vermuten

GrammatikVerb · vermutete, hat vermutet
Aussprache
Worttrennungver-mu-ten (computergeneriert)
Wortbildung mit ›vermuten‹ als Erstglied: ↗Vermutung
eWDG, 1977

Bedeutung

glauben, meinen, annehmen, dass sich etw. oder jmd. in bestimmter Weise verhalte
Beispiele:
ich vermute, ihr werdet meine Einladung annehmen
er traf eine Menge Leute an dem Ort, die er dort nicht vermutet hätte
dass die Tür verschlossen ist, hätten wir vermuten können
man vermutete Brandstiftung
Hier vermute ich bloß, statt zu wissen [St. ZweigHeilung317]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mut · Unmut · mutig · muten · vermuten · vermutlich · Vermutung · zumuten · Zumutung · mutmaßen · mutmaßlich · Mutwille · mutwillig · Übermut · übermütig
Mut m. ‘Kühnheit, Unerschrockenheit’, ahd. muot ‘Kraft des Denkens, Seele, Herz, Gemütszustand, Gesinnung, Gefühl, Absicht, Neigung’ (8. Jh.), mhd. muot, asächs. mōd, mnd. mōt, můt, mnl. moet, nl. moed, afries. aengl. mōd, engl. mood ‘Stimmung, Laune’, anord. mōðr ‘Zorn, aufgeregter Sinn’, schwed. mod ‘Mut, Beherztheit’, got. mōþs ‘Zorn’ (germ. *mōþa-). Vielleicht sind vergleichbar griech. mṓsthai (μῶσθαι) ‘streben, trachten, verlangen’, lat. mōs ‘zur Regel gewordener Wille, Sitte, Brauch’ (s. ↗Moral), so daß auf eine Wurzel ie. *mē-, *mō-, *mə- ‘heftigen und kräftigen Willens sein, heftig streben’ zurückgegangen werden kann. Mut bezeichnet ursprünglich die inneren Triebkräfte, Gemütszustände, Erregungen und Empfindungen des Gefühls im Gegensatz zum Verstand. Vom 16. Jh. an setzt sich die verengte Bedeutung ‘kühne und unerschrockene Haltung gegenüber Wagnis und Gefahr’ durch. Dazu mit negierendem ↗un- (s. d.) Unmut m. ‘Ärger, Mißstimmung’, ahd. unmuot n. ‘Betrübnis’ (um 1000), mhd. unmuot m. ‘Mißstimmung, Zorn’, mnd. unmōt n. m., aengl. unmōd n. mutig Adj. ‘tapfer, kühn’, mhd. muotec, muotic ‘beherzt, kühn’, asächs. mōdag ‘zornig, aufgeregt’, aengl. mōdig ‘aufgeregt, mutig’, got. mōdags ‘zornig’. muten Vb. ‘etw. begehren, verlangen, seinen Sinn auf etw. richten’, ahd. muoten (9. Jh.), muotōn (um 1000), mhd. muoten; seit etwa 1800 als Simplex ungebräuchlich. vermuten Vb. ‘annehmen, für wahrscheinlich halten’ (16. Jh.), mnd. vormōden; vermutlich Adj. ‘wahrscheinlich’ (16. Jh.); Vermutung f. ‘Annahme’ (16. Jh.). zumuten Vb. ‘unbilligerweise etw. von jmdm. verlangen’, mhd. zuomuoten; Zumutung f. (15. Jh.). mutmaßen Vb. ‘annehmen, für wahrscheinlich halten’, spätmhd. muotmāʒen ‘abschätzen’, zu spätmhd. muotmāʒe ‘Teilung nach Angemessenheit, Abschätzung’; mutmaßlich Adj. ‘der Annahme gemäß’ (18. Jh.). Mutwille m. ‘Absicht’, ahd. muotwillo ‘eigener freier Entschluß’ (8. Jh.), mhd. muotwille; mutwillig Adj. ‘absichtlich, leichtfertig’, mhd. muotwillec ‘dem eigenen (guten oder bösen) Willen folgend’. Übermut m. ‘Ausgelassenheit, Anmaßung, Überheblichkeit’, ahd. ubarmuot (um 1000), mhd. übermuot ‘stolzer, hochfahrender Sinn’; übermütig Adj. ‘ausgelassen, leichtsinnig, fröhlich’, ahd. ubarmuotīg (8. Jh.), mhd. übermüetec ‘stolz, hochfahrend gesinnt, heldenmütig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(von etwas) ausgehen · ↗annehmen · ↗denken · ↗erwarten · ↗glauben · ↗meinen · ↗mutmaßen · vermuten  ●  tippen auf  fig. · ↗schätzen  ugs. · zu wissen glauben  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
abschätzen · ↗schätzen · vermuten · ↗vorausberechnen · ↗vorhersagen · ↗vorhersehen  ●  hypothetisieren  fachspr. · ↗prognostizieren  geh. · ↗präsumieren  geh.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Analyst Anschlag Behörde Beobachter Branchenkenner Brandstiftung Drahtzieher Ermittler Experte Fachleute Fahnder Forscher Hintergrund Insider Kenner Kripo Motiv Polizei Staatsanwaltschaft Trumm Täter Urheber Ursache Wissenschaftler Zusammenhang daher dahinter deshalb eher zunächst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vermuten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im Dorf aber vermutet man, die Frau habe ihre Tochter weggesperrt, um zu verhindern, dass ihr das Kind weggenommen wird.
Die Zeit, 19.06.2007 (online)
Bitterlich vermutet nicht zu unrecht, die französischen Partner suchen sich aus der gemeinsamen Initiative herauszuwinden.
Küsters, Hans Jürgen: Entscheidung für die deutsche Einheit. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1998], S. 365
Die Größe des Auftrags läßt vermuten, daß er zu dieser Zeit bereits angesehen war.
o. A.: Lexikon der Kunst - R. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 27952
Aber was Ihr Deutsch betrifft, vermute ich, daß Sie schreiben können werden.
konkret, 1992
Also hatte ich doch richtig vermutet, es muß sehr brenzlig gewesen sein.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 30.09.1944, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„vermuten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vermuten>, abgerufen am 19.08.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
vermurrt
vermurksen
Vermummungsverbot
Vermummung
Vermummte
vermutlich
Vermutung
vermutungsweise
vernachlässigbar
vernachlässigen