Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

verstädtern

Grammatik Verb · verstädtert, verstädterte, hat/ist verstädtert
Aussprache 
Worttrennung ver-städ-tern
GrundformStädter
Wortbildung  mit ›verstädtern‹ als Erstglied: Verstädterung
eWDG

Bedeutungen

etw. städtisch machen, ländlichen Lebensformen einen städtischen Charakter verleihen, der städtischen Lebensform angleichen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
mit der Zeit sind immer mehr einst ländliche Gegenden verstädtert
städtisch werden, städtische Lebensform annehmen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiel:
in Industrieländern verstädtert die Bevölkerung zusehends
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stadt · Städter · städtisch · verstädtern
Stadt f. ‘große, in sich geschlossene, ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum bildende Siedlung’. Mhd. stat ‘Ort, Stelle’ (s. Statt) entwickelt im 12. Jh. die Bedeutung ‘Siedlung, Ortschaft’, nach mittelalterlichem Recht mit bestimmten Rechten (z. B. Marktrecht) und Privilegien ausgestattet, und konkurriert dabei mit der entsprechenden älteren Bezeichnung ahd. burg, mhd. burc ‘Burg, Stadt’ (s. Burg), deren Stelle es allmählich einnimmt. Im 16. Jh. begegnet erstmals die Schreibung Stadt; eine eindeutige orthographische Unterscheidung zu Statt besteht jedoch erst seit dem 18. Jh. – Städter m. ‘Bewohner einer Stadt’, mhd. steter; im Unterschied zu Bürger ohne politischen Bedeutungsinhalt. städtisch Adj. ‘eine Stadt, die Stadtverwaltung betreffend, zu ihr gehörend, von ihr verwaltet’ (15. Jh.). verstädtern Vb. ‘städtische Lebensform annehmen, zu städtischem Lebensraum werden’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›verstädtern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da mit der Zerstörung der alten bäuerlichen Strukturen eine Landflucht eingesetzt hat, verstädtert die Dritte Welt immer mehr. [Die Zeit, 09.03.1990, Nr. 11]
Es war ein Weg durch die Geschichte der Dörfer, die über Jahrhunderte von der Landwirtschaft geprägt waren und nun schon ziemlich verstädtert sind. [Der Tagesspiegel, 18.10.2004]
Lassen sich unter diesen Bedingungen, unter denen die Menschen immer mehr verstädtern, die Städte vermenschlichen? [Die Zeit, 04.06.1971, Nr. 23]
Heute sind die farbigen Amerikaner zu 75 Prozent verstädtert, stärker als irgendeine andere Bevölkerungsgruppe. [Die Zeit, 16.08.1968, Nr. 33]
Die Umlandgemeinden der großen zentralen Orte verstädtern immer mehr, der Siedlungsbrei frißt sich unaufhaltsam in die Landschaft. [Süddeutsche Zeitung, 04.02.1998]
Zitationshilfe
„verstädtern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verst%C3%A4dtern>.

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