  ugs., regional · (es gibt) langen Hafer  ugs. · (es gibt) was hinter die Löffel  ugs. · (es gibt) was hinter die Ohren  ugs. · ↗Abreibung  ugs. · ↗Dresche  ugs. · ↗Haue  ugs. · Keile kriegen  ugs. · ↗Kloppe  ugs. · ↗Senge  ugs. · den Arsch voll kriegen  derb · langen Hafer kriegen  ugs.
  • (schwere) Verletzungen zufügen · grün und blau schlagen · halbtot schlagen · ↗misshandeln · übel zurichten  ●  draufhauen wie auf kalt Eisen  ugs., veraltend
  • (auf jemanden) eintreten · ↗zusammentreten
  • (jemandem) einen Klaps geben · (jemandem) einen Schlag mit der flachen Hand geben

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bruder Faden Gegner Polizist Strich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vermöbeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auf dem Bild von Max Ernst vermöbelt Jesu menschliche Mutter ihren göttlichen Sohn.
Die Welt, 25.08.2001
Endlich kann man mit Thunder alle Gegner mal richtig vermöbeln.
Bild, 08.12.2000
Aber im Nu hatten sie ihn vom Pferd heruntergezerrt und vermöbelt.
Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg - Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1930], S. 933
Der wird trotzdem eifersüchtig, vermöbelt irrtümlich einen homosexuellen Handwerker und holt schließlich seine mit allen Wassern gewaschene Mutter zu Hilfe.
Die Zeit, 31.01.2005, Nr. 05
Kein Zweifel, die Mutter, die Pflanze, vermöbelte die Tochter, das Pflänzchen.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 104
Zitationshilfe
„vermöbeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vermöbeln>, abgerufen am 17.11.2019.

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