vermeinen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-mei-nen (computergeneriert)
Grundformmeinen
eWDG, 1977

Bedeutung

veraltend etw. irrtümlich annehmen, vermuten, glauben
Beispiele:
Bei der ... Durchreise nach Karlsruhe wunderte er sich, daß er einmal vermeint hatte, hier leben zu können [MoloEin Deutscher291]
Da ließ sich ein Schmetterling auf seiner Stirne nieder, vermeinend, daß sie eine Blüte sei [KlabundBracke18]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

meinen · Meinung · vermeinen · vermeintlich
meinen Vb. ‘eine bestimmte Ansicht haben, annehmen, denken’, ahd. meinen (8. Jh.), mhd. meinen ‘sinnen, (nach)denken, seine Gedanken auf etw. richten, (feindlich oder freundlich) gesinnt sein, einem etw. angenehm machen’, asächs. mēnian, mnd. mēnen, mnl. mēnen, mienen, meinen, nl. menen, afries. mēna, aengl. mǣnan, auch ‘klagen’, engl. to mean (germ. *mainjan) sind verwandt mit air. mīan ‘Wunsch, Verlangen’, aslaw. měniti ‘meinen, glauben, erwähnen, halten für’, poln. mienić ‘meinen, glauben’. Erschließbar ist ie. *mein-, *moin- ‘Meinung, Absicht, meinen’. Die Bedeutung ‘seine Gedanken auf etw. richten, (freundlich) gesinnt sein’ entwickelt sich im Mhd. weiter zu ‘lieben’, die in Prosatexten bis ins 17. Jh., in der gereimten Dichtung bis ins 19. Jh. (Freiheit, die ich meine, Schenkendorf) bewahrt wird. Meinung f. ‘Ansicht, Gesinnung’, ahd. meinunga (um 1000), mhd. meinunge ‘Sinn, Bedeutung, Gedanke, Gesinnung, Absicht, freundliche Gesinnung, Liebe’. vermeinen Vb. ‘(fälschlich) annehmen’, ahd. firmeinen ‘darlegen, beweisen’ (9. Jh.), mhd. vermeinen ‘denken, wollen, hoffen, zudenken, zurückweisen’. vermeintlich Adj. ‘(irrtümlich) angenommen, angeblich’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(fälschlicherweise) denken, dass · ↗(irrigerweise) annehmen · ↗(sich etwas) einbilden · (sich) halten für · ↗(sich) wähnen · halten für · in dem Wahn leben, dass · ↗wähnen  ●  vermeinen  geh.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • (sich) in (trügerischer) Sicherheit wiegen · (sich) in Sicherheit wähnen  ●  nichts Böses ahnen  floskelhaft · glauben, dass man in Sicherheit ist  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

man

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vermeinen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im Plural vermeinen wir das Echo eines alten Mannes zu hören, der einstmals verkündete, keine Bücher mehr schreiben zu wollen.
Die Zeit, 29.06.2009, Nr. 26
Ich hatte vermeint, Sie schon im Kampf mit den Resten des feindlichen Heeres anzutreffen.
Völkischer Beobachter (Berliner Ausgabe), 03.03.1934
Und sie vermeinte dies vielleicht wirklich und nicht nur an der inneren Oberfläche.
Doderer, Heimito von: Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre, Gütersloh: Bertelsmann 1996 [1951], S. 919
Und alle diese vermeinen: der Dichter ist belohnt bereits durch unsere Anerkennung!
Altenberg, Peter: Mein Lebensabend, Mein Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 6200
Immer vermeinte ich einen tosenden Schall zu hören und ein stieres, aufgerissenes Auge zu sehen.
Kubin, Alfred: Die andere Seite, München: Spangenberg 1990 [1909], S. 113
Zitationshilfe
„vermeinen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vermeinen>, abgerufen am 16.12.2018.

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