Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

versprechen

Grammatik Verb · verspricht, versprach, hat versprochen
Aussprache 
Worttrennung ver-spre-chen
Wortzerlegung ver- sprechen
Wortbildung  mit ›versprechen‹ als Erstglied: Versprecher · Versprechung  ·  mit ›versprechen‹ als Binnenglied: Erfolg versprechend · Gewinn versprechend · erfolgsversprechend · erfolgversprechend · gewinnversprechend · viel versprechend · vielversprechend
 ·  mit ›versprechen‹ als Grundform: Verspruch
eWDG

Bedeutungen

I.
1.
jmdm. etw. versprechenjmdm. etw. fest zusichern, ausdrücklich erklären, etw. bestimmt zu tun
Beispiele:
ich verspreche dir feierlich, fest, dir zu helfen, dich nicht im Stich zu lassen
das musst du mir in die Hand versprechen! (= das musst du mir ganz fest versprechen!)
das musst du mir hoch und heilig versprechen! (= das musst du mir feierlich, fest versprechen!)
du hast es mir versprochen
ich versprach, bald wiederzukommen
was man verspricht, muss man auch halten
jmdm. goldene Berge versprechen (= jmdm. unerfüllbare Versprechungen machen)
umgangssprachlichjmd. verspricht das Blaue vom Himmel (= jmd. macht leere Versprechungen)
umgangssprachlichdu könntest mir sonst was versprechen, ich komme nicht mit
ich habe ihr zum Geburtstag ein neues Kleid versprochen
er hat ihr die Ehe, Heirat versprochen
wie versprochen, schicke ich dir eine Ansichtskarte
sie hat mir das versprochene Buch noch nicht mitgebracht
veraltet sich versprechensich verloben
Beispiele:
sie haben sich (einander, fürs Leben) versprochen
sie waren so gut wie versprochen
2.
jmd., etw. verspricht etw.jmd., etw. lässt etw. erwarten, hoffen, verheißt etw.
Beispiele:
er verspricht ein guter Schwimmer zu werden
dieses Verfahren versprach den größten Erfolg
das feuchtwarme Klima verspricht eine gute Ernte
seine zornigen Blicke versprechen nichts Gutes
sich [Dativ] etw. von jmdm., etw. versprechenetw. von jmdm., etw. erwarten, erhoffen
Beispiele:
was versprichst du dir eigentlich davon?
du weißt, wie viel, wie wenig ich mir von ihm, von dieser Unterredung verspreche
ich habe mir von dieser Aufführung mehr versprochen
II.
sich versprechenaus Versehen ein Wort falsch aussprechen, einen Satz sinnwidrig sprechen
Beispiel:
ich habe mich nur versprochen
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sprechen · Sprecher · absprechen · Absprache · ansprechen · Ansprache · Anspruch · besprechen · Besprechung · Einspruch · versprechen · Versprechen · Versprechung · zusprechen · Zuspruch
sprechen Vb. ‘reden’, ahd. sprehhan (8. Jh.), mhd. sprechen, asächs. sprekan, mnd. mnl. sprēken, nl. spreken, afries. spreka, aengl. sprecan (westgerm. *sprekan) und die r-losen Formen ahd. spehhan (9. Jh.), asächs. spekan, mhd. spehten ‘schwatzen’, aengl. specan, engl. to speak ‘reden’, mnl. spēken werden wie mnd. sprāken ‘Funken sprühen’, mnl. sparken, aengl. spearcian, anord. schwed. spraka ‘knistern, prasseln’ und die unter Sprache (s. d.) genannten Formen als Schallwörter mit alban. shpreh ‘ich spreche aus’, kymr. ffreg ‘Geschwätz’ und aind. sphū́rjati ‘donnert, grollt’, griech. spharagḗīsthai (σφαραγεῖσθαι) ‘knistern, zischen, strotzen, zum Platzen voll sein’, lit. (ablautend) sprógti ‘bersten, platzen’, ohne anlautendes s- kslaw. prъžiti, pražiti ‘rösten, dörren’, russ. (älter) prjážit’ (пряжить) ‘in Butter backen’ auf ie. *(s)p(h)ereg-, *(s)p(h)erəg-, *(s)p(h)rēg- zurückgeführt, eine g-Erweiterung der unter Sporn (s. d.) genannten Wurzel ie. *sp(h)er(ə)- ‘zucken, zappeln, schnellen’ (auch ‘streuen, sprengen, spritzen’, s. sprühen, Spur). Diese Wurzelerweiterung läßt sich nur im Germ. und Kelt. für den Bereich ‘sprechen’ nachweisen. Ungeklärt ist das Nebeneinander der germ. Formen mit und ohne r. Vielleicht handelt es sich um ein emphatisches r in jüngeren Formen oder um r-Ausfall zwischen Labial und ie. g? Sprecher m. ‘wer (als Beauftragter) spricht’, ahd. sprehhāri (11. Jh.), mhd. sprechære. absprechen Vb. ‘aberkennen, vereinbaren’, mhd. abesprechen ‘ein Urteil sprechen, aberkennen, leugnen, widerrufen’; Absprache f. ‘Vereinbarung’ (18. Jh.). ansprechen Vb. ‘anreden’, ahd. anasprehhan (11. Jh.), mhd. anesprechen ‘anfangen zu sprechen, in Anspruch nehmen, einen mit Worten (herausfordernd, beschuldigend, anklagend) angehen’, übertragen ‘gefallen, anrühren’ (Anfang 19. Jh.); Ansprache f. ‘kürzere Rede, Anrede’, in älterer Sprache ‘Anklage, Anspruch’, ahd. anasprāhha (9. Jh.), mhd. anesprāche; Anspruch m. ‘Anrecht, Forderung’, mhd. anspruch ‘Anklage, Einspruch’. besprechen Vb. ‘über etw. reden, etw. festlegen, rezensieren, (Krankheiten) beschwören, mit Zaubersprüchen zu heilen suchen’, ahd. bisprehhan ‘anfechten, tadeln, verleumden’ (8. Jh.), mhd. besprechen ‘verabreden, jmdn. anreden, anklagen, verlangen’; Besprechung f. ‘Gespräch, Beratung’ (16. Jh.), ‘Rezension, Behandlung von Krankheiten durch Beschwörung mit Zauberformeln’ (19. Jh.). Einspruch m. ‘Einwand, Protest, Widerspruch, Beschwerde’ (15. Jh.). versprechen Vb. ‘zusichern’, (reflexiv) ‘versehentlich falsch sprechen’, ahd. firsprehhan ‘in Abrede stellen, zurückweisen, vertreten, verteidigen, rechtfertigen’ (9. Jh.), mhd. versprechen ‘bürgen, verteidigen, entschuldigen, in Anspruch nehmen, zusichern, widersprechen, leugnen, zurückweisen, unrichtig sprechen, zaubern, beschwören’; Versprechen n. ‘Zusicherung, Gelöbnis’ (16. Jh.); Versprechung f. ‘Zusicherung, Versicherung, Gelöbnis’ (15. Jh.). zusprechen Vb. ‘trösten, zuerkennen, Speise und Trank sich schmecken lassen’, ahd. zuosprehhan ‘mit jmdm. reden’ (8. Jh.), mhd. zuosprechen ‘jmdm. zureden, zu jmdm. ein Wort sprechen, fordern, anklagen’; Zuspruch m. ‘Trost, Zulauf’ (17. Jh.), mhd. zuospruch ‘Anspruch, rechtliche Forderung oder Klage’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(die) Hand darauf geben · (jemandem) in die Hand versprechen · (sein) Ehrenwort (darauf) geben · (sein) Wort (darauf) geben · ein Versprechen (ab)geben · fest versprechen · fest zusagen · hoch und heilig versprechen · verheißen  ●  geloben  fig. · tausend Eide schwören  fig. · versprechen  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem etwas) versichern · (jemandem etwas) zusagen · (jemandem etwas) zusichern  ●  (jemandem etwas) versprechen  Hauptform
Synonymgruppe
(in jemandem) Hoffnungen wecken (auf) · (in jemandem) die Hoffnung wecken (auf) · (jemandem etwas) in Aussicht stellen · (jemandem etwas) lebhaft vor Augen stellen · (jemandem etwas) versprechen · (jemandem) Hoffnungen machen (auf)  ●  (jemandem etwas) verheißen  Hauptform
Assoziationen
  • (die) Hand darauf geben · (jemandem) in die Hand versprechen · (sein) Ehrenwort (darauf) geben · (sein) Wort (darauf) geben · ein Versprechen (ab)geben · fest versprechen · fest zusagen · hoch und heilig versprechen · verheißen  ●  geloben  fig. · tausend Eide schwören  fig. · versprechen  Hauptform
  • (etwas) vor seinem/jemandes geistigem Auge entstehen lassen · (in sich/jemandem) Bilder entstehen lassen (von) · (in sich/jemandem) Bilder wachrufen (von)  ●  (sich/jemandem etwas) in kräftigen Farben ausmalen  variabel
Synonymgruppe
(sich) falsch ausdrücken · (sich) ungeschickt ausdrücken · (sich) versprechen · bei der Wortwahl danebengreifen · das falsche Wort wählen
Assoziationen
  • (absolut) daneben sein · (ein) (absolutes) No-go sein · (ein) Fauxpas sein · (etwas/sowas) tut man einfach nicht · (sich) nicht gehören · ins Fettnäpfchen treten · nicht angebracht sein · tabu sein · unangebracht sein · ungehörig sein · unschicklich sein  ●  (etwas) geht gar nicht  ugs. · (etwas) nicht bringen können  ugs.
  • (etwas) falsch aussprechen · (sich) versprechen
  • Inkorrektheit · Irrtum · Missgriff · Versehen  ●  Fehler  Hauptform · Ausrutscher  ugs., fig. · Fauxpas  geh., franz. · Lapsus  geh., lat. · Patzer  ugs. · Schnitzer  ugs. · falscher Fehler  ugs., scherzhaft
Synonymgruppe
(etwas) falsch aussprechen · (sich) versprechen
Assoziationen
  • Sprechfehler · Sprechstörung  ●  Sprachfehler  ugs.
Synonymgruppe
(etwas) sagen, das man eigentlich nicht sagen wollte · (jemandem) herausrutschen · (sich) verplappern · (sich) versprechen
Oberbegriffe
  • (einen) Fehler begehen · (einen) Fehler machen · (etwas) falsch machen  ●  (sich) vertun  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›versprechen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›versprechen‹.

Verwendungsbeispiele für ›versprechen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Käufer zahlten, das versprochene Handy erhielten sie hingegen nicht. [C't, 2001, Nr. 8]
Von den versprochenen Notebooks hat niemand von uns etwas gesehen. [C't, 2001, Nr. 15]
Das verspricht eine gute Ernte, und so ist es auch. [Bodenreuth, Friedrich [d.i. Jaksch, Friedrich]: Alle Wasser Böhmens fließen nach Deutschland, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1938 [1937], S. 62]
Und zweitens wollte er sich gar nicht allzu genau erinnern, schließlich hatte er seiner Mutter eine »wohlmeinende« Rede versprochen. [Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 64]
Ich verspreche, nichts zu versprechen, vor allem keine Neuen Werte. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 22]
Zitationshilfe
„versprechen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/versprechen>.

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