versteifen

GrammatikVerb · versteift, versteifte, hat/ist versteift
Aussprache
Worttrennungver-stei-fen
Grundformsteifen
Wortbildung mit ›versteifen‹ als Erstglied: ↗Versteifung
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw. verstärken, stützen, abstützen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Bauwesendie Wände der Grube, des Grabens mit Flechtwerk, Faschinen versteifen
BauwesenBrunnenschächte müssen eingeschalt und versteift werden
Bauweseneine Mauer versteifen
Schneidereiden Kragen mit einer Einlage, mit Steifleinen versteifen (= steif machen)
2.
etw. versteiftetw. wird steif
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
das Gelenk versteifte nach der Heilung des Bruches
sein Ellenbogengelenk war so gut wie versteift
etw. versteift sich
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
das Knie versteifte sich allmählich, hat sich immer mehr versteift
3.
sich versteifensich verstärken, unnachgiebiger werden
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
der Widerstand des Gegners versteifte sich
die Fronten haben sich versteift
seine konservative Haltung versteifte sich immer mehr
es versteifte sich das Gerücht
4.
sich auf etw. versteifenhartnäckig auf etw. bestehen, bei etw. bleiben
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
du solltest dich nicht auf dein Recht, deine Behauptung versteifen
unbedingt etw. haben, durchsetzen wollen
Beispiele:
wir haben uns auf ein Grundstück nahe am Wald versteift
ich möchte nur wissen, warum du dich auf die Medizin versteifst (= Medizin studieren willst)
seine Hoffnung auf jmdn., etw. setzen
Beispiele:
dass du dich ausgerechnet auf diesen Mann versteifst, wundert mich
die Mannschaft versteift sich auf das Spiel am kommenden Sonntag
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

steif · Steife · Steifheit · steifen · versteifen
steif Adj. ‘nicht biegsam, starr, förmlich im Umgang’, spätmhd. stīf ‘starr, fest, aufrecht, wacker, stattlich’. Das im 14. Jh. vom Niederrhein. ins Hd. eingedrungene Adjektiv mnd. stīf, mnl. nl. stijf, aengl. stīf ‘unbiegsam, starr, fest, hart’, engl. stiff (westgerm. *stīfa-) ist verwandt mit afries. stīva ‘steif sein’ und den (ablautenden) unter ↗Stift (s. d.) genannten Formen. Außergerm. schließen sich an lat. stīpes ‘Pfahl, Stamm, Stock, Stange’, lat. stīpāre ‘dicht zusammendrängen’, (ablautend) stipula ‘Strohhalm’, lit. stìpti ‘erstarren, verenden’, stiprùs ‘stark’ sowie griech. sté͞ibein (στείβειν) ‘(auf etw.) treten, durch Treten dicht machen, fest-, zertreten’, aruss. stьblo, stьblь, russ. stébel’ (стебель) ‘Stengel’ und lit. stíebas ‘Mastbaum, Säule, Stamm, Stengel’. Zugrunde liegt ie. *stē̌ip-, *stī̌p- bzw. *stē̌ib(h)-, *stī̌b(h)- ‘Stange, Stecken; steif; zusammendrängen’. steif ‘unbiegsam, starr, aufrecht’ bezeichnet zuerst wohl eine Eigenschaft von hölzernen Pfählen. Steife f. ‘Zustand, Eigenschaft des Unbiegsamseins’ (16. Jh.) neben älterem gleichbed. Steifheit f. (15. Jh.), übertragen ‘förmliches, unzugängliches Wesen und Verhalten’ (18. Jh.). steifen Vb. ‘steif machen, stärken’ (16. Jh.), aus dem Nd. bzw. Nl., vgl. mnd. stīven, nl. stijven. versteifen Vb. ‘(mit Stützen) steif machen, stärken, steif werden’ (um 1800), reflexiv ‘hartnäckig auf etw. bestehen’ (1. Hälfte 19. Jh.), vgl. mnd. vorstīven ‘steif werden oder machen’, übertragen ‘hartnäckig machen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abstützen · ↗befestigen · ↗stützen · ↗verankern · versteifen · ↗verstreben
Oberbegriffe
  • sonstige Verben
Synonymgruppe
Assoziationen
  • Anspruch · ↗Erwartung · ↗Forderung
  • (sich) halten (an) · bleiben bei · festhalten an · nicht abgehen von · nicht aufgeben  ●  (sich) leiten lassen von  geh.
Synonymgruppe
(sich) festbeißen · (sich) fixieren auf · (sich) verbeißen (in) · ↗(sich) verbohren · (sich) verrennen (in) · (sich) versteifen (auf) · nicht loslassen können (Psychojargon)
Assoziationen
Synonymgruppe
(durch lange Nichtbenutzung) unbeweglich werden · versteifen  ●  ↗einrosten  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ablehnung Arm Behauptung Bein Finger Forderung Front Gelenk Glied Haltung Karosserie Körper Position Regisseur Rücken Standpunkt These Westen Widerstand Wirbelsäule allein ausschließlich darauf dennoch derart erstarren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›versteifen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir sollten uns jetzt aber nicht darauf versteifen, alles privatisieren zu wollen.
Der Tagesspiegel, 17.02.2002
Er betrachtet sie nicht nur kritisch, sondern versteift sich auch darauf, sie zu entmythologisieren.
Die Welt, 30.10.1999
Sonst hättest Du Dich noch mehr auf ein Mädchen versteift.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 23.10.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Aber sie begriff, daß er es vorzog, ihre Verbindung nicht durch eine Legalisierung zu versteifen.
Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 13
Die Psychologie der Gegenwart versteift sich mit Recht an der absolut analytischen Tendenz.
Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung, 1909, Nr. 2, Bd. 61
Zitationshilfe
„versteifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/versteifen>, abgerufen am 11.12.2019.

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