Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

verquast

Grammatik Adjektiv · Komparativ: verquaster · Superlativ: am verquastesten, Steigerung selten
Aussprache  [fɛɐ̯ˈkvaːst]
Worttrennung ver-quast
Grundformverquasen
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutung

umgangssprachlich verworren, verquer (1)
Kollokationen:
als Adjektivattribut: ein verquaster Begriff, Satz; eine verquaste Ideologie, Vorstellung, Geschichte, Formulierung, Sprache; verquastes Deutsch [sprechen, schreiben]
mit Adverbialbestimmung: reichlich, ziemlich verquast [reden, schreiben]
Beispiele:
Dieser verquaste akademische Stil ist doch ein Greuel. Dieses Fachchinesisch versteht ja niemand. Warum müssen die Leute so viele Fremdwörter benutzen? Warum können sie nicht gutes Deutsch schreiben? [Schwanitz, Dietrich: Männer. Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 173]
Kann ich dem Hersteller von Salami oder Schnitzel trauen? Und: Unter welchen Bedingungen lebte das getötete Tier? Ja, einige verquaste Infos stehen bereits auf der Verpackung. Sie müssen aber ausführlicher und verständlicher werden. [Bild am Sonntag, 09.02.2020]
Chinesisch geprägte Gesellschaften [so die Regierung in Peking] bräuchten aus tausendjähriger Erfahrung autoritäre Herrschaft und seien quasi genetisch auf Harmonie geeicht, weshalb ein kritischer Blick auf Vergangenheit und Gegenwart kein Teil jener Kultur sei, heißt es. Verquaste Herrscher‑Logik, über die man im freien Taiwan nur lachen kann. [Die Welt, 19.07.2018]
So liest man gleich [in dem Entwurf für ein Lebenspartnerschaftsgesetz] eingangs etwas von »gleichgeschlechtlichen Paare‍(n) …, die einen gesicherten Rechtsrahmen für ihr auf Dauer angelegtes Zusammenleben unter Einbeziehung ihrer geschlechtlichen Identität wünschen«. Geschwollener und verquaster geht’s kaum. [Frankfurter Rundschau, 02.08.2000]
Das verräterische Wort von der »Krampfhenne«[…] hat in der CSU bereits eine gewisse Tradition. Zu hören bekommen es immer wieder oppositionelle Politikerinnen, die durch ihre Leistung oder Ausstrahlung das verquaste Frauenbild mancher CSU‑Männer durcheinanderbringen und ihnen Angst einflößen. Wer mit diesem Ausdruck belegt wird, kann sicher sein, daß er die CSU am Nerv getroffen hat. [Süddeutsche Zeitung, 06.03.1992]
Auch Tirza gehört nicht in den Kanon der biblischen Frauen, sondern einzig ins Grübel‑Reservat der [Patrick] Rothschen Bibel‑Spintisierereien – und zwar dorthin, wo diese am verquastesten und verstiegensten sind. [Süddeutsche Zeitung, 04.05.1996] ungewöhnl.
Als [Gustl] Bayrhammer die Dauerrolle [des »Tatort«-Kommissars] selber zu dumm wurde, der immer verquasteren Drehbücher wegen, ließ er sie rigoros fahren: zugunsten von schlüssigeren und nicht von vornherein absehbaren Episodenauftritten in typisch Münchner Fernsehreihen wie »Monaco Franze«, »Die Wiesingers«, »Polizeiinspektion 1« oder »Café Meineid«. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.1993] ungewöhnl.

letzte Änderung:

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
aufgesetzt · gedrechselt · gekünstelt · geschwollen · gespreizt · gestelzt · gewunden · geziert · künstlich · manieriert · schwülstig · theatralisch · unecht · unnatürlich · verschwurbelt · überkandidelt  ●  verquast  abwertend · (übertrieben) bildungssprachlich  fachspr. · affektiert  geh. · artifiziell  geh. · geschraubt  ugs. · preziös  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›verquast‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verquast‹.

Zitationshilfe
„verquast“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verquast>.

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