Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

verpassen

Grammatik Verb · verpasst, verpasste, hat verpasst
Aussprache 
Worttrennung ver-pas-sen
Grundformpassen
eWDG

Bedeutungen

1.
etw., jmdn. verpassennicht zur rechten Zeit zu etw., jmdm. kommen und dadurch nicht erreichen
Beispiele:
das Flugzeug, den Omnibus, Zug verpassen
das Frühstück, den Dienst, ein Rendezvous verpassen
er verpasste die Ankunft seines Freundes
ich möchte nicht den letzten Anschlusszug verpassen
er beeilte sich sehr, aber verpasste trotzdem seine Freundin
Nur um zwei Sekunden haben sich Romeo und Julia verpaßt [ HildesheimerParadies27]
etw. nicht nutzen, zur rechten Zeit nicht das Nötige oder Mögliche tun
Beispiele:
eine Gelegenheit verpassen
der Schauspieler hatte sein Stichwort, der Musiker seinen Einsatz verpasst
er bildete sich ein, er hätte etw. verpasst (= er hätte eine Gelegenheit, etw. zu tun oder zu erleben, nicht genutzt)
er fürchtete, den Anschluss an die Entwicklung zu verpassen (= zu verlieren)
saloppsie hat den Anschluss verpasst (= sie hat keinen Mann bekommen)
Viel zuwenig glückliche Stunden gibt es im Leben, als daß man sich leisten könnte, sie zu verpassen [ ZuchardtNarr409]
2.
salopp, abwertend jmdm. etw. verpassenjmdm. etw. meist Unangenehmes zuteilwerden lassen
Beispiele:
jmdm. eine Schmerzspritze verpassen
der Arzt hat ihm eine Brille verpasst (= verordnet)
er erhielt vom Gericht ein Jahr Gefängnis verpasst
jmdm. einen Denkzettel, eine Lektion, Zigarre verpassen (= jmdn. streng tadeln)
jmdm. eine Ohrfeige, Tracht Prügel, einen Hieb verpassen
jmdm. eins, ein Ding verpassen (= auswischen)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

passen · anpassen · aufpassen · verpassen · unpäßlich · Passe
passen Vb. ‘sich eignen, angemessen, recht sein, gelegen kommen, in der Größe entsprechen’ (17. Jh.; transitiv ‘angemessen, geeignet machen, genau einfügen’ seit Ende 16. Jh.), auch ‘achtgeben’ (15. Jh.), mhd. (westmd.) gepassen ‘erreichen’ (vgl. niederrhein. passen ‘gelangen, das Ziel erreichen’ und ‘zusammentreffen, übereinstimmen, angemessen sein’, 1477); über mnl. passen ‘zumessen, fügen, ordnen, abrichten, achtgeben, gelegen kommen, durchqueren’, mnd. passen ‘angemessen machen, geeignet sein, achtgeben, berücksichtigen, vorbeifahren’ entlehnt aus afrz. frz. passer ‘sich von einem Orte an einen anderen bewegen, durchqueren, überschreiten, vorüber-, vergehen’, frz. auch ‘annehmbar, erträglich sein’ (s. passieren). Als Ausdruck des Würfel- und Kartenspiels steht passen vom 17. Jh. an für ‘ein Spiel vorübergehen lassen, abgeben’, daher übertragen für ‘abwarten’ (17. Jh.), ‘nicht mithalten, verzichten’ (Ende 18. Jh.). – anpassen Vb. ‘passend machen, in Übereinstimmung bringen’, reflexiv ‘sich angleichen, einordnen’ (wie nl. aanpassen), älter ‘passend sein, entsprechen’ (18. Jh.). aufpassen Vb. ‘achtgeben, aufmerksam sein, auflauern’ (17. Jh.), im Anschluß an die Fügung auf etw. passen (16. Jh.). verpassen Vb. ‘versäumen, durch Unachtsamkeit verfehlen’ (17. Jh.), in moderner Umgangssprache (zunächst wohl soldatensprachlich) auch ‘zuteilen, zukommen lassen, anprobieren’ (Anfang 20. Jh.). unpäßlich Adj. ‘unwohl, leicht erkrankt’ (um 1600), vgl. frühnhd. unbäßig (15. Jh.). Passe f. ‘eingesetztes Schulterteil eines Kleidungsstücks’ (20. Jh.), zuvor ‘vorderer, das Gesicht schützender Rand am Damenhut’ (19. Jh.), in diesem Sinne nach mfrz. frz. passe, Ableitung von afrz. frz. passer (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
verfehlen · vergessen · verpassen · versäumen · übersehen  ●  nicht mitbekommen  ugs. · verabsäumen  geh., Papierdeutsch · verbaseln  ugs., regional · verpennen  ugs. · verschlafen  ugs. · verschwitzen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
verpassen · überhören  ●  einen Aussetzer haben  ugs. · nicht mitbekommen  ugs.
Synonymgruppe
geben · verpassen  ●  erteilen  Amtsdeutsch
Synonymgruppe
aufbürden · aufdrücken · auferlegen · aufnötigen · aufoktroyieren · aufpfropfen · aufzwingen  ●  (jemandem etwas) an den Hals hängen  ugs., fig. · (jemandem etwas) ans Bein binden  ugs., fig. · (jemandem etwas) aufs Auge drücken  ugs. · (jemandem etwas) verpassen  ugs. · (jemanden) zwangsbeglücken (mit)  ugs., ironisch · aufbrummen  ugs. · aufhalsen  ugs. · oktroyieren  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
nicht erreichen · nicht schaffen  ●  verpassen (Bus, Zug ...)  Hauptform · (der Bus, Zug ...) war weg  ugs. · nicht erwischen  ugs.
Synonymgruppe
(etwas) vergeben (an) · (jemandem etwas) zuschlagen · (jemandem etwas) zuteilen · (jemandem etwas) zuweisen  ●  (jemandem etwas) verpassen  ugs., salopp, negativ

Typische Verbindungen zu ›verpassen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verpassen‹.

Anschluß Chance Cut Denkzettel Dritter Dämpfer Einzug Elfte Finale Fünft Fünfte Maulkorb Medaille Neunt Neunte Ohrfeige Podestplatz Qualifikation Sechste Siebent Sprung Vieren Vierter Zehnte Zweiter Zwölfte knapp

Verwendungsbeispiele für ›verpassen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aha, kaum ist er Meister, schon hat er sich ein neues seriöses Outfit verpaßt. [Der Spiegel, 17.08.1992]
Die Zeit ist längst noch nicht verpaßt, sie muß nur genutzt werden. [Die Zeit, 26.11.1998, Nr. 49]
Wer diesen Satz nicht versteht, hat offensichtlich eine Revolution verpaßt. [Die Zeit, 04.07.1997, Nr. 28]
Laß meine Frau in Ruhe, sonst verpaß ich Dir eine. [o. A.: BRUDER CARSTENS IN CHRISTO. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1981]]
Schließlich sind Demokraten überall auf die Macht erpicht, dem Volk einen einheitlichen Willen zu verpassen. [o. A.: DER »GESTEUERTE SKANDAL". In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1981]]
Zitationshilfe
„verpassen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verpassen>.

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