versinken

GrammatikVerb · versank, ist versunken
Worttrennungver-sin-ken (computergeneriert)
Grundformsinken
Wortbildung formal verwandt mit: ↗gedankenversunken · ↗selbstversunken · ↗traumversunken
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
tief in etw. einsinken und darin verschwinden
Beispiele:
im Wasser, Morast, Sumpf versinken
das Schiff ist im Meer versunken (= untergegangen)
die Kamera war über Bord gefallen und versunken
bei ruhigem Wetter kann man unten im Strom das versunkene Wrack sehen
wir versanken bis an die Knie im Schnee, bis an die Knöchel im Schlamm
er versank förmlich in dem großen Sessel
vor Scham wäre er am liebsten in den Boden versunken
als wir weiterwanderten, versanken hinter uns die Häuser und Türme der Stadt (= sie sanken unter den Horizont)
die Sonne, der Mond versinkt hinter den Bergen, dem Horizont
die Bäume und Häuser versanken in der Dämmerung, im Dunkel
er schaute uns aus kleinen versunkenen (= tiefliegenden, eingesunkenen) Augen an
bildlich
Beispiele:
er ist in der Menge des Materials, das er für seine Arbeit gesammelt hatte, regelrecht versunken (= er vermochte es nicht zu bewältigen)
wenn er las, versank für ihn die Welt ringsumher
im Part. Prät.
übertragen versunkenvergangen, weit zurückliegend
Beispiele:
die Erinnerung an versunkene und vergessene Tage, Stunden, Jahre
versunkene (= zugrunde gegangene, vergessene) Reiche, Kulturen
2.
immer tiefer in einen Zustand hineingeraten und scheinbar ganz darin aufgehen, die Welt um sich her vergessen
Beispiele:
in tiefsinnige Gedanken, in Melancholie, Nachdenken, Sinnen, Schweigen, Schwermut versinken
langsam versank er in Schlaf (= schlief er ein)
allmählich versinkt die Stadt in Dunkelheit und Schweigen (= wird es dunkel und still in der Stadt)
Troja versank in Schutt und Asche (= wurde zerstört und niedergebrannt)
in sich selbst versinkenden Kontakt mit der Außenwelt (vorübergehend) völlig aufgeben, verlieren, sich ganz nach innen wenden
Beispiele:
nachdem er seine Meinung gesagt hatte, versank er wieder in sich selbst und schien nichts um sich her mehr zu hören oder zu sehen
er war tief in sich versunken (= in sich gekehrt)
jmdn. versunken anstarren
häufig im Part. Prät.
versunkeneiner Tätigkeit völlig hingegeben, ganz in ihr aufgehend
Beispiele:
tief in Gedanken versunken
in Erinnerungen versunken schwieg er
das Kind war so versunken in sein Spiel, dass es uns nicht bemerkte
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sinken · versinken
sinken Vb. ‘nach unten gleiten, langsam fallen’ (stark flektierend), ahd. (9. Jh.), asächs. sinkan, mhd. sinken ‘sich senken, versinken, untersinken, verschwinden’, mnd. mnl. sinken, nl. zinken, afries. sinka, aengl. sincan, engl. to sink, anord. søkkva, schwed. sjunka, got. sigqan (germ. *senkwan) ist vielleicht mit armen. ankanim ‘falle, weiche, nehme ab’ und griech. (homerisch) heáphthē (ἑάφθη) ‘fiel, sank’ (?) vergleichbar, so daß eine Wurzel ie. *sengu̯- ‘fallen, sinken’ angesetzt werden kann. S. auch ↗senken und ↗versacken. Strittig ist die Frage, in welchem Verhältnis die unter ↗seicht (s. d.) genannten germ. und außergerm. Formen zu den hier behandelten stehen. versinken Vb. ‘untergehen’, übertragen ‘in etw. völlig aufgehen und seine Umwelt vergessen’, ahd. firsinkan ‘untertauchen, untergehen’ (um 900), mhd. versinken, auch ‘sich in etw. vertiefen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
absacken · sinken · ↗untergehen · versinken
Unterbegriffe
  • (stark) einbrechen  fig., variabel · (stark) sinken (Kurse, Preise)  Hauptform · ↗abstürzen  fig. · in den Keller rauschen  fig. · in den Keller gehen  ugs., fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anarchie Apathie Asche Bedeutungslosigkeit Bürgerkrieg Chaos Depression Dornröschenschlaf Dunkel Dunkelheit Elend Erdboden Flut Horizont Lethargie Matsch Meer Mittelmaß Morast Scham Schlaf Schlamm Schnee Schutt Schweigen Selbstmitleid Sonne Strudel Sumpf tief

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›versinken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch die Region versinkt in Armut, weil die Gewinne abgezogen werden.
Der Tagesspiegel, 30.05.1999
Sie schläft nicht, sondern ruht nur, ganz in sich versunken.
Süddeutsche Zeitung, 10.08.1994
Dann aber versank alles angesichts der 131 Fragen in stilles Brüten.
Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 966
Um ein tief versunkenes Lesen handelt es sich auch hier freilich nicht.
Beenken, Hermann: Das Neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst, München: Bruckmann 1944, S. 355
Heute ist die Bewegung im allgemeinen Bewußtsein des Volkes so gut wie versunken.
Diederichs, Eugen: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 23368
Zitationshilfe
„versinken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/versinken>, abgerufen am 25.06.2019.

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