verschneiden

Grammatik Verb · verschneidet, verschnitt, hat verschnitten
Aussprache 
Worttrennung ver-schnei-den
Wortzerlegung  ver- schneiden
Wortbildung  mit ›verschneiden‹ als Erstglied: Verschneidung  ·  mit ›verschneiden‹ als Grundform: Verschnitt
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. durch Schneiden formen, herstellen, etw. zurechtschneiden
Beispiele:
ich muss die Bretter für meinen Hühnerstall noch verschneiden
eine Hecke, die Zierbüsche verschneiden (= beschneiden, stutzen)
2.
etw. durch falsches Schneiden verderben
Beispiel:
der Schneider hat den Anzug völlig verschnitten
3.
ein Tier kastrieren
Beispiel:
Schweine, einen Bullen verschneiden
4.
alkoholische Getränke miteinander vermischen, um einen besseren Geschmack zu erzielen oder um sie durch Zusatz von billigeren Sorten preiswerter zu machen
Beispiel:
Bier, Branntwein verschneiden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schneiden · Schneid · schneidig · Schneide · zweischneidig · Schneider · schneidern · abschneiden · Abschnitt · anschneiden · Aufschnitt · beschneiden · durchschneiden · überschneiden · verschneiden · Verschnittener · Verschnitt · Schneidezahn
schneiden Vb. ‘mit einem scharfen Werkzeug zertrennen’, ahd. snīdan (8./9. Jh.), mhd. mnd. snīden, asächs. snīðan, mnl. snīden, nl. snijden, afries. snītha, aengl. snīþan, anord. snīða, schwed. snida, got. sneiþan (germ. *snīþan). Außergerm. werden herangezogen tschech. (mundartlich) snět ‘Ast’, poln. (älter) śniat ‘Baumstamm’, so daß eine Wurzel ie. *sneit- ‘schneiden’ angenommen werden kann, dazu vielleicht (mit abweichendem Dental) mir. snēid ‘klein, kurz’. Angesichts dieser geringen Vergleichsmöglichkeiten aber ist erwägenswert, auch schneiden zu der lautmalenden, etw. Spitzes, etw. Zupackendes, Schnappendes bezeichnenden Wortgruppe mit anlautendem germ. sn- (s. Schnabel) zu rechnen. schneiden ist ursprünglich wohl ein Landwirtschaftswort und bedeutet in alter Zeit ‘mit der Sichel abmähen, ernten’, vgl. noch heute Gras, Getreide, Korn schneiden. In übertragener Wendung jmdn. schneiden ‘gesellschaftlich ignorieren’ (Mitte 19. Jh.) nach gleichbed. engl. to cut (a person); in der Mathematik sich schneiden (von zwei Linien) ‘sich in einem Punkt kreuzen’ (16. Jh.). Schneid m. (bair.-öst. f.) ‘Mut, Tapferkeit, Draufgängertum’ (18. Jh.), besonders in Wendungen wie (keinen) Schneid haben; eigentlich südd. (mit Apokope eines auslautenden unbetonten e), im Krieg von 1870/71 durch norddeutsche Truppen als Mask. aufgenommen und verbreitet. schneidig Adj. ‘forsch, mutig’ (2. Hälfte 19. Jh.), älter nd. een sneidigen Kopp ‘Kopf mit hellem, scharfem Verstand’, een sneidigen (‘schnellen, energischen’) Gang (18. Jh.), mhd. snīdec, snīdic ‘schneidend, scharf, stark, kräftig’. Schneide f. ‘scharfe, schneidende Kante von Waffen, Werkzeugen, Geräten’, mhd. snīde. zweischneidig Adj. ‘mit zwei Schneiden versehen’ (15. Jh.), daher auch ‘sehr scharf’, übertragen ‘mit Vorteilen und Nachteilen versehen’ (da nach zwei Seiten schneidend), ‘gefährlich’ (17. Jh.). Schneider m. ‘Handwerker, der Kleidung anfertigt’ (eigentlich ‘Stoff, Tuch für Kleidung zuschneidet’), mhd. snīdære. schneidern Vb. ‘Kleidung nähen, anfertigen’ (17. Jh.). abschneiden Vb. ‘mit einem Schneidwerkzeug abtrennen, durchtrennen, den Weg ab-, verkürzen, den Zugang verwehren, verhindern’, ahd. abasnīdan (9. Jh.), mhd. abesnīden. Vgl. gut, schlecht abschneiden ‘mit gutem, schlechtem Ergebnis abschließen, Erfolg bzw. keinen Erfolg haben’ (Mitte 19. Jh.). Abschnitt m. ‘Gliederungseinheit, Textteil, Zeitraum, Zäsur, abtrennbares, abgetrenntes Stück’, mhd. abesnit. anschneiden Vb. ‘nicht völlig durchschneiden, das erste Stück abschneiden’ (das Brot anschneiden, übertragen eine Frage, ein Problem anschneiden ‘eine Aussprache darüber beginnen’), mhd. anesnīden ‘(ein Kleid) anmessen, zurechtmachen’. Aufschnitt m. ‘Braten- und Wurstscheiben’ (19. Jh.), zuvor ‘Schnittstelle’ (18. Jh.), ‘Prahlerei’ (17. Jh.), frühnhd. ūfsnit ‘das Anschneiden’ (15. Jh.). beschneiden Vb. ‘stutzen, zurückschneiden, glattschneiden, die Vorhaut entfernen’, ahd. bisnīdan (8. Jh.), mhd. besnīden. durchschneiden Vb. ‘mit einem Schneidwerkzeug zerteilen’, mhd. durchsnīden ‘zerschneiden, verwunden, zerteilen’ (s. Durchschnitt). überschneiden Vb. (reflexiv) ‘sich kreuzen, teilweise zusammenfallen’ (19. Jh.), zuvor mhd. übersnīden ‘beim Schneiden der Feldfrüchte auf den Grund und Boden eines anderen übergreifen, übertreffen’. verschneiden Vb. ‘kürzen, zurechtschneiden, durch Schneiden verderben’, ahd. firsnīdan ‘weg-, abschneiden, zerschneiden’ (8. Jh.), mhd. versnīden ‘zerschneiden, fehlerhaft zuschneiden, ab-, wegschneiden, beschneiden, kastrieren, verwunden, töten, schmälern’. Verschnittener m. ‘Kastrat, Eunuch’ (16. Jh.). Verschnitt m. ‘Wein, Branntwein, Rum mit Beimischungen anderer Sorten’ (um 1900); vgl. verschneiden übertragen ‘schädigen, verderben, verschlechtern’, daher auch ‘guten Wein mit schlechtem versetzen’, in diesem Sinne zuerst (18. Jh.) nd. versnīden (als Praktik der Weinimporteure?). Schneidezahn m. fast nur im Plur. Schneidezähne ‘die vorderen, scharfen Zähne, mit denen abgebissen wird’ (18. Jh.), wohl Übersetzung von medizin.-lat. dentes incisivi, Neubildung zur Unterscheidung gegenüber älterem Backzahn, Backenzahn, Stockzahn (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
anrühren · durcheinanderwürfeln · durchmengen · durchmischen · durchrühren · einrühren · konfundieren · mischen · mixen · untermischen · vermengen · vermischen · vermixen · verquicken · verquirlen · verrühren · verschneiden  ●  unterbuttern  auch figurativ · panschen  ugs. · pantschen  ugs. · vermanschen  ugs. · verwursten  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
panschen · pantschen · untermischen · vermischen (mit) · verpanschen · verpantschen · verschneiden · versetzen mit · zusammenpanschen · zusammenpantschen · zusammenschütten
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›verschneiden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verschneiden‹.

Verwendungsbeispiele für ›verschneiden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ab und zu verschneide ich mich auch heute noch, aber mich stört das längst nicht mehr.
Süddeutsche Zeitung, 30.03.2001
Sofern sie andere Wände berührt, wird sie automatisch mit diesen verschnitten.
C't, 2000, Nr. 21
Bei verschnittenen Weinen darf aber außer »deutsch« keine andere geographische Bezeichnung auf dem Etikett stehen.
o. A.: Die grosse Welt der Getränke, Hamburg: Tschibo Frisch-Röst-Kaffee Max Herz 1977, S. 157
Das verschnittene, blonde Haar steht wie ein Pinsel struppig ab.
Goote, Thor [d.i. Langsdorff, Werner von]: Die Fahne Hoch!, Berlin: Zeitgeschichte-Verlag 1933 [1933], S. 319
Als ich aber hörte, daß solche Weltstadtkatzen verschnitten sind, mochte ich sie nicht mehr streicheln.
Katz, Richard: Übern Gartenhag, München u. Zürich: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. 1965, S. 110
Zitationshilfe
„verschneiden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verschneiden>, abgerufen am 27.11.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Verschnaufpause
verschnaufen
verschnarcht
verschnarchen
verschnappen
Verschneidung
verschneien
verschneit
verschnellern
verschnippeln