verrücken

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-rü-cken (computergeneriert)
Wortbildung mit ›verrücken‹ als Erstglied: ↗Verrückung · ↗verrückbar
eWDG, 1977

Bedeutung

etw. durch Rücken in eine andere Lage, an einen anderen Standort bringen
Beispiele:
wir müssen den Schrank noch ein wenig verrücken
dass ihr kein Stück in meinem Zimmer verrückt!
in beiderseitigem Einvernehmen wurde die Grenze ein wenig verrückt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rücken · abrücken · anrücken · ausrücken · einrücken · entrücken · entrückt · verrücken · verrückt · vorrücken · berücken
rücken Vb. ‘sich vorwärts bewegen, zu einem bestimmten Ort aufbrechen, (weg)marschieren, (mit einem Ruck, ruckweise) an einen anderen Platz schieben, in eine andere Lage bringen, von der Stelle bewegen’, ahd. rucken (9. Jh.; vgl. irrucken ‘unterstützen, aufrichten’, 8. Jh.), mhd. rücken (obd. rucken) ‘sich fortbewegen, etw. schnell bewegen’, mnd. mnl. rucken, nl. rukken, anord. rykkja, schwed. rycka, dän. rykke (germ. *rukkjan). Herkunft nicht geklärt. Verwandt sind sicher mhd. nl. (holl.) rocken ‘rücken’, aengl. roccian, engl. to rock ‘wiegen, schaukeln’ (s. ↗Rock and Roll), anord. rugga ‘schütteln, schaukeln, wiegen’, schwed. (mundartlich) rugga ‘schaukeln’. Sieht man in den Formen geminierte schwundstufige Bildungen, kann ein Zusammenhang mit ↗Rahe und ↗regen (s. d.) angenommen werden. abrücken Vb. ‘wegrücken, -schieben, aufbrechen, sich entfernen, abmarschieren, sich distanzieren’, mhd. aberücken ‘wegziehen, entfernen’. anrücken Vb. ‘aneinanderschieben, sich nähern, anmarschieren’ (15. Jh.). ausrücken Vb. ‘aus-, hinausmarschieren, davonlaufen, ausreißen’, mhd. ūʒrücken ‘herausziehen’. einrücken Vb. ‘einsetzen, einmarschieren, den Militärdienst beginnen, dazu eingezogen werden’, mhd. īnrucken ‘hineinschieben’. entrücken Vb. ‘wegnehmen, entfernen, versetzen’ (an einen anderen Ort, in Ekstase, in eine andere Welt), mhd. entrücken; entrückt Part.adj. ‘abgelegen, fern, geistig abwesend, weltverloren’ (13. Jh.). verrücken Vb. ‘wegrücken, an einen anderen Platz schieben, verschieben’, ahd. firrucken (um 1000), mhd. verrücken, verrucken; verrückt Part.adj. ‘nicht bei Verstand, geistesgestört, irre, unsinnig’, eigentlich ‘an eine andere, eine falsche Stelle gebracht’ (16. Jh.), zumal in Fügungen wie verrückt im Kopf, im Hirn ‘töricht, närrisch’ (17. Jh.), aus denen sich rasch absoluter Gebrauch im oben genannten Sinne entwickelt. vorrücken Vb. ‘(weiter) nach vorn, vorwärts rücken, vorwärts marschieren, auf dem Vormarsch sein’, ahd. furirucken (um 1000), mhd. vorrücken ‘vorbeiziehen, -gehen’. berücken Vb. ‘bezaubern, entzücken, betören, verlocken’, ursprünglich ein Ausdruck des Vogel- und Fischfangs mit der Bedeutung ‘listig, täuschend fangen’, eigentlich ‘ein Netz über das Tier rücken, das man fangen will’, von Luther (1. Hälfte 16. Jh.) in die Literatursprache eingeführt. Im Frühnhd. und vor allem in der Barockzeit (17./18. Jh.) wird berücken oft bildlich mit dem Aspekt des Betrugs und der Liebeslist verwendet. Im 18. Jh. geht das Gefühl für die ursprüngliche Bedeutung verloren, und berücken steht gleichbed. neben bezaubern.

Thesaurus

Synonymgruppe
fortschieben · rücken · ↗schieben · ↗umsetzen · ↗umstellen · ↗verdrängen · verrücken · ↗verschieben · ↗wegschieben  ●  ↗deplacieren  veraltet · ↗verfrachten  ugs.
Assoziationen
  • (ein) anderes Zimmer geben (Hotel) · (eine) andere Wohnung geben · (einen) Wohnungswechsel veranlassen · in ein anderes Zimmer verlegen (Hotel) · ↗umquartieren · ↗umsetzen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Amerikaner Fan Franzose Freude Fußball Gott Grenze Grenzpfahl Hund Italiener Kerl Leut Leutchen Liebe Maßstab Möbel Möbelstück Perspektive Pfanne Schrank Stein Stuhl Tisch Typ Verrückter Wand Zentimeter du ich wir

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verrücken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Verrückt seid ihr beide, doch solange jeder von euch nur unter seinem eigenen Dach verrückt spielt, hat die Welt nichts zu befürchten.
Die Zeit, 13.09.1991, Nr. 38
Verrückt, aber in der ersten Sekunde hielt er es wirklich für Gesang.
C't, 2000, Nr. 21
Wenn ich es auch leicht gewinkelt und lässig zur Seite zu stellen hatte, durfte ich es dennoch nicht verrücken oder spielerisch bewegen.
Grass, Günter: Die Blechtrommel, Darmstadt: Luchterhand 1959, S. 950
Keinesfalls darf es vorkommen, daß wir erst beim Eintreffen der ersten Gäste beginnen, Stühle, Tische und andere Möbelstücke zu verrücken.
Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 394
Wo der Entscheidung eines Bundesministers allerdings durch zwingendes Recht Grenzen gezogen sind, etwa bei Haushaltsfragen, kann auch eine Richtlinienentscheidung diese nicht verrücken.
o. A. [ne]: Bundeskanzler. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1991]
Zitationshilfe
„verrücken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verrücken>, abgerufen am 18.10.2019.

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