verschlüsseln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-schlüs-seln
Wortbildung mit ›verschlüsseln‹ als Erstglied: ↗Verschlüsselung · ↗Verschlüsslung
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
einen Text in eine besondere, für andere nicht verständliche sprachliche Form bringen
Gegenwort zu entschlüsseln
a)
einen Text in einen Kode, Schlüssel umsetzen, um seinen Inhalt geheim halten zu können
Beispiele:
einen Text verschlüsseln
etw. verschlüsselt formulieren
verschlüsselte Nachrichten
b)
in einem Text die Tatsachen so verschleiern, in der sprachlichen Aussage verbergen, dass sie nicht ohne weiteres erkannt, verstanden werden können
Beispiele:
der Autor hatte die Neigung, jede autobiographische Aussage zu verschlüsseln
Ich habe mir oft überlegt, warum man gewisse Dinge nur verschlüsselt oder verschleiert niederzuschreiben wagt [KaschnitzLange Schatten159]
2.
Informations- und Telekommunikationstechnik Daten, Informationen in eine Darstellungsform, einen Algorithmus umsetzen, um sie zur Bearbeitung, besonders durch die Lochkartentechnik, elektronische Datenverarbeitung oder für Nachrichtenübermittlung geeignet zu machen
Beispiele:
die Angaben werden nach einem bestimmten System, Kode verschlüsselt und in den Computer eingegeben
Krankengeschichten verschlüsseln
Messergebnisse mit Maschinen verschlüsseln
Daten in verschlüsselter Form versenden
Das Programm wird ihm [dem Rechenautomaten] ... auf Lochkarten, Lochstreifen, Magnetbändern, in 0-1-Signale verschlüsselt, eingegeben [Sibylle1968]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schlüssel · verschlüsseln · entschlüsseln · aufschlüsseln · Schlüsselbein · Schlüsselblume
Schlüssel m. ‘zu einem Schloß gehöriges und dadurch zum Sperren oder Öffnen dienendes Gerät’, auch ‘schlüsselartiges Drehwerkzeug’ (z. B. Schraubenschlüssel). Mit dem Suffix für Gerätebezeichnungen germ. -ila- gebildetes und nur kontinentalwestgerm. bezeugtes ahd. sluʒʒil (9. Jh.), mhd. slüʒʒel, asächs. slutil, mnd. slȫtel, slöttel, mnl. slotel, nl. sleutel, afries. sletel (westgerm. *slutila-) steht ablautend neben dem unter ↗schließen (s. d.) behandelten Verb. Schlüssel gilt vielfach schon seit mhd. Zeit als Zeichen und Symbol von (amtlicher) Würde, Gewalt, Dienstbarkeit und steht danach sinnbildlich für Macht. Ferner wird das Substantiv übertragen auf Handlungen und Verhaltensweisen, die Geneigtheit und Sympathie erwecken, also Zugang zu Vertrauen und Liebe (vgl. mhd. der slüʒʒel sīner minne) ermöglichen, und auf die innere Bereitschaft und Fähigkeit, die Gedanken, Pläne, Wissen erschließt (vgl. Schlüssel des Erkentnis Luther, nach spätlat. clāvis scientiae der Bibel). In erweitertem Sinne tritt es für Auffassung und Verständnis erschließende Zeichen bzw. Zeichensysteme ein, z. B. ‘Notenschlüssel’ (13. Jh.), ‘Zeichenkodex zur Entzifferung einer Geheimschrift, Erklärung für ein Geheimnis’ (18. Jh.). verschlüsseln Vb. ‘chiffrieren, in Geheimzeichen umsetzen’, entschlüsseln Vb. ‘dechiffrieren’, aufschlüsseln Vb. ‘nach einem bestimmten, vorgegebenen System aufgliedern’ (alle 20. Jh.). Schlüsselbein n. Bezeichnung des paarigen, vom oberen Brustbein zum Schulterblatt führenden Knochens (17. Jh.), eine Übersetzung von medizin.-lat. clāvīcula (lat. ‘Schlüsselchen’, spätlat. auch ‘Fessel am Pferdefuß’) bzw. clāvis iugulī, wohl nach griech. klé͞is (κλείς) ‘Schlüssel’ und ‘Schlüsselbein’, da griechische Ärzte die Bezeichnung für einen S-förmigen Schlüssel zum Öffnen von Schlössern mit Fallriegeln auf die Form des Knochens übertragen. Älter Schlüssel der Brust (um 1600). Schlüsselblume f. in ihrer Blütenform Schlüsseln ähnliche Primelart (15. Jh.); s. ↗Himmelschlüssel.

Thesaurus

Synonymgruppe
chiffrieren · ↗codieren · ↗encodieren · ↗enkodieren · verschlüsseln

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absender Bit Chip Code Datei Daten Datenaustausch Datensatz Datenstrom Datenverkehr Datenübertragung Datum Diagnose E-Mail Erbinformation Festplatte Funkspruch Funkverkehr Kommunikation Kundendaten Mail Paßwort Satellitenfernsehen Schlüssel anonymisieren authentifizieren computerlesbar entschlüsseln komprimieren signieren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verschlüsseln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um zu gewährleisten, dass nicht jemand anderes mit einem baugleichen Empfänger alles mitliest, was man schreibt, kann die Hardware die Übertragung verschlüsseln.
C't, 2001, Nr. 22
Noch besser wäre es, die Information nach dem Muster eines modernen Radios zu verschlüsseln.
Der Tagesspiegel, 08.07.2001
Das M. kann ferner dazu dienen, einen Satz oder einen Gedanken zu verschlüsseln.
o. A.: Lexikon der Kunst - M. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1992], S. 11934
Er hatte die Adressen seiner Kunden verschlüsselt und rückte den Code nicht raus.
P. M.: Peter Moosleitners interessantes Magazin, 1993, Nr. 10
Das Konversionssymptom bringt den zugrundeliegenden Triebwunsch symbolisch verschlüsselt zum Ausdruck.
Schulz, Wolfgang u. Gerhards, Friedemann: Psychosomatik. In: Asanger, Roland u. Wenninger, Gerd (Hgg.) Handwörterbuch Psychologie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1980], S. 28872
Zitationshilfe
„verschlüsseln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verschlüsseln>, abgerufen am 22.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Verschlussdeckel
Verschlussband
Verschluss-Stück
Verschluss-sicher
Verschluss-Sache
Verschlüsselung
Verschlüsselungstechnik
Verschlüsselungsverfahren
Verschlussfeder
Verschlußkappe