versehen

Grammatik Verb · versieht, versah, hat versehen
Aussprache 
Worttrennung ver-se-hen
Grundform sehen
Wortbildung  mit ›versehen‹ als Grundform: ↗Versehen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ⟨jmdn., sich mit etw. versehen⟩ jmdn., sich mit etw. ausstatten, versorgen
  2. 2. ⟨etw. versehen⟩ ein Amt, einen Dienst ausüben, eine Aufgabe erfüllen
  3. 3. einen Fehler machen
    1. a) etw. zu tun versäumen, etw. verpassen
    2. b) ⟨sich versehen⟩ sich beim Sehen irren
  4. 4. ⟨sich einer Sache versehen⟩ auf etw. gefasst sein, etw. erwarten
eWDG

Bedeutungen

1.
jmdn., sich mit etw. versehenjmdn., sich mit etw. ausstatten, versorgen
Beispiele:
wir hatten uns ausgiebig mit Geld und Proviant versehen
jmdn. mit einer guten Ausrüstung versehen
bei Tische versah er sich stets reichlich mit Fleisch
dieser Betrieb ist mit einer guten Kantine versehen
man hatte das neue Theater mit Polstersesseln versehen
ein Dokument mit einem Amtssiegel, mit einer Unterschrift, Flaschen mit Etiketten, jmdn. mit Empfehlungen versehen
das Landambulatorium war mit allem versehen, was zur Krankenpflege nötig ist
wir versahen uns aus einer großen Kiste mit Flaschenbier
2.
etw. versehenein Amt, einen Dienst ausüben, eine Aufgabe erfüllen
Beispiele:
er versah in der Klinik den Posten, die Stelle eines Pflegers
seinen Dienst ordentlich versehen
sie hatte jahrelang bei ihm den Haushalt versehen (= geführt)
er versah Wirtschaft und Küche, Haus und Hof
3.
einen Fehler machen
a)
etw. zu tun versäumen, etw. verpassen
Beispiele:
er hatte nur eine Kleinigkeit versehen
die Mutter glaubte, sie habe nichts an ihrem Sohne versäumt oder versehen
bei dem Neubau ist einiges versehen worden (= falsch gemacht worden)
b)
sich versehensich beim Sehen irren
Beispiele:
ich muss mich beim Lesen der Hausnummer versehen haben
als er den hohen Preis las, glaubte er zunächst, er habe sich versehen
ich habe mich in der Zeit versehen
4.
sich einer Sache versehenauf etw. gefasst sein, etw. erwarten
Beispiele:
gehoben, veraltendsie hatte sich keines Einspruchs versehen
ehe sie sich dessen versah, hatte er ihren Mund geküsst
gehoben, veraltendaber Worte wie der soeben gesprochenen hätte man sich kaum von ihm versehen [ TralowKepler5]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sehen · Sehe · Seher · sehenswürdig · Sehenswürdigkeit · Sehkraft · absehen · absehbar · ansehen · Ansehen · Ansicht · Ansichtskarte · angesehen · ansehnlich · aufsehen · Aufsehen · Aufseher · Aufsicht · beaufsichtigen · aussehen · Aussehen · Aussicht · nachsehen · Nachsicht · vorsehen · Vorsehung · Vorsicht · vorsichtig · versehen · Versehen · Zuversicht
sehen Vb. ‘mit dem Gesichtssinn wahrnehmen’. Mit ahd. sehan (8. Jh.), mhd. sehen, asächs. sehan, mnd. sēn, mnl. sien, nl. zien, afries. sia, aengl. sēon, engl. to see, anord. sjā, schwed. se, got. saíƕan (germ. *sehwan) sind verwandt ahd. gisiuni ‘Anblick, Erscheinung, Aussehen’ (8. Jh.), asächs. siun ‘Auge’, aengl. sīen ‘Aussehen’, anord. sjōn ‘Blick, Auge’, got. siuns ‘Gesicht, Gestalt’; s. auch die Verbalabstrakta ↗Sicht und ↗Gesicht. Außergerm. sind vergleichbar air. rosc (aus *prosk‐ͧo-) ‘Auge, Blick’, alban. sheh ‘sieht’, hethit. šakuwa (Plur.) ‘Augen’ sowie auch griech. hépesthai (ἕπεσθαι) ‘folgen, begleiten’, aind. sácatē ‘begleitet, steht zur Seite, geht nach, folgt’, lat. sequī ‘(nach)folgen, begleiten, verfolgen, gehorchen’, air. sechithir ‘folgt’. Man nimmt daher eine Bedeutungsentfaltung ‘folgen, mit den Augen folgen, sehen’ an, hervorgegangen aus der Wurzel ie. *seku̯- ‘wittern, spüren’ (vom Hund bei der Jagd), die sich in einem zweiten Bedeutungsstrang zu ‘zeigen, ankündigen’ (s. ↗sagen) entwickelt hat. Sehe f. ‘Pupille, Sehvermögen, Ansicht’, ahd. seha (9. Jh.), mhd. sehe; heute noch landschaftlich. Seher m. ‘Prophet’ (16. Jh.); vgl. mhd. sternseher. sehenswürdig Adj. ‘berühmt, außergewöhnlich und daher des Ansehens wert’ (18. Jh.); Sehenswürdigkeit f. (Anfang 19. Jh.). Sehkraft f. ‘Sehvermögen des Auges’ (Anfang 18. Jh.), älter Sehenskraft (Ende 17. Jh.). absehen Vb. ‘durch Beobachtung erlernen, woraus erkennen, merken, überblicken’ (16. Jh.), ‘auf etw. abzielen’ (17. Jh., dazu s. ↗Absicht), ‘verzichten’ (18. Jh.), mhd. abesehen ‘hinabsehen’; absehbar Adj. ‘überschaubar, erkennbar’ (18. Jh.), in absehbarer Zeit ‘bald’ (Ende 19. Jh.). ansehen Vb. ‘seinen Blick auf etw. richten, betrachten’, ahd. anasehan (8. Jh.), mhd. anesehen; Ansehen n. ‘Erscheinung’, auch (seit 16. Jh.) ‘Achtung, Wertschätzung’, mhd. anesehen ‘Anblick, Angesicht’; Ansicht f. ‘Seite, von der etw. betrachtet wird, Anblick, Bild’, auch (seit 19. Jh.) ‘Meinung’, ahd. anasiht (9. Jh.), mhd. anesiht ‘Anblick’; Ansichtskarte f. ‘Postkarte mit Landschaftsbild’ (Ende 19. Jh.); angesehen Part.adj. ‘geachtet’ (Anfang 18. Jh.); frühnhd. angesehen, (daß) … ‘in Anbetracht’. ansehnlich Adj. ‘angesehen, stattlich, wohlgefällig anzusehen’ (Ende 15. Jh.). aufsehen Vb. ‘emporschauen’, ahd. ūfsehan (um 900), mhd. ūfsehen; Aufsehen n. ‘(öffentliche) Beachtung’, spätmhd. ūfsehen; Aufseher m. ‘Aufsichtführender, Wächter’, spätmhd. ūfseher; Aufsicht f. ‘das Aufpassen, Kontrolle’ (16. Jh.); beaufsichtigen Vb. ‘(über etw.) die Aufsicht haben, kontrollieren’ (Anfang 19. Jh.). aussehen Vb. ‘einen bestimmten Anblick bieten’ (16. Jh.), vgl. mhd. ūʒsehen ‘hinaussehen’; Aussehen n. ‘äußere Erscheinung’ (17. Jh.), ‘Aussicht, Ausblick’ (16. Jh.); Aussicht f. ‘Blick in die Ferne’ (17. Jh.), ‘Zukunftsmöglichkeit, Erwartung’ (18. Jh.). nachsehen Vb. ‘hinterherschauen’, mhd. nāchsehen, auch ‘nachforschen’ (17. Jh.), ‘duldend geschehen lassen, verzeihen’ (16. Jh.); Nachsicht f. ‘verzeihende Haltung’ (18. Jh.), ‘Beaufsichtigung’ (17. Jh.). vorsehen Vb. ‘sich in acht nehmen, planen, in Aussicht nehmen’, ahd. furisehan ‘vorhersehen’ (8. Jh.), forasehan ‘vorhersehen, bedenken’ (9. Jh.), mhd. vür-, vorsehen ‘vorwärts sehen, sich in acht nehmen, wofür Sorge tragen’; Vorsehung f. ‘Schicksal’, mhd. vürsehunge ‘Obsorge, Schutz, Schicksal’; Vorsicht f. ‘Achtsamkeit, Behutsamkeit’, ahd. forasiht ‘Voraussicht, Vorsehung’ (um 1000, für lat. prōvidentia), spätmhd. vorsiht; vorsichtig Adj. ‘achtsam, behutsam’, ahd. forasihtīg ‘vorherschauend, voraussehend’ (um 1000), mhd. vür-, vorsihtic ‘voraussehend, einsichtig, verständig’. versehen Vb. ‘sich um etw. kümmern, ausstatten, ausrüsten, sich irren’, ahd. firsehan ‘verachten, verschmähen’ (8. Jh.), sih firsehan ‘bedacht sein’ (9. Jh.), mhd. versehen ‘vorhersehen, vorherbestimmen, besorgen, ausstatten, versorgen, übersehen, verachten, hoffen auf’; Versehen n. ‘Irrtum, unbeabsichtigter Fehler’ (17. Jh.), häufig aus Versehen ‘ohne Absicht’ (Anfang 19. Jh.). Zuversicht f. ‘Vertrauen in die Zukunft’, ahd. zuofirsiht ‘ehrfurchtsvolles Aufschauen, Hoffen’ (um 1000), mhd. zuoversiht.

Thesaurus

Synonymgruppe
ausrüsten · ↗ausstaffieren · ↗ausstatten · ↗befüllen · ↗bestücken · versehen · ↗wappnen
Synonymgruppe
ausgerüstet (mit) · ausgestattet (mit) · bestückt (mit) · versehen (mit)
Assoziationen
Synonymgruppe
amtieren (als) · ↗arbeiten (als) · ↗ausüben (Funktion) · ↗bekleiden (Amt) · ↗innehaben (Position, Funktion) · tätig sein (als) · versehen (Dienst) · ↗wirken (als)
Assoziationen
  • (sich) betätigen (als) · tätig sein · ↗werken · ↗wirken  ●  ↗arbeiten  Hauptform · ↗schaffen  ugs., schwäbisch
  • (für etwas) verantwortlich (sein) · (jemandes) Aufgabe sein · (jemandes) Zuständigkeit unterliegen · Sache (des / der ...) sein · in jemandes Zuständigkeit fallen · in jemandes Zuständigkeitsbereich fallen · zu jemandes Aufgaben gehören · ↗zuständig (für)  ●  in jemandes Ressort fallen  veraltend, fig. · (einen Fall) auf dem Schreibtisch liegen haben  ugs., fig. · ↗(jemandem) obliegen  fachspr., Amtsdeutsch · (jemandes) Job sein  ugs., salopp · befasst (mit)  fachspr., Amtsdeutsch, Jargon · betraut (mit)  geh. · für etwas bezahlt werden  ugs. · gefragt sein  ugs. · in jemandes Verantwortung liegen  geh. · zu jemandes Obliegenheiten gehören  geh.
  • Anstellung · ↗Arbeit · ↗Arbeitsplatz · ↗Arbeitsstelle · ↗Arbeitsverhältnis · ↗Beschäftigung · ↗Position · ↗Posten · ↗Stellung  ●  ↗Aufgabe  fig. · ↗Beschäftigungsverhältnis  Amtsdeutsch · ↗Stelle  Hauptform · (die) Stätte seines Wirkens  geh. · ↗Amt  fachspr. · ↗Job  ugs.
  • (eine) Arbeit annehmen · (einen) Arbeitsvertrag abschließen · (einen) Arbeitsvertrag unterschreiben  ●  ↗(sich) verdingen  veraltet · ↗anheuern (bei)  fachspr., auch figurativ, seemännisch · ↗unterschreiben (bei)  ugs.
  • Was machen Sie beruflich?  ●  (Und,) was machen Sie so?  ugs. · Was arbeitest du?  ugs. · Was machst du so?  ugs. · Womit verdienen Sie (so) Ihre Brötchen?  ugs. · Womit verdienst du deine Brötchen?  ugs., Redensart

Typische Verbindungen zu ›versehen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bescheinigung BombeBeispielsätze anzeigen BrettBeispielsätze anzeigen DeckelBeispielsätze anzeigen HelmBeispielsätze anzeigen HolzbrettBeispielsätze anzeigen KastenBeispielsätze anzeigen ManuskriptBeispielsätze anzeigen PfeilBeispielsätze anzeigen QuittungBeispielsätze anzeigen SchrankBeispielsätze anzeigen SchwanzBeispielsätze anzeigen SprengsatzBeispielsätze anzeigen StangeBeispielsätze anzeigen StimmzettelBeispielsätze anzeigen UmschlagBeispielsätze anzeigen Urkunde VerzeichnisBeispielsätze anzeigen ausgearbeitetBeispielsätze anzeigen ausgestelltBeispielsätze anzeigen bebildertBeispielsätze anzeigen gebundenBeispielsätze anzeigen gedrucktBeispielsätze anzeigen gefülltBeispielsätze anzeigen gegliedertBeispielsätze anzeigen geordnetBeispielsätze anzeigen geschriebenBeispielsätze anzeigen gestaltetBeispielsätze anzeigen herausgegebenBeispielsätze anzeigen verfaßtBeispielsätze anzeigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›versehen‹.

Verwendungsbeispiele für ›versehen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das sind mit Löchern versehene Scheiben am Ende eines Rohres.
Bild, 09.07.2004
Sechs Länder sind auf dem Plan eingetragen, jedes ist mit zu erobernden Städten versehen.
Die Zeit, 06.12.1974, Nr. 50
Dieses Amt versah er bis 1781, nachdem er 1778 die Wahl zum Abt abgelehnt hatte.
Scharnagl, August: Werner. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1968], S. 40773
Man ist ausgezeichnet versehen, doch bin ich etwas betäubt von dem ungeheuren Material.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1921. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1921], S. 216
Einen ganzen Monat lang durfte sie ihr neues Amt versehen.
Meisel-Hess, Grete: Die Intellektuellen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 10964
Zitationshilfe
„versehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/versehen>, abgerufen am 16.01.2021.

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