versäumen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-säu-men (computergeneriert)
Wortbildung mit ›versäumen‹ als Erstglied: ↗Versäumnis
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw. (durch zu langes Warten, Zögern, durch Saumseligkeit) verpassen
Beispiele:
das Flugzeug, den Omnibus, Zug versäumen
die Mahlzeit, den Dienst, das Rendezvous versäumen
ich möchte dieses Fest auf keinen Fall versäumen (= möchte dabeisein)
er versäumte keine Gelegenheit (= nutzte jede Gelegenheit), mit uns zu debattieren
du hast viel versäumt (= nicht miterlebt), weil du nicht am Ausflug teilgenommen hast
er bildete sich [Dativ] ein, er habe etw. versäumt (= er habe eine Gelegenheit, etw. zu tun oder zu erleben, nicht genutzt)
ich will meine Zeit nicht ungenutzt versäumen (= tatenlos zubringen)
ich habe nicht viel zu versäumen (= ich habe Zeit)
über dieser Arbeit hatte er seine besten Jahre versäumt (= nicht in der gewünschten Weise erlebt, genossen)
versäume keine Zeit und mach dich an die Arbeit!
etw. unterlassen, nicht tun
Beispiele:
er hat seine Pflichten versäumt
ich werde nichts versäumen, was in meinen Kräften steht
er versäumte nicht, uns über den Vorfall zu berichten
das Versäumte, den versäumten Schlaf nachholen
er überlegte, ob er etw. versäumt habe
etw. an jmdm. versäumenjmdm. etw. Gutes, Nötiges nicht zuteilwerden lassen
Beispiel:
nie aber verläßt uns die leise Stimme des Vorwurfs über das, was wir bei seinen Lebzeiten an ihm versäumten und zu versäumen gezwungen waren [Bergengr.Rittmeisterin189]
2.
landschaftlich, besonders schweizerisch sich versäumensich zu lange mit etw., jmdm. aufhalten
Beispiele:
sie hatte sich bei der Arbeit, Toilette versäumt
entschuldigen Sie bitte, ich habe mich (leider zehn Minuten) versäumt (= verspätet)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

säumen2 · versäumen · Versäumnis · säumig · Säumnis · Saumseligkeit · saumselig
säumen2 Vb. ‘zögern, sich verweilen, trödeln’, mhd. sūmen ‘aufhalten, hinhalten, verzögern, versäumen, warten lassen, jmdn. auf-, abhalten, hindern’, reflexiv ‘sich aufhalten, verspäten’, mnd. sǖmen; der im Mhd. bezeugte transitive Gebrauch ist in neuerer Sprache unüblich. Ohne sichere Anknüpfungsmöglichkeiten; ein vermuteter Zusammenhang mit griech. eā́n (ἐᾶν) ‘(zu)lassen, gestatten, in Ruhe lassen, unterlassen’ und dessen zu erschließender Stammform *(σ)εϝα- ist ungewiß. Früher belegt als das Simplex ist die Präfixbildung versäumen Vb. ‘verpassen, nicht wahrnehmen, nicht tun’, ahd. firsūmen (9. Jh.), mhd. versūmen ‘ungetan, unbeachtet lassen, ab-, auf-, zurückhalten, irren, vernachlässigen, im Stich lassen, sich verspäten’; Versäumnis n. ‘Unterlassung, das Zuspätkommen’, mhd. versūmnisse. säumig Adj. ‘zögernd, langsam, verspätet, nachlässig’, ahd. sūmīg (um 800), mhd. sūmic. Säumnis f. n. ‘das Zögern, Verspätung’, mhd. sūmnisse f. Saumseligkeit f. ‘Neigung zum Säumen, Nachlässigkeit’ (17. Jh.), zu saumselig Adj. ‘langsam, nachlässig’, mhd. sūmeselic, abgeleitet von mhd. sūmesal, -seli, -sele, nhd. Saumsal (bis ins 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
verfehlen · ↗vergessen · ↗verpassen · versäumen · ↗übersehen  ●  nicht mitbekommen  ugs. · ↗verabsäumen  geh., Papierdeutsch · ↗verbaseln  ugs., regional · ↗verpennen  ugs. · ↗verschlafen  ugs. · ↗verschwitzen  ugs.
Assoziationen
  • (sich) nicht erinnern (an) · nicht denken an · ↗vergessen  ●  (jemandem) entfallen (sein)  geh. · (jemandem) nicht erinnerlich (sein)  geh. · (sich einer Sache) nicht entsinnen können  geh. · aus den Augen verlieren  ugs. · ↗verbummeln  ugs. · ↗verschwitzen  ugs.
  • (einer Sache) verlustig gehen · ↗verlegen · ↗verlieren  ●  ↗verbaseln  ugs., regional · ↗verbummeln  ugs. · ↗verdusseln  ugs. · verklüngeln  ugs. · ↗verkramen  ugs. · ↗verschlampen  ugs. · ↗verschludern  ugs. · verschluren  ugs., rheinisch · ↗verschmeißen  ugs., bair. · ↗verschusseln  ugs.
  • (etwas) verbummelt haben · (etwas) verkramt haben · (etwas) verlegt haben · (etwas) verschlampt haben · (etwas) verschusselt haben

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anmeldung Anschluß Antragsfrist Augenblick Bundesregierung Chance Dopingkontrolle Dopingtest Einspruchsfrist Elternhaus Frist Gastgeber Gelegenheit Gesetzgeber Halbzeit Meldefrist Pflicht Termin Unterricht Verabredung Vergangenheit Verschulden Vorgänger es keinesfalls leider nachbestellen nicht nie niemals

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›versäumen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Politik hat es bisher parteiübergreifend versäumt, die Lage sachgerecht zu schildern.
Der Tagesspiegel, 08.10.2002
Er wird dabei nicht versäumen, ihn leidenschaftlich zu küssen, mitten auf dem Platz.
Süddeutsche Zeitung, 17.06.2002
Ich würde viel versäumen, ich würde eines Tages sehr bereuen, nichts gemacht zu haben.
Schröter, Heinz: Ich, der Rentnerkönig, Genf: Ariston 1985, S. 174
Denn wie schnell sind die schönsten Jahre der jungen Ehe verflogen und wir wollen uns dann nicht gegenseitig vorwerfen, etwas versäumt zu haben.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 14.02.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Wer es im Licht versäumte, hat es versäumt für immer.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 31011
Zitationshilfe
„versäumen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/versäumen>, abgerufen am 17.11.2019.

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