verschleppen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-schlep-pen (computergeneriert)
Grundformschleppen
Wortbildung mit ›verschleppen‹ als Erstglied: ↗Verschleppung
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw., jmdn. irgendwohin bringen
a)
abwertend jmdn., etw. widerrechtlich, gewaltsam irgendwohin bringen
Beispiele:
Tausende von Antifaschisten wurden eingekerkert und in Konzentrationslager verschleppt
Österreichs Gold- und Devisenvorräte wurden nach Berlin verschleppt [Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung10,199]
b)
etw. weiterverbreiten
Beispiele:
Ungeziefer kann Krankheitserreger verschleppen
der Erreger der Windpocken kann durch die Luft verschleppt werden
2.
etw. hinauszögern, verzögern, in die Länge ziehen
Beispiele:
der Anwalt versuchte, das Verfahren, den Prozess zu verschleppen
die Behandlung, Bearbeitung wichtiger Probleme verschleppen
Musikdie Tempi verschleppen
eine Krankheit verschleppeneine Krankheit nicht oder nicht rechtzeitig behandeln lassen und dadurch verschlimmern
Beispiel:
eine verschleppte Grippe, Rippenfellentzündung

Thesaurus

Synonymgruppe
entführen · ↗kidnappen · verschleppen
Assoziationen
Synonymgruppe
(es) nicht eilig haben (mit) · (zeitlich) nach hinten schieben · Zeit verstreichen lassen · auf den letzten Drücker erledigen · ↗aufschieben · ↗hinausschieben · ↗retardieren · ↗verdrängen · ↗verschieben · verschleppen · ↗verzögern · ↗zurückhalten  ●  (etwas) auf Eis legen  fig. · ↗(etwas) liegen lassen  fig. · (etwas) (sehr) ruhig angehen lassen  ugs. · auf die lange Bank schieben  ugs., fig. · ↗hintanstellen  geh. · ↗prokrastinieren  fachspr. · vor sich herschieben  ugs., fig., Hauptform
Assoziationen
  • Aufschiebeverhalten · Erledigungsblockade · Handlungsaufschub  ●  ↗Aufschieberitis  ugs. · Procrastination  fachspr. · ↗Prokrastination  fachspr.
  • (sich) gedulden · (sich) in Geduld fassen · (sich) in Geduld üben · ↗abpassen · ↗abwarten · ↗ausdauern · ↗ausharren · ↗beharren · ↗harren · ↗zuwarten  ●  ↗warten  Hauptform · nicht ungeduldig werden  ugs. · ↗teufen  ugs., plattdeutsch, regional
  • (die Dinge) auf sich zukommen lassen · ↗(einfach) abwarten · keine vorschnelle(n) Entscheidung(en) treffen (wollen)  ●  Abwarten und Tee trinken.  Spruch · nicht übers Knie brechen (wollen)  fig. · Erst tun mer mal garnix, dann schau'n mer mal, und dann wer'n mer scho' seh'n.  ugs., scherzhaft, süddt., Spruch, variabel · abwarten!  ugs., variabel · der Dinge harren, die da kommen (werden / mögen / sollen)  geh., Redensart · ma kucken!  ugs., ruhrdt. · schau'n mer mal!  ugs., Spruch
  • auf unbestimmte Zeit · bis Ultimo · bis ultimo · bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag  ●  ad ultimo  geh., lat.
  • (abwarten bis) Gras über etwas gewachsen ist · ↗aussitzen (wollen) · darauf spekulieren, dass etwas (mit der Zeit) vergessen wird  ●  Wenn du lange genug am Fluss sitzt, siehst du irgendwann die Leiche deines Feindes vorbeischwimmen.  sprichwörtlich, variabel · hoffen, dass sich etwas von selbst erledigt  variabel
  • Frist (bis zu ...) verlängern · ↗aussetzen · ↗ruhen (lassen) · ↗unterbrechen · ↗vertagen · ↗zurückstellen
  • (sich) die Zeit vertreiben · Zeit verschwenden · ↗vertrödeln (Zeit) · ↗vertun (seine Zeit) · ↗vertändeln (Zeit)  ●  Zeit totschlagen  ugs.
  • (etwas) eilt nicht · (etwas) hat keine Eile · (etwas) kann warten · es eilt nicht (mit)  ●  (etwas) hat Zeit  Hauptform · (etwas) läuft (jemandem) nicht weg  ugs., fig.
  • (sich) (endlos) in die Länge ziehen · ↗(sich) hinschleppen · ↗(sich) hinziehen · kein Ende finden · kein Ende nehmen · nicht zum Ende kommen  ●  (sich) ziehen wie ein Kaugummi  ugs.
  • (künstlich) hinauszögern · Zeit gewinnen wollen · Zeit herausschinden · versuchen, Zeit zu gewinnen  ●  Zeit schinden  negativ · auf Zeit spielen  fig.
  • (sich) Zeit nehmen · keine Eile haben (mit)  ●  (sich) Zeit lassen  Hauptform · (sich) nicht überschlagen  ugs. · eine ruhige Kugel schieben  ugs., Redensart · es ruhig angehen lassen  ugs., Hauptform
  • auf einen späteren Termin (ver)legen · auf später verschieben · auf später vertagen · nach hinten schieben · nach hinten verlegen · ↗verschieben · ↗zurückstellen (bis zum)  ●  ↗schieben  ugs., salopp, Jargon
  • bummelig · herumtrödelnd · ohne Eile · ↗saumselig
  • Schaffenskrise · ↗Schreibblockade · unproduktive Phase
  • bummelig  ugs. · ↗herumtrödeln(d)  ugs. · ↗saumselig  geh., veraltend · ↗säumig  geh. · trödelig  ugs. · verbummelt  ugs.
  • (leicht) über der Zeit · nicht fahrplangemäß · später als vorgesehen · ↗säumig · ↗unpünktlich · verspätet · zu spät · ↗überfällig

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeitslager Entführer Geisel KZ Kidnapper Konzentrationslager Nationalsozialist Nazi Ostersonntag Rebell Sklave Unbekannte Vernichtungslager Zwangsarbeit Zwangsarbeiter betäuben entführen erdrosseln ermorden foltern freilassen gefangenhalten kidnappen mißbrauchen mißhandeln umbringen vergewaltigen verhaften zerren überfallen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verschleppen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vier Jahre zuvor hatte B. bereits ein anderes Mädchen (10) verschleppt.
Bild, 17.10.2001
Gab es politische Einflussnahme mit dem Ziel, die Untersuchungen zu verschleppen?
Der Tagesspiegel, 11.05.2000
Ein Jahr danach leben in dem Lager immer noch 19000 verschleppte Personen.
o. A.: 1946. In: Overresch, Manfred u. Saal, Friedrich Wilhelm (Hgg.) Deutsche Geschichte von Tag zu Tag 1918-1949, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1986], S. 6546
Wir haben den besten Willen, nichts zu verschleppen; das können Sie ohne weiteres unterstellen.
o. A.: Achtundachtzigster Tag. Freitag, 22. März 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 15947
Zitationshilfe
„verschleppen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verschleppen>, abgerufen am 17.11.2019.

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