verneigen

Grammatik Verb · reflexiv
Aussprache 
Worttrennung ver-nei-gen
Grundformneigen
Wortbildung  mit ›verneigen‹ als Erstglied: Verneigung
eWDG

Bedeutung

gehoben sich verbeugen
Beispiele:
er verneigte sich vor den Anwesenden und verließ das Zimmer, die Bühne
sich tief verneigen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

neigen · geneigt · abgeneigt · Neigung · Abneigung · Neige · verneigen · Verneigung · zuneigen · Zuneigung
neigen Vb. ‘beugen, schräg stellen, senken’, reflexiv ‘zu Ende gehen’. Das schwache Verb ahd. (h)neigen ‘neigen, senken, biegen, abwenden, beugen, unterwerfen’ (8. Jh.), mhd. neigen, asächs. gihnēgian, mnl. neighen, nl. neigen, aengl. hnǣgan, anord. hneigja, got. hnaiwjan ‘erniedrigen’ (germ. *hnaigwjan) kann entweder als Kausativum zum starken Verb (im Dt. bis 15. Jh. belegt) ahd. (h)nīgan ‘sich neigen (vor), sich niederbücken’ (8. Jh.), mhd. nīgen, asächs. aengl. hnīgan, mnd. nīgen, mnl. nīghen, nl. nijgen, anord. hnīga ‘sich neigen, sinken, fallen’, schwed. niga ‘knicksen’, got. hneiwan ‘sich neigen’ (germ. *hneigwan) oder als denominative jan-Ableitung zu dem in aengl. hnāg, hnāh ‘gebeugt, demütig’, got. hnaiws ‘niedrig, demütig’ vorliegenden Adjektiv angesehen werden. Außergerm. vergleichbar ist lediglich die Wortgruppe lat. nītī (nīs(s)us, (g)nīxus sum) ‘sich stemmen, stützen, sich in der Schwebe halten, steigen, klettern’, nictāre ‘zwinkern’, cōnīvēre ‘die Augen zudrücken, blinzeln’, so daß von ie. *kneigu̯h- ‘neigen, sich biegen’ ausgegangen werden kann. Dazu stellt sich mit Labialerweiterung ie. *kneib-, wozu anord. hnipinn ‘mißmutig, biegsam’, hnīpa ‘den Kopf hängen lassen, mißmutig sein’ und wohl auch lit. knìbti ‘zusammenknicken, zusammensinken’, kneĩbtis, kneĩptis ‘sich beugen, sich versenken, sich vertiefen’. geneigt Part.adj. ‘gewogen, zugetan’, in der Fügung geneigt sein, mhd. geneiget sīn; abgeneigt Part.adj. ‘nicht willens, frei von jeder Neigung, übel gesinnt’ (17. Jh.). Neigung f. ‘Zuneigung, freundschaftliche Gesinnung’, mhd. neigunge; dann auch ‘geneigte Haltung, Lage’ (2. Häfte 16. Jh.). Abneigung f. ‘ablehnende Haltung, Widerwille’ (17. Jh.), vgl. mhd. abeneigunge ‘Gefälle’. Neige f. ‘letzter Inhalt eines Gefäßes’ (Ende 15. Jh.), vor allem in der Wendung bis zur Neige ‘völlig, restlos’ und zur Neige gehen ‘dem Ende zugehen’ (Anfang 17. Jh.); vgl. mhd. neige ‘Biegung, Senkung, Tiefe, Ende’. verneigen Vb. reflexiv ‘sich verbeugen’ (17. Jh.); vgl. mhd. verneigen ‘herabbeugen, unterdrücken’; Verneigung f. ‘Verbeugung’ (Anfang 19. Jh.). zuneigen Vb. ‘hinwenden, eine Vorliebe haben’, reflexiv ‘Sympathie empfinden, sich hingezogen fühlen’, mhd. zuoneigen ‘hinwenden’; Zuneigung f. ‘das Hingewendetsein, Liebe’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(einen) Bückling machen · (sich) nach vorne neigen  ●  (sich) verbeugen  Hauptform · (einen) Diener machen  ugs. · (sich) verneigen  geh., Hauptform
Oberbegriffe
  • Achtung bezeugen · Anerkennung zollen · Respekt erweisen · Respekt zollen · Tribut zollen  ●  (sich) verneigen  fig. · Reverenz erweisen  geh. · den Hut ziehen (vor)  ugs., auch figurativ
Synonymgruppe
Achtung bezeugen · Anerkennung zollen · Respekt erweisen · Respekt zollen · Tribut zollen  ●  (sich) verneigen  fig. · Reverenz erweisen  geh. · den Hut ziehen (vor)  ugs., auch figurativ
Assoziationen
  • (eine) hohe Meinung haben (von) · achten · akzeptieren · anerkennen · respektieren · schätzen · wertschätzen · würdigen · zu schätzen wissen  ●  (achtungsvoll) aufblicken zu  fig. · ehren  geh. · ästimieren  geh., veraltend
  • (mein) Kompliment! · Chapeau · alle Achtung! · ausgezeichnet! · bravo! · ein Hoch auf ...! · ein Lob dem (...)! · ein Lob der (...)! · recht so!  ●  vortrefflich!  veraltend, scherzhaft-ironisch · Hut ab!  ugs. · Nicht schlecht, Herr Specht!  ugs., Spruch · Respekt!  ugs. · gut gemacht!  ugs. · holla, die Waldfee!  ugs., Spruch · reife Leistung!  ugs., variabel · sauber!  ugs. · à la bonne heure!  geh., franz.
  • (einer Sache / jemandem) Gutes nachsagen · (für jemanden) lobende Worte finden · (jemandem) ein Lob aussprechen · (jemanden) belobigen (offiziell loben) · (jemanden) lobend erwähnen · (jemanden) würdigen  ●  (jemandem) Beifall klatschen  fig. · (jemanden) loben  Hauptform · (jemanden) lobpreisen  dichterisch · (jemanden) preisen  dichterisch · (jemandem) Anerkennung zollen  geh. · (jemandem) Lob zollen  geh. · (jemanden) benedeien  geh., veraltet, religiös · (jemanden) rühmen  geh. · (sich über jemanden) anerkennend äußern  geh.

Typische Verbindungen zu ›verneigen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verneigen‹.

Verwendungsbeispiele für ›verneigen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Spieler verneigten sich vor ihm, dann warfen sie ihn jubelnd in die Höhe. [Die Zeit, 02.06.2013 (online)]
Wo er aber Größe zu beobachten meint, verneigt er sich ehrfürchtig. [Die Zeit, 16.10.1970, Nr. 42]
Nach buddhistischer Tradition legt er die Hände zusammen und verneigt sich tief. [Süddeutsche Zeitung, 19.03.2002]
Vielleicht wollten sie sich vor der Kunst ihres Gegners verneigen. [Süddeutsche Zeitung, 10.12.2001]
Ich hatte mich nur noch tief und dankbar zu verneigen. [Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 1114]
Zitationshilfe
„verneigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verneigen>.

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