verschwiegen

Grammatikpartizipiales Adjektiv · Komparativ: verschwiegener · Superlativ: am verschwiegensten
Worttrennungver-schwie-gen
Grundformverschweigen
Wortbildung mit ›verschwiegen‹ als Erstglied: ↗Verschwiegenheit
ZDL-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
Geheimnisse bewahrend, Informationen nicht preisgebend
Beispiele:
Entgegen dem Klischee sind Frauen beim Smalltalk mit Kollegen verschwiegener als Männer. [Der Standard, 18.05.2016]
Die Konkurrenten [des Unternehmens] sind in der Regel noch verschwiegener und machen keine Angaben zu ihren [Umsatz-]Zahlen. [Süddeutsche Zeitung, 17.12.2018]
Die Recherchen […] zeigten […], wie die politischen Eliten die verschwiegene Welt der Steueroasen nutzen[…]. [Süddeutsche Zeitung, 06.09.2018]
Das Familienunternehmen in der vierten Generation gibt sich verschwiegen. Gewinne oder Umsätze? Nichts dringt nach draußen. [Welt am Sonntag, 17.12.2017, Nr. 51]
Die Aktenlage der verschwiegen arbeitenden Nachrichtendienste soll nach Auskunft der Bundesregierung […] verschwindend gering sein. [Zeit Magazin, 26.02.2015, Nr. 09]
2.
still und menschenleer, nur wenigen Menschen bekannt oder zugänglich
Synonym zu abgeschieden
Beispiele:
So versteckt, daß man ihn kaum findet[…]t – ein verschwiegener kleiner Sandstrand am Feisnecksee […] ist ein Paradies für Romantiker, die Sonne und Wasser ungestört genießen wollen. [Bild am Sonntag, 31.07.2005]
An einen verschwiegenen, geschützten Ort im Wald mag man da denken, einen Treffpunkt für Zärtlichkeiten. [Der Tagesspiegel, 08.05.2000]
Um Grenz- und Passkontrollen zu umgehen, werden illegale Zuwanderer über verschwiegene Wege im Bayerischen Wald […] in die Europäische Union geschleust. [Süddeutsche Zeitung, 09.10.2004]
Es gibt Orte, die sind für den Normalverbraucher tabu. Verblüffend eigentlich in Zeiten wie diesen, da […] der Tourismus längst bis in die verschwiegensten Winkel der Erde vorgedrungen ist. [Die Zeit, 20.01.2000, Nr. 4]
Zwischen die Hotels wurden die Villen gesetzt, […] nie dicht aufeinandergedrängt, verschwiegene Refugien zwischen Gärten und Wäldern. [Die Zeit, 25.02.1983, Nr. 09]
Damals hatte er einen Laternenpfahl mit einem verschwiegenen Ort [einer Toilette] verwechselt und dadurch das Schamgefühl eines vorübergehenden Brautpaares empfindlich verletzt. [Der Angriff (Abend), 08.12.1939]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schweigen · Schweigen · schweigsam · geschweige · stillschweigen · stillschweigend · verschweigen · verschwiegen · Verschwiegenheit
schweigen Vb. ‘still sein, nicht sprechen, keinen Laut von sich geben’. Schwach flektierendes intransitives ahd. swīgēn ‘schweigen, still, stumm sein’ (8. Jh.), mhd. mnd. swīgen, asächs. swīgon, mnl. swīghen, nl. zwijgen, afries. swigia, aengl. swīgian, (mit Ablaut) sugian, suwian (germ. *swīgēn) hat neben sich ein Kausativum ahd. sweigen ‘zum Schweigen bringen’ (um 1000, gisweigen, 10. Jh.), mhd. sweigen. Das intransitive Verb geht schon früh zur starken Flexion über, vgl. mhd. swīgen ‘still sein, verstummen’, mnd. swīgen, mnl. swīghen, nl. zwijgen. Mit den Substantiven ahd. swīga ‘das Schweigen’ (9. Jh.), mhd. swīge ‘Stillschweigen, Verbot zu sprechen’, aengl. swīge ‘Stille’ und mit (zweifelhaft) griech. sī́ga (σῖγα) ‘schweigend, im Stillen’, sīgḗ (σιγή) ‘Schweigen, Verschwiegenheit’, sīgā́n (σιγᾶν; aus *σϜιγ-) ‘schweigen’ kann auf ie. *su̯īk- bzw. *su̯īg- zurückgegangen werden, Gutturalerweiterungen der Wurzel ie. *su̯ī- ‘schwinden, nachlassen, schweigsam werden’, die auch in isl. svía ‘nachlassen’, nasaliert in ahd. swīnan (um 800), mhd. swīnen ‘abnehmen, dahinschwinden, abmagern, bewußtlos werden’ (s. ↗schwinden) vorliegt. Schweigen n. ‘das Stillsein’, mhd. swīgen. schweigsam Adj. ‘wortkarg, still’ (18. Jh.). geschweige Konj. häufig in der Wendung geschweige denn ‘nicht einmal, erst recht nicht, nicht zu reden von’ (16. Jh.), verkürzt aus ich geschweige, zu (heute unüblichem) geschweigen, mhd. geswīgen, ahd. giswīgēn ‘stillschweigen’ (um 800). stillschweigen Vb. ‘still sein, nicht reden, sich nicht äußern’, seit dem 16. Jh. zusammengerückt nach mhd. stille swīgen; stillschweigend Part.adj. ‘ohne darüber zu sprechen, ohne weiteres, unausgesprochen’ (seit dem 16. Jh. geläufig), mhd. stilleswīgende. verschweigen Vb. ‘etw. nicht (in vollem Umfang) sagen’, ahd. firswīgēn (8. Jh.), mhd. verswīgen; verschwiegen Part.adj. ‘wortkarg, nicht geschwätzig, diskret’, mhd. verswigen ‘schweigsam, diskret’; Verschwiegenheit f. (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
distanziert · in sich gekehrt · ↗introvertiert · nach innen gekehrt · nicht mitteilsam · ↗reserviert · ↗unaufgeschlossen · ↗unzugänglich · verschwiegen · ↗zurückhaltend  ●  nicht erreichbar  fig. · ↗verschlossen  Hauptform, fig. · ↗zugeknöpft  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
in Schweigen gehüllt · ↗schweigsam · ↗sprachlos · ↗still · still und stumm · ↗stumm · stumm wie ein Fisch · verschwiegen · verstummt · ↗wortlos
Assoziationen
  • (sich) kurz fassen · ↗einsilbig · kurz angebunden · nicht gesprächig · nicht viele Worte machen · redescheu · wenig auskunftsfreudig · ↗wortarm · ↗wortkarg · ↗zurückhaltend (reagieren)  ●  ↗schmallippig (reagieren)  fig. · kurz ab  ugs. · ↗maulfaul  ugs. · ↗zugeknöpft  ugs.
  • distanziert · in sich gekehrt · ↗introvertiert · nach innen gekehrt · nicht mitteilsam · ↗reserviert · ↗unaufgeschlossen · ↗unzugänglich · verschwiegen · ↗zurückhaltend  ●  nicht erreichbar  fig. · ↗verschlossen  Hauptform, fig. · ↗zugeknöpft  ugs.
  • gehemmt · ↗kontaktarm · ↗kontaktscheu · ↗scheu · ↗schüchtern · selbstunsicher (psychol.) · ↗unsicher · ↗zaghaft · ↗zurückhaltend  ●  ↗verklemmt  ugs.
  • (die) Aussage verweigern · (die) Omertà gilt (für) · (sich) bedeckt halten · aus jemandem ist nichts herauszubekommen · beharrlich schweigen · jede Antwort verweigern · keine Aussage machen · nicht aussagen · nichts sagen · nichts sagen wollen (zu)  ●  ↗(sich) ausschweigen  Hauptform · (den) Mund halten  ugs. · (die) Zähne nicht auseinanderbekommen  ugs. · der Omertà unterworfen (sein)  geh. · ↗dichthalten  ugs. · ↗dichtmachen  ugs. · nicht mit der Sprache herausrücken  ugs. · nicht singen  ugs., Jargon
  • (den) Mund nicht aufbekommen · (jemandem) versagt die Stimme · (jemandes) Kehle ist wie zugeschnürt · (jemandes) Lippen sind versiegelt · kein Wort (zu etwas) verlieren · kein Wort herausbekommen · keine Antwort geben · keinen Ton herausbekommen · nichts sagen · stumm bleiben  ●  ↗schweigen  Hauptform · (das) Maul nicht aufkriegen  ugs. · (das) Sprechen verlernt haben  ugs., ironisch · (den) Mund halten  ugs. · (die) Zähne nicht auseinanderbekommen  ugs. · (sich) in Schweigen hüllen  geh. · den Rand halten  ugs. · kein Sterbenswörtchen sagen  ugs. · keinen Mucks von sich geben  ugs. · keinen Piep sagen  ugs. · keinen Ton sagen  ugs. · schweigen wie ein Grab  ugs. · sein Herz nicht auf der Zunge tragen  ugs. · still schweigen (veraltet lit.)  geh. · stumm wie ein Fisch sein (bildl.)  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Einkünfte Faktum Finanzamt Fiskus Herkunft Nachteil Scham Schattenseite Schwangerschaft Tatsache Verkäufer Vorfall Wahrheit allerdings beharrlich beschönigen bewußt diskret freilich geflissentlich gern keineswegs leider lieber schamhaft verdrängen verharmlosen vertuschen wohlweislich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verschwiegen‹.

Zitationshilfe
„verschwiegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verschwiegen>, abgerufen am 20.08.2019.

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