Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

verschleppen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ver-schlep-pen
Grundformschleppen
Wortbildung  mit ›verschleppen‹ als Erstglied: Verschleppung
eWDG

Bedeutungen

1.
etw., jmdn. irgendwohin bringen
a)
abwertend jmdn., etw. widerrechtlich, gewaltsam irgendwohin bringen
Beispiele:
Tausende von Antifaschisten wurden eingekerkert und in Konzentrationslager verschleppt
Österreichs Gold‑ und Devisenvorräte wurden nach Berlin verschleppt [ Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung10,199]
b)
etw. weiterverbreiten
Beispiele:
Ungeziefer kann Krankheitserreger verschleppen
der Erreger der Windpocken kann durch die Luft verschleppt werden
2.
etw. hinauszögern, verzögern, in die Länge ziehen
Beispiele:
der Anwalt versuchte, das Verfahren, den Prozess zu verschleppen
die Behandlung, Bearbeitung wichtiger Probleme verschleppen
Musikdie Tempi verschleppen
eine Krankheit verschleppeneine Krankheit nicht oder nicht rechtzeitig behandeln lassen und dadurch verschlimmern
Beispiel:
eine verschleppte Grippe, Rippenfellentzündung

Thesaurus

Synonymgruppe
entführen · kidnappen · verschleppen
Assoziationen
Synonymgruppe
(es) nicht eilig haben (mit) · (sich) endlos Zeit lassen (mit) · (zeitlich) nach hinten schieben · Zeit verstreichen lassen · auf den letzten Drücker erledigen · aufschieben · hinausschieben · retardieren · verdrängen · verschieben · verschleppen · verzögern · zurückhalten  ●  (etwas) auf Eis legen  fig. · (etwas) liegen lassen  fig. · (etwas) (sehr) ruhig angehen lassen  ugs. · auf die lange Bank schieben  ugs., fig. · hintanstellen  geh. · prokrastinieren  fachspr. · vor sich herschieben  ugs., fig., Hauptform
Assoziationen
  • Aufschiebeverhalten · Erledigungsblockade · Handlungsaufschub  ●  Aufschieberitis  ugs. · Procrastination  fachspr. · Prokrastination  fachspr.
  • (sich) gedulden · (sich) in Geduld fassen · (sich) in Geduld üben · abpassen · abwarten · ausdauern · ausharren · beharren · harren · zuwarten  ●  warten  Hauptform · nicht ungeduldig werden  ugs. · teufen  ugs., plattdeutsch, regional
  • (die Dinge) auf sich zukommen lassen · (einfach) abwarten · darauf warten, was kommt · keine vorschnelle(n) Entscheidung(en) treffen (wollen)  ●  Abwarten und Tee trinken.  Spruch · nicht übers Knie brechen (wollen)  fig. · Erst tun mer mal garnix, dann schau'n mer mal, und dann wer'n mer scho' seh'n.  ugs., scherzhaft, süddt., Spruch, variabel · abwarten!  ugs., variabel · der Dinge harren, die da kommen (werden / mögen / sollen)  geh., Redensart · ma kucken!  ugs., ruhrdt. · schau'n mer mal!  ugs., Spruch
  • auf unbestimmte Zeit · bis Ultimo · bis ultimo · bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag  ●  bis ans Ende aller Tage  fig., übertreibend · ad ultimo  geh., lat.
  • (abwarten bis) Gras über etwas gewachsen ist · aussitzen (wollen) · darauf spekulieren, dass etwas (mit der Zeit) vergessen wird  ●  Wenn du lange genug am Fluss sitzt, siehst du irgendwann die Leiche deines Feindes vorbeischwimmen.  sprichwörtlich, variabel · auf ein Wunder warten  fig. · hoffen, dass sich etwas von selbst erledigt  variabel
  • Frist (bis zu ...) verlängern · aussetzen · ruhen (lassen) · unterbrechen · vertagen · zurückstellen  ●  auf Eis legen  fig. · sistieren  geh., bildungssprachlich
  • (sich) die Zeit vertreiben · Zeit verbrennen · Zeit vergeuden · Zeit verschwenden · vertrödeln (Zeit) · vertun (seine Zeit) · vertändeln (Zeit)  ●  Zeit totschlagen  ugs.
  • (etwas) eilt nicht · (etwas) hat keine Eile · (etwas) kann warten · (sich) Zeit lassen können · es eilt nicht (mit)  ●  (etwas) hat Zeit  Hauptform · wozu die Eile!?!  auch ironisch · (etwas) läuft (jemandem) nicht weg  ugs., fig.
Synonymgruppe
(künstlich) hinauszögern · (künstlich) in die Länge ziehen · (sich / etwas) über die Zeit retten · Zeit gewinnen wollen · Zeit herausschinden · hinausziehen · versuchen, Zeit zu gewinnen  ●  Zeit schinden  negativ · auf Zeit spielen  fig. · verschleppen (Prozess; Reformen)  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›verschleppen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verschleppen‹.

Verwendungsbeispiele für ›verschleppen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir haben den besten Willen, nichts zu verschleppen; das können Sie ohne weiteres unterstellen. [o. A.: Achtundachtzigster Tag. Freitag, 22. März 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 15947]
Ein Jahr danach leben in dem Lager immer noch 19000 verschleppte Personen. [o. A.: 1946. In: Overresch, Manfred u. Saal, Friedrich Wilhelm (Hgg.) Deutsche Geschichte von Tag zu Tag 1918-1949, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1986], S. 6546]
Während er im Amt war, konnte er Prozesse gegen sich verschleppen. [Die Zeit, 07.03.2013, Nr. 11]
Die beiden Touristen waren im vergangenen Juli im Südwesten des Landes verschleppt worden. [Die Zeit, 15.03.2012 (online)]
Prohibitiv teuer sind sie nicht, doch die Industrie verschleppt das Problem. [Die Zeit, 05.02.2004, Nr. 07]
Zitationshilfe
„verschleppen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verschleppen>.

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