Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

versäumen

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GrammatikVerb · versäumt, versäumte, hat versäumt
Aussprache 
Worttrennung ver-säu-men
Wortzerlegung ver- säumen2
Wortbildung  mit ›versäumen‹ als Erstglied: Versäumnis
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. (durch zu langes Warten, Zögern, durch Saumseligkeit) verpassen
Beispiele:
das Flugzeug, den Omnibus, Zug versäumen
die Mahlzeit, den Dienst, das Rendezvous versäumen
ich möchte dieses Fest auf keinen Fall versäumen (= möchte dabeisein)
er versäumte keine Gelegenheit (= nutzte jede Gelegenheit), mit uns zu debattieren
du hast viel versäumt (= nicht miterlebt), weil du nicht am Ausflug teilgenommen hast
er bildete sich [Dativ] ein, er habe etw. versäumt (= er habe eine Gelegenheit, etw. zu tun oder zu erleben, nicht genutzt)
ich will meine Zeit nicht ungenutzt versäumen (= tatenlos zubringen)
ich habe nicht viel zu versäumen (= ich habe Zeit)
über dieser Arbeit hatte er seine besten Jahre versäumt (= nicht in der gewünschten Weise erlebt, genossen)
versäume keine Zeit und mach dich an die Arbeit!
etw. unterlassen, nicht tun
Beispiele:
er hat seine Pflichten versäumt
ich werde nichts versäumen, was in meinen Kräften steht
er versäumte nicht, uns über den Vorfall zu berichten
das Versäumte, den versäumten Schlaf nachholen
er überlegte, ob er etw. versäumt habe
etw. an jmdm. versäumenjmdm. etw. Gutes, Nötiges nicht zuteilwerden lassen
Beispiel:
nie aber verläßt uns die leise Stimme des Vorwurfs über das, was wir bei seinen Lebzeiten an ihm versäumten und zu versäumen gezwungen waren [ Bergengr.Rittmeisterin189]
2.
landschaftlich, besonders schweizerisch sich versäumensich zu lange mit etw., jmdm. aufhalten
Beispiele:
sie hatte sich bei der Arbeit, Toilette versäumt
entschuldigen Sie bitte, ich habe mich (leider zehn Minuten) versäumt (= verspätet)

Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
säumen2 · versäumen · Versäumnis · säumig · Säumnis · Saumseligkeit · saumselig
säumen2 Vb. ‘zögern, sich verweilen, trödeln’, mhd. sūmen ‘aufhalten, hinhalten, verzögern, versäumen, warten lassen, jmdn. auf-, abhalten, hindern’, reflexiv ‘sich aufhalten, verspäten’, mnd. sǖmen; der im Mhd. bezeugte transitive Gebrauch ist in neuerer Sprache unüblich. Ohne sichere Anknüpfungsmöglichkeiten; ein vermuteter Zusammenhang mit griech. eā́n (ἐᾶν) ‘(zu)lassen, gestatten, in Ruhe lassen, unterlassen’ und dessen zu erschließender Stammform *(σ)εϝα- ist ungewiß. – Früher belegt als das Simplex ist die Präfixbildung versäumen Vb. ‘verpassen, nicht wahrnehmen, nicht tun’, ahd. firsūmen (9. Jh.), mhd. versūmen ‘ungetan, unbeachtet lassen, ab-, auf-, zurückhalten, irren, vernachlässigen, im Stich lassen, sich verspäten’; Versäumnis n. ‘Unterlassung, das Zuspätkommen’, mhd. versūmnisse. säumig Adj. ‘zögernd, langsam, verspätet, nachlässig’, ahd. sūmīg (um 800), mhd. sūmic. Säumnis f. n. ‘das Zögern, Verspätung’, mhd. sūmnisse f. Saumseligkeit f. ‘Neigung zum Säumen, Nachlässigkeit’ (17. Jh.), zu saumselig Adj. ‘langsam, nachlässig’, mhd. sūmeselic, abgeleitet von mhd. sūmesal, -seli, -sele, nhd. Saumsal (bis ins 18. Jh.).

Bedeutungsverwandte Ausdrücke

verfehlen · vergessen · verpassen · versäumen · übersehen  ●  nicht mitbekommen ugs. · verabsäumen geh., Papierdeutsch · verbaseln ugs., regional · verpennen ugs. · verschlafen ugs. · verschwitzen ugs.
Assoziationen
  • sich nicht erinnern (an) · vergessen (haben)  ●  (jemandem) entfallen (sein) geh. · (jemandem) nicht erinnerlich (sein) geh. · sich (einer Sache) nicht entsinnen können geh. · sich (einer Sache) nicht erinnern können geh.
  • verlegen · verlieren  ●  (einer Sache) verlustig gehen geh. · aus den Augen verlieren ugs. · nicht mehr wissen, wo man etwas gelassen hat ugs. · verbaseln ugs., regional · verbummeln ugs. · verdusseln ugs. · verklüngeln ugs. · verkramen ugs. · verschlampen ugs. · verschludern ugs. · verschluren ugs., rheinisch · verschmeißen ugs., bayr. · verschusseln ugs.
  • (etwas) verbummelt haben · (etwas) verkramt haben · (etwas) verlegt haben · (etwas) verschlampt haben · (etwas) verschusselt haben
  • (etwas) verschlafen fig. · den Zeitpunkt verpassen fig. · (etwas) verpennen ugs., salopp

Typische Verbindungen zu ›versäumen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›versäumen‹.

Verwendungsbeispiel für ›versäumen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich würde viel versäumen, ich würde eines Tages sehr bereuen, nichts gemacht zu haben. [Schröter, Heinz: Ich, der Rentnerkönig, Genf: Ariston 1985, S. 174]
Zudem hatten wir versäumt, vorher gründlich genug zu lesen, um die langweiligen Passagen weglassen zu können. [o. A.[Autorenkollektiv am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin]: Sozialistische Projektarbeit im Berliner Schülerladen Rote Freiheit. Frankfurt: Fischer Bücherei 1971, S. 67]
Wir haben es nämlich versäumt, einen wichtigen Schluß aus ihnen zu ziehen. [Freud, Sigmund: Die Traumdeutung, Leipzig u. a.: Deuticke 1914 [1900], S. 413]
Teilweise versäumt es der Autor allerdings, den Leser durch erklärende Texte zu unterstützen. [C’t, 2001, Nr. 21]
Leider hat man es 1933 versäumt, sie den Deutschen mit auf den Weg zu geben. [Die Zeit, 11.02.1999, Nr. 7]
Zitationshilfe
„versäumen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vers%C3%A4umen>.

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