verschollen

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungver-schol-len (computergeneriert)
Grundformverschallen
Wortbildung mit ›verschollen‹ als Grundform: ↗Verschollenheit
eWDG, 1977

Bedeutung

jmd., eine Sache ist verschollenüber jmds. Aufenthalt und Befinden, vom Verbleib einer Sache ist seit langer Zeit nichts bekannt
entsprechend der Bedeutung von verschallen (Lesart 2)
Beispiele:
er war im letzten Krieg verschollen
das Schiff, Flugzeug ist verschollen
die Expedition ist im Urwald verschollen
sein ältester Sohn galt seit Langem als verschollen
das Manuskript war, blieb seit über 100 Jahren verschollen und ist jetzt wieder aufgefunden worden
sie hatte lange um ihren verschollenen Vater getrauert
er zitierte gern aus längst verschollenen (= alten, vergessenen) Schriften
es war ein Ladenhüter, verschollene (= überholte, überlebte) Mode [HesseSteppenw.4,335]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

verschollen Part.adj. ‘seit längerer Zeit mit unbekanntem Aufenthalt und ohne Lebenszeichen abwesend, unauffindbar, für tot, verloren gehalten’, seit dem 19. Jh. bezeugter Ausdruck des Rechtswesens; zuvor ‘längst vergangen’ (18. Jh.). Auszugehen ist von dem heute wenig gebräuchlichen Verb verschallen ‘aufhören zu schallen, verklingen’ (zu ↗schallen, s. d.), dessen Part. Prät. teilweise die starke Flexion von mhd. frühnhd. schellen ‘tönen, schallen, klingen’, ahd. skellan (s. ↗Schelle) bewahrt hat. verschollen, eigentlich ‘verklungen, verhallt’, dürfte als junger euphemistischer Ausdruck für ‘verschwunden, unverbürgt mit Tode abgegangen’ eingetreten sein.

Thesaurus

Synonymgruppe
entschwunden · ↗fort · hat sich verflüchtigt · nicht auffindbar · nicht aufzufinden · nicht zu finden · spurlos verschwunden · ↗unauffindbar · ↗verloren · verloren gegangen · vermisst (werden) · verschollen · verschwunden · vom Winde verweht · von jemandem fehlt jede Spur  ●  ↗weg  Hauptform · (sich) in Luft aufgelöst haben  ugs. · abhanden gekommen  ugs. · ↗dahin  geh. · ↗flöten  ugs. · flöten gegangen  ugs. · ↗futsch  ugs. · futschikato  ugs., scherzhaft · ↗hops  ugs. · ↗perdu  ugs., franz. · ↗sonst wo  ugs. · verschütt gegangen  ugs. · von Windows verweht  ugs., scherzhaft · wie vom Erdboden verschluckt  ugs. · wie weggeblasen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
verschollen (Person) · wird vermisst (Person)
Assoziationen
  • (jemandes) Aufenthaltsort ist unbekannt · mit unbekanntem Ziel abgereist
  • abgehauen · ↗abwesend · auf der Flucht · auf und davon · ausgerissen · durchgebrannt · ↗entflohen · ↗entkommen · ↗flüchtig · ↗fort · geflohen · geflüchtet · hat sich abgesetzt · hat sich der Strafverfolgung entzogen · nicht da · weggelaufen  ●  ↗abgängig  Amtsdeutsch · ↗absent  veraltet · ausgeflogen  fig. · (und) ward nicht mehr gesehen (pseudo-literarisch)  geh., Spruch, scherzhaft · ausgebüxt  ugs. · entfleucht  geh., altertümelnd, scherzhaft · getürmt  ugs., Jargon · nicht mehr da  ugs. · stiften gegangen  ugs., regional · ↗weg (= fortgelaufen, weggefahren)  ugs., Hauptform · über alle Berge  ugs., fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Autograph Bergsteiger Bernsteinzimmer Frühwerk Gemälde Kontoinhaber Kulturgut Kunstgut Kunstschatz Kunstwerk Liebende Manuskript Meisterwerk Original Partitur Rubens-Gemälde Schatz Stiller Stummfilm Zwick-Erbe ausgestorben dato geglaubt größtenteils lange längst seitdem seither verbracht vergessen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verschollen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch der galt über ein halbes Jahrhundert lang als verschollen.
Der Tagesspiegel, 03.07.2000
Die Suche nach dem verschollenen Original geht Hand in Hand mit der Suche nach dem verschollenen Autor.
Süddeutsche Zeitung, 22.04.1995
Aber die Opern, die er wohl in diesen Jahren geschrieben hat, sind verschollen.
Mondolfi, Anna: Logroscino. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1960], S. 36000
Als er wieder sichtbar wurde, war sein Sang schon verschollen.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 390
Seine Werke (darunter auch eine Oper) sind indessen längst verschollen.
Richter, Alfred: Aus Leipzigs musikalischer Glanzzeit, Erinnerungen eines Musikers. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 43871
Zitationshilfe
„verschollen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verschollen>, abgerufen am 20.10.2019.

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