vermessen

GrammatikVerb · vermisst, vermaß, hat vermessen
Aussprache
Worttrennungver-mes-sen
Wortzerlegungver-messen
Wortbildung mit ›vermessen‹ als Erstglied: ↗Vermesser · ↗Vermessung · ↗vermessbar
 ·  mit ›vermessen‹ als Grundform: ↗Vermessenheit
eWDG, 1977 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
jmd. vermisst etw.von räumlich Ausgedehntem   etw. genau (und vollständig) abmessen (Lesart 1), ausmessenQuelle: DWDS, 2017
Beispiele:
Die [antike] Grabkammer wurde […] vollständig per Laserscan [durch Abtastung mittels Laserstrahlen] vermessen. [Der Standard, 17.10.2011]
Durch das Larsen-C-Schelfeis in der Antarktis zieht sich ein Riss. Forscher […], die den Riss […] beobachten und vermessen, haben festgestellt, dass er sich […] um 22 Kilometer verlängert hat. [Neue Zürcher Zeitung, 01.04.2017]
Der Kunde kommt zu uns […]. Wir vermessen ihn und fertigen dann […] einen maßgeschneiderten Anzug an. [Süddeutsche Zeitung, 25.10.2014]
Die Max-Planck-Forscher haben […] erstmals die großräumigen Magnetfelder einer anderen Galaxie vermessen. [Die Zeit, 17.11.2011 (online)]
Natürlich hatte man schon in der Antike das Land vermessen, […] doch erst mit der Professionalisierung der Naturwissenschaften und den technologischen Neuerungen wurde eine exakte Kartierung möglich. [Süddeutsche Zeitung, 26.07.2006]
Die Grundstücke (amtlich vermessen) sind zwischen 513 und 990 Quadratmeter groß. [Die Zeit, 02.07.1971, Nr. 27]
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: etw. exakt, genau vermessen
mit Akkusativobjekt: den Raum, die Erdoberfläche, ein Gelände, einen Körper vermessen; das Magnetfeld, Schwerefeld vermessen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: etw. mit einem Instrument, Laser, Zollstock vermessen; etw. mit hoher Präzision, Genauigkeit vermessen
in Koordination: etw. wiegen und vermessen; etw. vermessen und fotografieren, kartieren
mit Aktivsubjekt: ein Forscher, ein Satellit vermisst etw.
übertragen jmd. vermisst etw.von komplexen, vor allem sozialen oder psychischen Gegebenheiten   etw. durch Erhebung von Daten untersuchen, es genau, insbesondere zahlenmäßig, erfassen bzw. beschreiben
Beispiele:
Im Supermarkt soll der Kunde [sein Kaufverhalten] nun digital erfasst und automatisiert vermessen werden. [Spiegel, 05.06.2017 (online)]
So werden im Zuge des Datensammelns immer mehr Eigenschaften künftiger [Fußball-]Stars vermessen und erfasst werden. Das wird es einfacher machen, sie untereinander zu vergleichen. […] Alles wird quantifiziert werden: der Puls, die Schrittfolge beim Eckball, der Drall beim Freistoss. [Neue Zürcher Zeitung, 01.06.2017]
[…] er testete und vermaß die geistigen Fähigkeiten von Kindern verschiedenen Alters, um so zu der Erkenntnis zu gelangen, daß die Intelligenz eines zurückgebliebenen Neunjährigen nicht einfach […] mit der Intelligenz eines normal begabten Sechsjährigen verglichen werden könne. [Die Zeit, 27.06.1986, Nr. 27]
Die Politische Kulturforschung […] gewinnt ihr Material […] im Vergleich […] gleichzeitiger »Kulturen«, das heißt politischer Großgruppen, deren Bewußtsein vermessen wird. [Der Spiegel, 15.01.1979, Nr. 3]
All diese Unterschiede [in der durchschnittlichen Dauer der Lebenserwartung] können die Statistiker vermessen (= messen), genau erklären können sie sie nicht. [Der Spiegel, 27.10.2003, Nr. 44]
Jargon Mit seinen [journalistischen] Beiträgen vermaß Pyle [ein Kriegsberichterstatter] die Seele des einfachen Kriegers, der an Heimweh litt und an Hunger. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2002]
2.
sich vermessen (= sich beim Messen irren)
Beispiel:
ich glaube, ich habe mich vermessen
3.
gehoben sich vermessen (= sich anmaßen, erdreisten)
Beispiel:
ich will mich nicht vermessen, ihn zu beschuldigen
meist im Part. Prät.
anmaßend, überheblich
Beispiele:
ich möchte nicht vermessen erscheinen
das ist eine sehr vermessene Ansicht, Behauptung, Äußerung

Den originalen WDG-Artikel können Sie hier anschauen.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

messen · gemessen · ermessen · vermessen · vermessen · Vermessenheit
messen Vb. ‘das Maß, die Größe von etw. feststellen, eine bestimmte Größe haben, prüfen’, ahd. meʒʒan (8. Jh.), mhd. meʒʒen ‘messen, zielen, zuteilen, mitteilen, erzählen, bestimmen, verkündigen, vergleichen, erwägen, prüfen’, asächs. metan, mnd. mēten, mnl. nl. meten, aengl. metan, engl. (poetisch) to mete, anord. meta, schwed. mäta, got. mitan sowie ablautendes ↗Maß (s. d.) lassen sich verbinden mit griech. médesthai (μέδεσθαι) ‘für etw. sorgen, an etw. denken, auf etw. bedacht sein’, lat. meditārī ‘nachdenken, nachsinnen’ (s. ↗meditieren), modus ‘Maß, Ziel, Vorschrift, Art und Weise’ (s. ↗Modus), air. med ‘Waage’ und können auf ie. *med- ‘messen, ermessen’ zurückgeführt werden. Dies vielleicht eine Erweiterung der Wurzel ie. *mē- ‘etw. abstecken, (ab)messen’ (s. ↗Mal)? Vgl. dazu auch das Nomen agentis -messer in (Land)vermesser sowie Feld-, Durch-, Geschwindigkeitsmesser u. dgl. gemessen Part.adj. ‘genau bestimmt’ (18. Jh.), übertragen ‘bestimmt, ruhig, zurückhaltend, würdevoll’ (19. Jh.). ermessen Vb. ‘einschätzen, beurteilen, geistig erfassen’, mhd. ermeʒʒen, ahd. irmeʒʒan (11. Jh.). vermessen Vb. ‘abmessen, falsch messen’, ahd. firmeʒʒan (um 1000), mhd. vermeʒʒen ‘aus-, abmessen, bestimmen, zumessen, falsch messen’, reflexiv ‘sich anmaßen, behaupten’; vermessen Part.adj. ‘sich überschätzend, anmaßend’ (16. Jh.), ahd. firmeʒʒan (Hs. 13. Jh.), mhd. vermeʒʒen ‘verwegen, kühn, leichtsinnig’; Vermessenheit f. ‘Verwegenheit, Anmaßung, Überheblichkeit’, ahd. firmeʒʒanheit (11. Jh.), mhd. vermeʒʒenheit ‘Entschlossenheit, Kühnheit, Verwegenheit’.

Thesaurus

Psychologie
Synonymgruppe
anmaßend · ↗arrogant · ↗aufdringlich · ↗dominant · ↗großtuerisch · ↗hochfahrend · ↗hoffärtig · vermessen · ↗überheblich · übertrieben selbstbewusst  ●  ↗präpotent  österr. · ↗insolent  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • aufgeblasen · durchdrungen von der eigenen Bedeutsamkeit · ↗geschwollen · ↗großspurig · selbstwichtig · selbstüberzeugt · von sich selbst überzeugt
Synonymgruppe
anmaßend · ↗arrogant · ↗eingebildet · ↗hochmütig · ↗hochnäsig · hält sich für sonst wen · sehr von sich (selbst) eingenommen · ↗stolz · vermessen · ↗versnobt · ↗überheblich  ●  auf dem hohen Ross sitzen  fig., Redensart · ↗dünkelhaft  veraltet · ↗hoffärtig  veraltet · ↗aufgeblasen  ugs. · ↗blasiert  geh. · ↗breitspurig  ugs. · ↗hybrid  geh. · hält sich für Gott weiß wen  ugs. · hält sich für den Größten  ugs., männl. · hält sich für die Größte  ugs., weibl. · hält sich für was Besonderes  ugs. · hält sich für was Besseres  ugs. · kennt (auch) keine kleinen Leute mehr  ugs., scherzhaft-ironisch · trägt die Nase hoch  ugs., fig.
Assoziationen
  • angeberhaft · ↗angeberisch · ↗aufschneiderisch · ↗dünkelhaft · ↗großmundig · ↗großsprecherisch · ↗großspurig · ↗großtuerisch · nicht gerade schüchtern · ↗prahlerisch · ↗protzig · ↗prätentiös · ↗vollmundig · ↗wichtigtuerisch  ●  dick aufgetragen  ugs. · ↗großkotzig  ugs. · ↗großmäulig  derb · ↗großschnauzig  derb
  • (das) große Wort führen · (eine) Schau machen · ↗(sich) aufblasen · (sich) aufführen wie der große Zampano · ↗(sich) aufplustern · Eindruck schinden · große Reden schwingen · laut werden  ●  (sich) auf die Brust klopfen  fig. · (sich) aufs hohe Ross setzen  fig. · ↗(sich) aufspielen  Hauptform · (den) (großen) Zampano machen  ugs. · (den) Dicken markieren  ugs. · (den) Hermann machen  ugs. · (den) Larry machen  ugs. · (den) Lauten machen  ugs. · (den) Molli machen  ugs., regional · (den) Mund (sehr) voll nehmen  ugs., fig. · (den) Mund zu voll nehmen  ugs. · (den) dicken Mann markieren  ugs. · (den) dicken Max machen  ugs. · (den) dicken Max markieren  ugs. · (die) (große) Welle reißen  ugs. · (die) Backen aufblasen  ugs. · (die) Schnauze aufreißen  ugs., fig. · (die) Welle machen  ugs. · (eine) (dicke) Lippe riskieren  ugs. · (eine) Show abziehen  ugs. · (eine) große Fresse haben  derb · (eine) große Klappe haben  ugs. · (eine) große Schnauze haben  ugs. · (einen) auf dicke Hose machen  derb · (einen) auf großer Zampano machen  ugs. · (gewaltig) das Maul aufreißen  ugs. · (groß) herumtönen  ugs. · (sich) aufmandeln  ugs., bair. · (sich) aufpupsen  derb · (sich) großtun (mit)  ugs. · (sich) in die Brust werfen  geh. · (sich) wichtig machen  ugs. · Sprüche klopfen  ugs. · auf den Putz hauen  ugs., fig. · auf die Kacke hauen  derb, fig. · auf die Pauke hauen  ugs., fig. · auf die Pferde hauen  ugs., fig. · blärzen  ugs., regional · den (...) raushängen lassen  ugs. · dicke Backen machen  ugs. · ↗dicketun  ugs. · ↗dicktun  ugs. · einen auf (...) machen  ugs. · groß rumtönen  ugs. · große Töne spucken  ugs. · herumblärzen  ugs., regional · ↗pranzen  ugs. · strunzen  ugs., regional · wichtigtun  ugs.
  • abfällig · ↗abschätzig · ↗absprechend · abwertend · diskriminierend · ↗geringschätzig · ↗gleichgültig · ↗gnädig · ↗gönnerhaft · ↗herablassend · missbilligend · ↗missfällig · mit Verachtung · ↗naserümpfend · ↗respektlos · ↗verachtungsvoll · ↗verächtlich · von oben herab  ●  ↗despektierlich  geh. · ↗pejorativ  fachspr., linguistisch
  • Ehrfurcht gebietend · ↗anspruchsvoll · beeindruckend · ↗erhaben · ↗hehr (Ziel o.ä.) · ↗hoch · ↗hochfliegend · ↗hochgesteckt · ↗vornehm · vornehmst  ●  ↗toll  ugs.
  • anspruchsvoll · das Beste ist gerade gut genug · ↗kritisch · ↗wählerisch  ●  spitzfingrig  fig. · ↗krüsch  ugs., regional · schneubisch  ugs., regional
  • (jemandes) Prinzesschen · ↗(jemandes) Prinzessin · ↗mimosenhaft · verhätschelt · verweichlicht · ↗verwöhnt · verzogen · verzärtelt · ↗weich · ↗weichlich · ↗zimperlich  ●  ohne Biss  ugs. · verpimpelt  ugs., regional
  • Gesellschaftsfinger · abgespreizter kleiner Finger
  • (sehr) von sich überzeugt · ↗forsch · mit breiter Brust · ↗selbstbewusst · ↗selbstsicher · ↗souverän
  • mit erhobenem Haupt · mit stolzgeschwellter Brust  ●  ↗stolz  Hauptform · erhobenen Hauptes  geh. · stolz wie Oskar  ugs.
  • selbstgefällig · ↗selbstgerecht · ↗selbstgewiss · ↗selbstherrlich · sich selbst genug · von sich (selbst) eingenommen · von sich selbst überzeugt  ●  (die) Wahrheit für sich gepachtet haben  Redensart, variabel · von keinem Zweifel angekränkelt  geh.
  • eitel · ↗gefallsüchtig · ↗kokett · ↗narzisstisch
  • aufgeblasen · durchdrungen von der eigenen Bedeutsamkeit · ↗geschwollen · ↗großspurig · selbstwichtig · selbstüberzeugt · von sich selbst überzeugt
  • (jemandem) nicht gut genug sein · (sich) für etwas Besseres halten · (sich) für etwas zu schade sein · (sich) zu Höherem berufen fühlen · Starallüren haben · sich für wunders wie (...) halten
  • denkt nur an sich (selbst) · ↗egoman · ↗egomanisch · ↗egozentrisch · ↗eigennützig · ↗eigensüchtig · ichbefangen · ↗ichbezogen · ↗ichsüchtig · ↗narzisstisch · selbstbezogen · ↗selbstsüchtig · ↗selbstverliebt · ↗unsozial · von sich selbst eingenommen  ●  Unterm Strich komm ich.  Slogan · ↗egoistisch  Hauptform · jetzt komm (erst mal) ich  Spruch · ↗subjektivistisch  geh.
  • (sich etwas) einbilden auf · ↗(sich etwas) zugutehalten · ↗(sich) (einer Sache) rühmen · (übertrieben) stolz sein auf  ●  (sich) zu viel Ehre antun  geh.
  • (sich) jetzt für Gott weiß wen halten · (sich) jetzt für den Größten halten  ●  (jemandem) zu Kopf(e) gestiegen sein (Erfolg, Lob, Auszeichnung)  Hauptform, fig.
Antonyme
  • vermessen
Synonymgruppe
abmessen · ↗abzirkeln · ↗bestimmen · ↗eichen · ↗erheben · ↗ermitteln · messen · vermessen
Assoziationen
Synonymgruppe
draufgängerisch · ↗risikobereit · ↗risikofreudig · ↗riskant · ↗todesmutig · ↗tolldreist · ↗tollkühn · vermessen · ↗verwegen · vor nichts zurückschrecken · ↗waghalsig  ●  mit Todesverachtung  auch figurativ · Wer wagt, gewinnt.  ugs., Sprichwort · alles auf eine Karte setzen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anspruch Behauptung Gedanke Gelände Glaube Hoffnung Körper Schiff Strecke Traum Unterfangen Vorhaben Wunsch arrogant behaupten erscheinen exakt genau geradezu gewogen glauben klingen natürlich so vielleicht wohl ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vermessen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es wäre vermessen, zu sagen, er stünde allein am Steuer.
Die Zeit, 03.12.2001, Nr. 49
Es wäre vermessen, das Buch als klug konzipierten Thriller hinzustellen.
Der Tagesspiegel, 17.10.2000
Es würde vermessen sein, den reichen Inhalt dieses umfangreichen Bandes hier auch nur andeuten zu wollen.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1936, S. 889
Wie könnt ihr so vermessen sein, das Ding an sich zu zwingen?
Kubin, Alfred: Die andere Seite, München: Spangenberg 1990 [1909], S. 281
Ich kann das nicht kriminell finden, auch nicht rachsüchtig oder besonders vermessen.
Der Spiegel, 08.05.1995
Zitationshilfe
„vermessen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vermessen>, abgerufen am 21.04.2019.

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