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verrücken

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ver-rü-cken
Wortbildung  mit ›verrücken‹ als Erstglied: Verrückung · verrückbar  ·  mit ›verrücken‹ als Grundform: verrückt
eWDG

Bedeutung

etw. durch Rücken in eine andere Lage, an einen anderen Standort bringen
Beispiele:
wir müssen den Schrank noch ein wenig verrücken
dass ihr kein Stück in meinem Zimmer verrückt!
in beiderseitigem Einvernehmen wurde die Grenze ein wenig verrückt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rücken · abrücken · anrücken · ausrücken · einrücken · entrücken · entrückt · verrücken · verrückt · vorrücken · berücken
rücken Vb. ‘sich vorwärts bewegen, zu einem bestimmten Ort aufbrechen, (weg)marschieren, (mit einem Ruck, ruckweise) an einen anderen Platz schieben, in eine andere Lage bringen, von der Stelle bewegen’, ahd. rucken (9. Jh.; vgl. irrucken ‘unterstützen, aufrichten’, 8. Jh.), mhd. rücken (obd. rucken) ‘sich fortbewegen, etw. schnell bewegen’, mnd. mnl. rucken, nl. rukken, anord. rykkja, schwed. rycka, dän. rykke (germ. *rukkjan). Herkunft nicht geklärt. Verwandt sind sicher mhd. nl. (holl.) rocken ‘rücken’, aengl. roccian, engl. to rock ‘wiegen, schaukeln’ (s. Rock and Roll), anord. rugga ‘schütteln, schaukeln, wiegen’, schwed. (mundartlich) rugga ‘schaukeln’. Sieht man in den Formen geminierte schwundstufige Bildungen, kann ein Zusammenhang mit Rahe und regen (s. d.) angenommen werden. – abrücken Vb. ‘wegrücken, -schieben, aufbrechen, sich entfernen, abmarschieren, sich distanzieren’, mhd. aberücken ‘wegziehen, entfernen’. anrücken Vb. ‘aneinanderschieben, sich nähern, anmarschieren’ (15. Jh.). ausrücken Vb. ‘aus-, hinausmarschieren, davonlaufen, ausreißen’, mhd. ūʒrücken ‘herausziehen’. einrücken Vb. ‘einsetzen, einmarschieren, den Militärdienst beginnen, dazu eingezogen werden’, mhd. īnrucken ‘hineinschieben’. entrücken Vb. ‘wegnehmen, entfernen, versetzen’ (an einen anderen Ort, in Ekstase, in eine andere Welt), mhd. entrücken; entrückt Part.adj. ‘abgelegen, fern, geistig abwesend, weltverloren’ (13. Jh.). verrücken Vb. ‘wegrücken, an einen anderen Platz schieben, verschieben’, ahd. firrucken (um 1000), mhd. verrücken, verrucken; verrückt Part.adj. ‘nicht bei Verstand, geistesgestört, irre, unsinnig’, eigentlich ‘an eine andere, eine falsche Stelle gebracht’ (16. Jh.), zumal in Fügungen wie verrückt im Kopf, im Hirn ‘töricht, närrisch’ (17. Jh.), aus denen sich rasch absoluter Gebrauch im oben genannten Sinne entwickelt. vorrücken Vb. ‘(weiter) nach vorn, vorwärts rücken, vorwärts marschieren, auf dem Vormarsch sein’, ahd. furirucken (um 1000), mhd. vorrücken ‘vorbeiziehen, -gehen’. berücken Vb. ‘bezaubern, entzücken, betören, verlocken’, ursprünglich ein Ausdruck des Vogel- und Fischfangs mit der Bedeutung ‘listig, täuschend fangen’, eigentlich ‘ein Netz über das Tier rücken, das man fangen will’, von Luther (1. Hälfte 16. Jh.) in die Literatursprache eingeführt. Im Frühnhd. und vor allem in der Barockzeit (17./18. Jh.) wird berücken oft bildlich mit dem Aspekt des Betrugs und der Liebeslist verwendet. Im 18. Jh. geht das Gefühl für die ursprüngliche Bedeutung verloren, und berücken steht gleichbed. neben bezaubern.

Thesaurus

Synonymgruppe
fortschieben · rücken · schieben · umsetzen · umstellen · verdrängen · verrücken · verschieben · wegschieben  ●  deplacieren  veraltet · verfrachten  ugs.
Synonymgruppe
an einen anderen Platz stellen ( / setzen / versetzen / schieben / rücken) · anders stellen · umsetzen · verrücken · verschieben · versetzen · verstellen  ●  umstellen  Hauptform · (einer Sache) einen anderen Platz geben  geh. · deplacieren  fachspr., veraltet

Typische Verbindungen zu ›verrücken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verrücken‹.

Verwendungsbeispiele für ›verrücken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Verrückt seid ihr beide, doch solange jeder von euch nur unter seinem eigenen Dach verrückt spielt, hat die Welt nichts zu befürchten. [Die Zeit, 13.09.1991, Nr. 38]
Oder muß er sie nicht doch ebenso sehr materiell verrücken? [Die Zeit, 04.09.1970, Nr. 36]
Verrückt sowieso und dann noch die Geschichte mit dem Ohr. [Die Zeit, 04.05.1990, Nr. 19]
Verrückt ist nicht nur, daß ein Schwarzes Loch alles in seiner Nähe anzieht und verschlingt. [o. A.: Wissenschafts-Hauptstadt, Plastikfolien und Schwarze Löcher. In: Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 1999 [1998]]
Sie manifestiert sich in der Fähigkeit des Staates, Dinge zu verrücken. [Die Zeit, 19.10.2009, Nr. 42]
Zitationshilfe
„verrücken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verr%C3%BCcken>.

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