versachlichen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-sach-li-chen
Grundformsachlich
Wortbildung mit ›versachlichen‹ als Erstglied: ↗Versachlichung
eWDG, 1977

Bedeutung

etw. sachlich machen, frei machen von gefühlsmäßiger oder persönlichen Interessen dienender Beeinflussung oder entsprechendem Beiwerk
Beispiele:
die Redaktion verlangte vom Autor, dass er seine Darstellung stärker versachliche
abwertend er fürchtete, dass die fortschreitende Technisierung unser Leben zu sehr versachlicht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sache · sachlich · Sachlichkeit · versachlichen · sächlich · Sachbearbeiter · Sachwalter · Widersacher
Sache f. ‘Gegenstand, Ding, Angelegenheit, Aufgabe’, ahd. sahha (8. Jh.), mhd. sache ‘Rechtssache, Rechtsstreit, Angelegenheit, Ursache, Ding’, asächs. saka, auch ‘Gericht, Feindschaft, Schuld’, mnd. mnl. sāke, nl. zaak ‘Sache, Angelegenheit, Handlung, Geschäft’, afries. seke, sake, aengl. sacu ‘Verfolgung, Streit, Krieg, Prozeß’, engl. sake ‘Ursache, Grund’, anord. sǫk ‘Rechtshandel, Klage, Grund, Veranlassung’, schwed. sak ‘Ding, Rechtsangelegenheit’ (germ. *sakō) sowie (mit anderer Stammform) got. sakjō ‘Streit’ (germ. *sakjōn-), ahd. seck(e)a (8. Jh.), aengl. sæcc ‘Streit’ (germ. *sakjō) sind Bildungen zu einem in ahd. sahhan ‘streiten, prozessieren, schelten’ (8. Jh.), asächs. sakan, aengl. sacan ‘streiten, klagen, leugnen’, got. sakan ‘streiten, schelten, Vorwürfe machen’ bezeugten starken Verb, das in den germ. Sprachen bald (bis auf wenige Reste) untergegangen ist. In dem ursprünglichen Sinne von ‘Rechtsangelegenheit, Rechtsstreit vor Gericht’ ist Sache mit seinen Verwandten ein altes Wort der Rechtssprache, dessen Bedeutung sich (wie bei ↗Ding, s. d.) mehr und mehr verallgemeinert. Es steht schwundstufig neben griech. hēgé͞isthai (ἡγεῖσθαι) ‘vorangehen, führen’, dann auch ‘meinen, glauben’, lat. sāgīre ‘spüren, wittern’, sāgus ‘wahrsagend, prophetisch’, air. saigim ‘suche, gehe einer Sache nach’ und gehört mit diesen zu der auch für ↗suchen (s. d.) geltenden Wurzel ie. *sāg-, *səg- ‘(witternd) nachspüren’, so daß für das oben genannte starke Verb eine Bedeutungsentwicklung von ‘witternd suchen, nachspüren’ über ‘eine Spur, einen Täter verfolgen’ zu ‘vor Gericht klagen, prozessieren’ anzunehmen ist. Dazu formelhafte Wendungen wie in Sachen (‘in der Rechtsangelegenheit’) X gegen Y (16. Jh.), allgemeiner in Sachen (X) ‘betreffs, bezüglich’ (17. Jh.); in eigener Sache ‘in einer persönlichen Angelegenheit’, Richter in eigener Sache (eigentlich ‘Rechtsangelegenheit’) sein (17. Jh.); gemeinsame Sache mit jmdm. machen ‘mit jmdm. zusammen etw. (Fragwürdiges) unternehmen’ (18. Jh.); das ist Sache (‘Angelegenheit, Aufgabe’) des X (18. Jh.); nichts, etw. zur Sache tun ‘(keinen) Einfluß haben’ (17. Jh.); zur Sache! ‘ohne Umschweife zum Wesentlichen!’ (18. Jh.); seine sieben Sachen ‘alles, was man (nötig) hat’ (19. Jh.; s. auch ↗Siebensachen). sachlich Adj. ‘von der Sache her, in der Sache begründet, objektiv, ohne Vorurteile’ (17. Jh.); zuvor (vereinzelt und ohne Nachfolge) für den grammatischen Ausdruck spätlat. causālis ‘den Grund angebend’ (z. B. coniunctio causālis) in dt. Übersetzungen des Donat (um 1400). Sachlichkeit f. ‘Nüchternheit in der Betrachtungsweise, Objektivität’ (19. Jh.); Neue Sachlichkeit (G. Hartlaub 1923) Stilrichtung in der Kunst mit dem Bestreben einer objektiven Wiedergabe der Realität. versachlichen Vb. ‘vergegenständlichen, in klarer, nüchterner Form darstellen’ (20. Jh.). sächlich Adj. ‘neutrales Genus aufweisend’, dt. Ausdruck für ↗neutral (s. d.) bzw. für lat. neutrum (18. Jh.). Sachbearbeiter m. ‘Angestellter für einen bestimmten abgegrenzten Arbeitsbereich’ (20. Jh.). Sachwalter m. ‘Anwalt, Verteidiger in Rechtsangelegenheiten’, spätmhd. sachwalter. Widersacher m. ‘Gegner, Feind’, spätmhd. widersacher ‘Gegner in einem Rechtshandel, Angeklagter, Gegner, Feind’ (14. Jh.), als Wort der Bibel in seiner Gebrauchshäufigkeit gefördert; vgl. älteres, zum Verb ahd. sahhan (s. oben) gebildetes ahd. widarsahho (9. Jh.), mhd. widersache, frühnhd. Widersache ‘Gegner im Rechtshandel’ (bis 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
auf den Boden der Tatsachen zurückholen · ↗entemotionalisieren · ↗entmystifizieren · ↗entmythologisieren · ↗objektivieren · ↗profanisieren · versachlichen
Assoziationen
  • (den) Schleier lüften · (ein) Geheimnis lüften · (etwas) ans Licht bringen · (etwas) ans Tageslicht bringen · (etwas) zum Vorschein bringen · ↗aufdecken · ↗enthüllen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auseinandersetzung Beziehung Debatte Dialog Diskussion Klima allmählich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›versachlichen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich hoffe, dass es noch gelingen wird, die Diskussion zu versachlichen.
Süddeutsche Zeitung, 05.03.2002
Gleich in den ersten Tagen des neuen Jahres haben wir eindrucksvoll erfahren, wie schwierig es ist, die wirtschaftspolitische Diskussion zu versachlichen.
Die Zeit, 18.01.1965, Nr. 03
In jedem größeren B. besteht die Tendenz, den Prozeß der Entscheidungsbildung und der Weisungsübermittlung zu versachlichen.
Karrenberg, F.: Betrieb. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 3728
Er zeigt eine umfassende, wesensbestimmende Unfähigkeit, Denkvollzüge zu profilieren und Problemlagen zu versachlichen.
Werner, Reiner: Das verhaltensgestörte Kind, Berlin: Dt. Verl. d. Wiss. 1973 [1967], S. 76
Am Leitfaden der Sprache gliedert und versachlicht sich das Gefüge, die in ihm gegebenen Antriebe und Bedürfnisse ebenso wie die ihrer Befriedigung dienenden Aktionen.
Plessner, Helmuth: Conditio Humana. In: Mann, Golo u. a. (Hgg.) Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 150
Zitationshilfe
„versachlichen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/versachlichen>, abgerufen am 22.10.2019.

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