Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

vernarren

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ver-nar-ren
Wortbildung  mit ›vernarren‹ als Grundform: Vernarrtheit
eWDG

Bedeutung

sich in etw., jmdn. vernarrensich außerordentlich für etw., jmdn. begeistern, sich heftig in jmdn. verlieben
Beispiele:
er hatte sich in seine Modelleisenbahn vernarrt
sie hatte sich leidenschaftlich in ihn vernarrt
Grammatik: meist im Partizip II
Beispiele:
die jungen Eltern waren ganz vernarrt in ihr erstes Baby
der Vater war in seinen Sohn vernarrt
sie war völlig vernarrt in ihn
[er] war vernarrt bis zum Aberwitz in die Elbestadt [ BredelHeerstraßen416]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Narr · Narrenhaus · Narrenkappe · narren · vernarren · närrisch · Narrheit · Narretei
Narr m. ‘Tor, einfältiger Mensch’. Die Herleitung von ahd. narro (8. Jh.), mhd. mnd. narre, nhd. (bis um 1800) Narre (nl. nar, dän. nar, schwed. narr sind aus dem Dt. entlehnt) ist unklar. Vielleicht ist ahd. narro eine Entlehnung aus spätlat. *nario ‘Nasenrümpfer, Spötter’? Oder gehört das Wort mit frühnhd. narren, nerren ‘knurren’ (15. Jh.) sowie nörgeln, (mit s-Anlaut) schnarren, schnurren (s. d.) zu der schallnachahmenden Wurzel ie. *(s)ner-, *(s)nur- ‘murren, knurren’? Das Substantiv bezeichnet in früherer Zeit auch den Geisteskranken, vgl. Narrenhaus n. ehemals ‘Käfig zur Schaustellung Geisteskranker’ (15. Jh.), ‘Räumlichkeit zur Verwahrung Geisteskranker’ (17. Jh.), Narrenkappe f. ‘Schellenkappe’ (15. Jh.), Hofnarr (s. d.). Hierzu die Wendung an jmdm. einen Narren gefressen haben ‘närrische Vorliebe für jmdn. haben’ (16. Jh.). narren Vb. ‘irreführen, täuschen’ (16. Jh.); vgl. ahd. irnarrēn ‘sich der Torheit überlassen’ (10. Jh.), spätmhd. ernarren ‘zum Narren werden, sich wie ein Narr benehmen’. vernarren Vb. (reflexiv) ‘sich für etw. beigeistern, sich heftig verlieben’ (16. Jh.), mhd. vernarren ‘ganz zum Narren, zum Toren werden’. närrisch Adj. ‘unvernünftig’, mhd. nerrisch, auch ‘verkehrt’. Narrheit f. ‘närrischer Streich, Einfalt, Dummheit’ (16. Jh.); vgl. ahd. narrraheit ‘törichtes Benehmen’ (8. Jh.) und mhd. narrecheit. Narretei f. ‘Scherz, Posse, übermütiges Treiben, Unsinn’, Narr(e)they (Anfang 17. Jh.), hervorgegangen aus Narrenteiding ‘Verhandlung der Narren, Narrengeschwätz, Torheit’ (16. Jh.); zum Grundwort s. verteidigen.

Typische Verbindungen zu ›vernarren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vernarren‹.

Verwendungsbeispiele für ›vernarren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Glaubt ihr denn wirklich, dass wir so dämlich sind, uns in diesen Österreicher zu vernarren? [Die Zeit, 11.02.2013, Nr. 06]
Zum einen ist er in das Museum vernarrt, zum anderen schwebt vor seinem geistigen Auge die vollendete Einrichtung. [Die Zeit, 19.10.1984, Nr. 43]
Beide sind in die Technik vernarrt, sofern sie auf vier Rädern daherkommt, und wenn niemand zuhört, so heißt es, dann duzen sie sich. [Süddeutsche Zeitung, 24.11.2001]
Und sie ist bis über beide Ohren vernarrt in ihre Arbeit, Sie liebt die Sänger, sie liebt die Stücke, die Musik und die Macht. [Die Zeit, 08.04.1994, Nr. 15]
Man ist eher älter, manchmal auch jung, auf jeden Fall zäh, lufthungrig und ins Schwimmen vernarrt. [Süddeutsche Zeitung, 03.05.2004]
Zitationshilfe
„vernarren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vernarren>.

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