vermessen

Grammatik Verb · vermisst, vermaß, hat vermessen
Aussprache 
Worttrennung ver-mes-sen
Wortzerlegung ver-messen
Wortbildung  mit ›vermessen‹ als Erstglied: ↗Vermesser · ↗Vermessung · ↗vermessbar
 ·  mit ›vermessen‹ als Grundform: ↗Vermessenheit
eWDG und DWDS

Bedeutungen

1.
jmd. vermisst etw.von räumlich Ausgedehntem   etw. genau (und vollständig) abmessen (1), ausmessenDWDS
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: etw. exakt, genau vermessen
mit Akkusativobjekt: den Raum, die Erdoberfläche, ein Gelände, einen Körper vermessen; das Magnetfeld, Schwerefeld vermessen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: etw. mit einem Instrument, Laser, Zollstock vermessen; etw. mit hoher Präzision, Genauigkeit vermessen
in Koordination: etw. wiegen und vermessen; etw. vermessen und fotografieren, kartieren
mit Aktivsubjekt: ein Forscher, ein Satellit vermisst etw.
Beispiele:
Die [antike] Grabkammer wurde […] vollständig per Laserscan [durch Abtastung mittels Laserstrahlen] vermessen. [Der Standard, 17.10.2011]
Durch das Larsen‑C‑Schelfeis in der Antarktis zieht sich ein Riss. Forscher […], die den Riss […] beobachten und vermessen, haben festgestellt, dass er sich […] um 22 Kilometer verlängert hat. [Neue Zürcher Zeitung, 01.04.2017]
Der Kunde kommt zu uns […]. Wir vermessen ihn und fertigen dann […] einen maßgeschneiderten Anzug an. [Süddeutsche Zeitung, 25.10.2014]
Die Max‑Planck‑Forscher haben […] erstmals die großräumigen Magnetfelder einer anderen Galaxie vermessen. [Die Zeit, 17.11.2011 (online)]
Natürlich hatte man schon in der Antike das Land vermessen, […] doch erst mit der Professionalisierung der Naturwissenschaften und den technologischen Neuerungen wurde eine exakte Kartierung möglich. [Süddeutsche Zeitung, 26.07.2006]
Die Grundstücke (amtlich vermessen) sind zwischen 513 und 990 Quadratmeter groß. [Die Zeit, 02.07.1971, Nr. 27]
übertragen jmd. vermisst etw.von komplexen, vor allem sozialen oder psychischen Gegebenheiten   etw. durch Erhebung von Daten untersuchen, es genau, insbesondere zahlenmäßig, erfassen bzw. beschreiben
Beispiele:
Im Supermarkt soll der Kunde [sein Kaufverhalten] nun digital erfasst und automatisiert vermessen werden. [Spiegel, 05.06.2017 (online)]
So werden im Zuge des Datensammelns immer mehr Eigenschaften künftiger [Fußball-]Stars vermessen und erfasst werden. Das wird es einfacher machen, sie untereinander zu vergleichen. […] Alles wird quantifiziert werden: der Puls, die Schrittfolge beim Eckball, der Drall beim Freistoss. [Neue Zürcher Zeitung, 01.06.2017]
[…] er testete und vermaß die geistigen Fähigkeiten von Kindern verschiedenen Alters, um so zu der Erkenntnis zu gelangen, daß die Intelligenz eines zurückgebliebenen Neunjährigen nicht einfach […] mit der Intelligenz eines normal begabten Sechsjährigen verglichen werden könne. [Die Zeit, 27.06.1986, Nr. 27]
Die Politische Kulturforschung […] gewinnt ihr Material […] im Vergleich […] gleichzeitiger »Kulturen«, das heißt politischer Großgruppen, deren Bewußtsein vermessen wird. [Der Spiegel, 15.01.1979, Nr. 3]
All diese Unterschiede [in der durchschnittlichen Dauer der Lebenserwartung] können die Statistiker vermessen (= messen), genau erklären können sie sie nicht. [Der Spiegel, 27.10.2003, Nr. 44]
Jargon Mit seinen [journalistischen] Beiträgen vermaß Pyle [ein Kriegsberichterstatter] die Seele des einfachen Kriegers, der an Heimweh litt und an Hunger. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2002]
2.
sich vermessen (= sich beim Messen irren)
Beispiel:
ich glaube, ich habe mich vermessen
3.
gehoben sich vermessen (= sich anmaßen, erdreisten)
Beispiel:
ich will mich nicht vermessen, ihn zu beschuldigen
anmaßend, überheblich
Grammatik: meist im Partizip II
Beispiele:
ich möchte nicht vermessen erscheinen
das ist eine sehr vermessene Ansicht, Behauptung, Äußerung

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

messen · gemessen · ermessen · vermessen · vermessen · Vermessenheit
messen Vb. ‘das Maß, die Größe von etw. feststellen, eine bestimmte Größe haben, prüfen’, ahd. meʒʒan (8. Jh.), mhd. meʒʒen ‘messen, zielen, zuteilen, mitteilen, erzählen, bestimmen, verkündigen, vergleichen, erwägen, prüfen’, asächs. metan, mnd. mēten, mnl. nl. meten, aengl. metan, engl. (poetisch) to mete, anord. meta, schwed. mäta, got. mitan sowie ablautendes ↗Maß (s. d.) lassen sich verbinden mit griech. médesthai (μέδεσθαι) ‘für etw. sorgen, an etw. denken, auf etw. bedacht sein’, lat. meditārī ‘nachdenken, nachsinnen’ (s. ↗meditieren), modus ‘Maß, Ziel, Vorschrift, Art und Weise’ (s. ↗Modus), air. med ‘Waage’ und können auf ie. *med- ‘messen, ermessen’ zurückgeführt werden. Dies vielleicht eine Erweiterung der Wurzel ie. *mē- ‘etw. abstecken, (ab)messen’ (s. ↗Mal1)? Vgl. dazu auch das Nomen agentis -messer in (Land)vermesser sowie Feld-, Durch-, Geschwindigkeitsmesser u. dgl. gemessen Part.adj. ‘genau bestimmt’ (18. Jh.), übertragen ‘bestimmt, ruhig, zurückhaltend, würdevoll’ (19. Jh.). ermessen Vb. ‘einschätzen, beurteilen, geistig erfassen’, mhd. ermeʒʒen, ahd. irmeʒʒan (11. Jh.). vermessen Vb. ‘abmessen, falsch messen’, ahd. firmeʒʒan (um 1000), mhd. vermeʒʒen ‘aus-, abmessen, bestimmen, zumessen, falsch messen’, reflexiv ‘sich anmaßen, behaupten’; vermessen Part.adj. ‘sich überschätzend, anmaßend’ (16. Jh.), ahd. firmeʒʒan (Hs. 13. Jh.), mhd. vermeʒʒen ‘verwegen, kühn, leichtsinnig’; Vermessenheit f. ‘Verwegenheit, Anmaßung, Überheblichkeit’, ahd. firmeʒʒanheit (11. Jh.), mhd. vermeʒʒenheit ‘Entschlossenheit, Kühnheit, Verwegenheit’.

Thesaurus

Psychologie
Synonymgruppe
anmaßend · ↗arrogant · ↗aufdringlich · ↗dominant · ↗großtuerisch · ↗hochfahrend · ↗hoffärtig · vermessen · ↗überheblich · übertrieben selbstbewusst  ●  ↗präpotent  österr. · ↗insolent  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • aufgeblasen · durchdrungen von der eigenen Bedeutsamkeit · ↗geschwollen · ↗großspurig · selbstwichtig · selbstüberzeugt · von sich selbst überzeugt
Synonymgruppe
anmaßend · ↗arrogant · ↗eingebildet · ↗hochmütig · ↗hochnäsig · hält sich für sonst wen · sehr von sich (selbst) eingenommen · ↗stolz · vermessen · ↗versnobt · ↗überheblich  ●  auf dem hohen Ross sitzen  fig., Redensart · ↗dünkelhaft  veraltet · ↗hoffärtig  veraltet · ↗aufgeblasen  ugs. · ↗blasiert  geh. · ↗breitspurig  ugs. · ↗hybrid  geh. · hält sich für Gott weiß wen  ugs. · hält sich für den Größten  ugs., männl. · hält sich für die Größte  ugs., weibl. · hält sich für was Besonderes  ugs. · hält sich für was Besseres  ugs. · kennt (auch) keine kleinen Leute mehr  ugs., scherzhaft-ironisch · trägt die Nase hoch  ugs., fig.
Assoziationen
Antonyme
  • vermessen
Synonymgruppe
abmessen · ↗abzirkeln · ↗bestimmen · ↗eichen · ↗erheben · ↗ermitteln · messen · vermessen
Assoziationen
Synonymgruppe
draufgängerisch · ↗risikobereit · ↗risikofreudig · ↗riskant · ↗todesmutig · ↗tolldreist · ↗tollkühn · vermessen · ↗verwegen · vor nichts zurückschrecken · ↗waghalsig  ●  mit Todesverachtung  auch figurativ · Wer wagt, gewinnt.  ugs., Sprichwort · ↗alles auf eine Karte setzen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›vermessen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vermessen‹.

Verwendungsbeispiele für ›vermessen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es wäre vermessen, zu sagen, er stünde allein am Steuer.
Die Zeit, 03.12.2001, Nr. 49
Es wäre vermessen, das Buch als klug konzipierten Thriller hinzustellen.
Der Tagesspiegel, 17.10.2000
Es würde vermessen sein, den reichen Inhalt dieses umfangreichen Bandes hier auch nur andeuten zu wollen.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1936, S. 889
Wie könnt ihr so vermessen sein, das Ding an sich zu zwingen?
Kubin, Alfred: Die andere Seite, München: Spangenberg 1990 [1909], S. 281
Ich kann das nicht kriminell finden, auch nicht rachsüchtig oder besonders vermessen.
Der Spiegel, 08.05.1995
Zitationshilfe
„vermessen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vermessen>, abgerufen am 07.03.2021.

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