verschießen

GrammatikVerb · verschießt, verschoss, hat verschossen
Aussprache
Worttrennungver-schie-ßen (computergeneriert)
Wortzerlegungver-schießen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
ein Geschoss abfeuern, abschießen
Beispiele:
die Truppe verfügt über Raketenträger, die ferngelenkte Raketen verschießen können
einen Bolzen, den Pfeil, Speer verschießen
daß es Projektile aus österreichischen Fabriken waren, die gegen uns hier verschossen wurden [Kisch1,275]
2.
Munition, Geschosse durch Schießen verbrauchen
Beispiele:
er hatte nach kurzer Zeit die ganze Munition verschossen
jeder hatte 20 Patronen zum Verschießen bekommen
an diesem Tag wurde keine Granate verschossen
nicht verschossene Patronen müssen zurückgegeben werden
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlicher hat sein ganzes Pulver verschossen
3.
danebenschießen, vorbeischießen
Beispiel:
er hatte (sich) beim Übungsschießen dreimal verschossen
Fußball den Ball am Tor vorbeischießen, nicht ins Tor treffen
Beispiel:
der Mittelstürmer hatte den Strafstoß, Elfmeter verschossen
4.
salopp sich (in jmdn.) verschießensich heftig in jmdn. verlieben
Beispiele:
er hatte sich Hals über Kopf in sie verschossen
in jmdn. verschossen (= heftig verliebt) sein
bis über beide Ohren verschossen sein
Ich bin doch kein Backfisch, der sich verschossen hat [MusilMann483]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schießen · vorschießen · Vorschuß · verschießen · zuschießen · Zuschuß · Schuß · Abschuß · abschüssig · Schießprügel
schießen Vb. ‘ein Geschoß abfeuern, sich schnell in einer Richtung bewegen, schnell wachsen’. Das gemeingerm. Verb ahd. skioʒan ‘schießen, schleudern, schnell bewegen’ (9. Jh.), mhd. schieʒen ‘wund- oder totschießen, schieben, stoßen, schleudern, sich schnell wie ein Geschoß bewegen’, asächs. skiotan, mnd. schēten, mnl. scieten, nl. schieten, afries. skiāta, aengl. scēotan, engl. to shoot, anord. skjōta, schwed. skjuta (germ. *skeutan). Herkunft ungewiß. Vielleicht im Sinne von ‘(sich) schnell bewegen’ verwandt mit aind. cṓdati ‘treibt an, feuert an’, lett. kūdināt, kūdīt ‘antreiben, hetzen’, aslaw. iskydati ‘hinaus-, abwerfen’, russ. kidát’ (кидать) ‘werfen’, ferner mit lit. skudrùs ‘flink’. Auszugehen ist von ie. *(s)keud- ‘werfen, schießen, hetzen’, intransitiv ‘dahinschießen, eilen, hervorschießen’, einer Dentalerweiterung der Wurzel ie. *skē̌u- ‘werfen, schießen, stoßen’ (s. auch ↗scheu, ↗schieben, ↗Schoß) bzw. *sk̑ē̌u-, falls auch lit. šáuti ‘schießen, schnell laufen, schieben’ hierhergehört. vorschießen Vb. ‘sich heftig, schnell nach vorn bewegen, plötzlich hervorsprießen’, ahd. furiskioʒan ‘hervor-, über etw. hinauswachsen’ (um 1000), mhd. vürschieʒen ‘vorschieben, hervortreten’; dann auch ‘einen Teil einer Zahlung sofort, im voraus aushändigen, leihen’ (16. Jh.); Vorschuß m. ‘Vorauszahlung’ (17. Jh.), ‘plötzliche Bewegung nach vorn’ (16. Jh.). verschießen Vb. ‘ein Geschoß abfeuern, daneben schießen’ (16. Jh.), übertragen (reflexiv) ‘sich plötzlich und unüberlegt verlieben’ (um 1800). zuschießen Vb. ‘helfend beisteuern, auf ein Ziel hin schießen’ (16. Jh.); Zuschuß m. ‘finanzielle Zuwendung’ (18. Jh.), frühnhd. ‘Hilfe, Begünstigung’; vgl. mhd. zuoschuʒ ‘Stoßflug (des Falken)’. Schuß m. ‘das Fortschleudern, Fortfliegen eines Geschosses, das Abfeuern einer Waffe, Knall, schnelle Bewegung, schnelles Wachstum, kleine Menge einer Flüssigkeit, die auf einmal zugegeben wird’, ahd. scuʒ ‘das Schleudern, Wurf, das Geworfene, Geschwindigkeit’ (9. Jh.), mhd. schuʒ ‘Stoß, Stich, Schuß, Lanzenwurf, schnelle Bewegung’, aengl. scyte, ablautende Abstraktbildung zum Verb. Abschuß m. ‘das Absenden, Abfeuern eines Geschosses, das Niederstürzen des Wassers, Abhang, Steilabfall’ (16. Jh.), ‘das Erlegen des Wildes’ (19. Jh.); abschüssig Adj. ‘steil abfallend’ (16. Jh.). Schießprügel m. verächtlich oder scherzhaft für ‘Gewehr’ (18. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

EM-Halbfinale Elfer Elfmeter Elfmeterschießen Foul-Elfmeter Foulelfer Foulelfmeter Foulstrafstoß Giftpfeil Granate Handelfmeter Munition Nachspielzeit Patrone Penalty Pfeil Plastikkugel Plastikkugeln Platzpatrone Pulver Siebenmeter Sommersprossen Sprengkopf Strafstoß Taser Truppenübungsplatz Tränengas Uran-Munition Uranmunition Übungsplatz

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verschießen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da stolziert er über den Platz, und dann verschießt er.
Der Tagesspiegel, 17.11.2001
Einzig die deutschen Philosophen scheinen ihr Pulver bereits in den vergangenen Jahrhunderten verschossen zu haben.
Die Zeit, 06.05.1996, Nr. 19
Flicken konnte man sie nicht, weil das Rot schon etwas verschossen war.
Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg - Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1930], S. 626
Denn statt »verknallt« kann man auch »verschossen« sagen, quasi wie bei einer Patrone, die nicht mehr verwendet werden kann.
Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 80
Man sagt, wenn das Herz von Amors Pfeil getroffen ist, höchst unlogisch, daß man verschossen sei.
Stettenheim, Julius: Der moderne Knigge. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1902], S. 19494
Zitationshilfe
„verschießen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verschießen#1>, abgerufen am 09.12.2019.

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verschießen

GrammatikVerb · verschießt, verschoß, ist verschossen
Aussprache
Worttrennungver-schie-ßen (computergeneriert)
eWDG, 1977

Bedeutung

umgangssprachlich etw. verschießtetw. verbleicht, verliert seine Farbe, Färbung
Beispiel:
diese Farben verschießen an der Sonne besonders schnell
Grammatik: meist im Part. Prät.
Beispiele:
ein verschossenes Kleid
das verschossene Blau ihrer Bluse
die Vorhänge sind völlig verschossen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schießen · vorschießen · Vorschuß · verschießen · zuschießen · Zuschuß · Schuß · Abschuß · abschüssig · Schießprügel
schießen Vb. ‘ein Geschoß abfeuern, sich schnell in einer Richtung bewegen, schnell wachsen’. Das gemeingerm. Verb ahd. skioʒan ‘schießen, schleudern, schnell bewegen’ (9. Jh.), mhd. schieʒen ‘wund- oder totschießen, schieben, stoßen, schleudern, sich schnell wie ein Geschoß bewegen’, asächs. skiotan, mnd. schēten, mnl. scieten, nl. schieten, afries. skiāta, aengl. scēotan, engl. to shoot, anord. skjōta, schwed. skjuta (germ. *skeutan). Herkunft ungewiß. Vielleicht im Sinne von ‘(sich) schnell bewegen’ verwandt mit aind. cṓdati ‘treibt an, feuert an’, lett. kūdināt, kūdīt ‘antreiben, hetzen’, aslaw. iskydati ‘hinaus-, abwerfen’, russ. kidát’ (кидать) ‘werfen’, ferner mit lit. skudrùs ‘flink’. Auszugehen ist von ie. *(s)keud- ‘werfen, schießen, hetzen’, intransitiv ‘dahinschießen, eilen, hervorschießen’, einer Dentalerweiterung der Wurzel ie. *skē̌u- ‘werfen, schießen, stoßen’ (s. auch ↗scheu, ↗schieben, ↗Schoß) bzw. *sk̑ē̌u-, falls auch lit. šáuti ‘schießen, schnell laufen, schieben’ hierhergehört. vorschießen Vb. ‘sich heftig, schnell nach vorn bewegen, plötzlich hervorsprießen’, ahd. furiskioʒan ‘hervor-, über etw. hinauswachsen’ (um 1000), mhd. vürschieʒen ‘vorschieben, hervortreten’; dann auch ‘einen Teil einer Zahlung sofort, im voraus aushändigen, leihen’ (16. Jh.); Vorschuß m. ‘Vorauszahlung’ (17. Jh.), ‘plötzliche Bewegung nach vorn’ (16. Jh.). verschießen Vb. ‘ein Geschoß abfeuern, daneben schießen’ (16. Jh.), übertragen (reflexiv) ‘sich plötzlich und unüberlegt verlieben’ (um 1800). zuschießen Vb. ‘helfend beisteuern, auf ein Ziel hin schießen’ (16. Jh.); Zuschuß m. ‘finanzielle Zuwendung’ (18. Jh.), frühnhd. ‘Hilfe, Begünstigung’; vgl. mhd. zuoschuʒ ‘Stoßflug (des Falken)’. Schuß m. ‘das Fortschleudern, Fortfliegen eines Geschosses, das Abfeuern einer Waffe, Knall, schnelle Bewegung, schnelles Wachstum, kleine Menge einer Flüssigkeit, die auf einmal zugegeben wird’, ahd. scuʒ ‘das Schleudern, Wurf, das Geworfene, Geschwindigkeit’ (9. Jh.), mhd. schuʒ ‘Stoß, Stich, Schuß, Lanzenwurf, schnelle Bewegung’, aengl. scyte, ablautende Abstraktbildung zum Verb. Abschuß m. ‘das Absenden, Abfeuern eines Geschosses, das Niederstürzen des Wassers, Abhang, Steilabfall’ (16. Jh.), ‘das Erlegen des Wildes’ (19. Jh.); abschüssig Adj. ‘steil abfallend’ (16. Jh.). Schießprügel m. verächtlich oder scherzhaft für ‘Gewehr’ (18. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

EM-Halbfinale Elfer Elfmeter Elfmeterschießen Foul-Elfmeter Foulelfer Foulelfmeter Foulstrafstoß Giftpfeil Granate Handelfmeter Munition Nachspielzeit Patrone Penalty Pfeil Plastikkugel Plastikkugeln Platzpatrone Pulver Siebenmeter Sommersprossen Sprengkopf Strafstoß Taser Truppenübungsplatz Tränengas Uran-Munition Uranmunition Übungsplatz

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verschießen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da stolziert er über den Platz, und dann verschießt er.
Der Tagesspiegel, 17.11.2001
Einzig die deutschen Philosophen scheinen ihr Pulver bereits in den vergangenen Jahrhunderten verschossen zu haben.
Die Zeit, 06.05.1996, Nr. 19
Flicken konnte man sie nicht, weil das Rot schon etwas verschossen war.
Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg - Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1930], S. 626
Denn statt »verknallt« kann man auch »verschossen« sagen, quasi wie bei einer Patrone, die nicht mehr verwendet werden kann.
Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 80
Man sagt, wenn das Herz von Amors Pfeil getroffen ist, höchst unlogisch, daß man verschossen sei.
Stettenheim, Julius: Der moderne Knigge. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1902], S. 19494
Zitationshilfe
„verschießen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verschießen#2>, abgerufen am 09.12.2019.

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