verstellen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-stel-len (computergeneriert)
Grundformstellen
Wortbildung mit ›verstellen‹ als Erstglied: ↗verstellbar
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw. unzugänglich machen, versperren
Beispiele:
die Tür, den Eingang, Ausgang, Durchgang (mit Kisten, Gerümpel) verstellen
der Korridor war mit Schränken verstellt
die Wände sind durch Bücherregale verstellt (= mit Bücherregalen zugestellt, verdeckt)
er verstellte mir den Weg (= stellte sich mir entgegen und hinderte mich am Weiter-, Vorbeigehen)
ein falsch geparkter Wagen verstellte mir die Ausfahrt aus der Garage
mit dem Bau des Hochhauses hat man uns die Aussicht, den Blick auf den nahen Wald verstellt (= genommen)
2.
etw. an den falschen Platz stellen, falsch einordnen
Beispiel:
ich habe ein Buch im Regal verstellt und kann es nun nicht finden
3.
etw. verstellen
a)
die Einstellung von etw. verändern
Beispiele:
an diesem Gerät darf keine einzige Schraube verstellt werden
hat jemand die Uhr verstellt?
b)
etw. in eine gewünschte Stellung bringen
Beispiele:
die Vordersitze im Wagen kann man verstellen
du musst den Sicherheitsgurt noch verstellen
4.
etw. absichtlich so verändern, dass es ein anderer nicht erkennt
Beispiele:
er verstellte seine Stimme, um nicht erkannt zu werden
mit verstellter Stimme sprechen
sie bekam einen Brief mit verstellter Handschrift
5.
sich verstellensich anders geben, als man ist, heucheln, jmdm. etw. vortäuschen
Beispiele:
es fiel ihr schwer, sich zu verstellen und die Ahnungslose zu spielen
vor ihrer Freundin hätte sie sich nicht zu verstellen brauchen
er konnte sich gut, nur schlecht verstellen
er war gar nicht betrunken, er verstellte sich nur (= er tat nur so, als ob er betrunken wäre)
mit verstelltem Gleichmut ließ er die Strafpredigt über sich ergehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stellen · Stelle · Stellmacher · Stellvertreter · Stellung · Stellage · abstellen · anstellen · Angestellter · Anstellung · ausstellen · Ausstellung · bestellen · entstellen · herstellen · wiederherstellen · Hersteller · Herstellung · nachstellen · verstellen · Verstellung · vorstellen · Vorstellung
stellen Vb. ‘an einem Ort zum Stehen bringen, aufstellen’, ahd. stellen (8. Jh.), mhd. stellen, stallen (Prät. mit Rückumlaut ahd. stalta, mhd. stalte, s. auch ↗Anstalt, ↗Gestalt), asächs. stellian ‘hinstellen’, mnd. mnl. nl. stellen, aengl. stellan sind im Sinne von ‘an einem Standort aufstellen’ gebildet zu germ. *stalla- ‘Standort, Platz’ (s. ↗Stall). Stelle f. ‘Ort, Platz, Amt, Behörde’, Rückbildung des 16. Jhs. aus dem Verb, eigentlich ‘Platz, Ort, wo etw. steht’; vgl. mhd. himelstelle ‘Stelle, Sitz im Himmel, Himmelsthron’. Stellmacher m. ‘wer Gestelle für Wagen herstellt’, spätmhd. (omd.) stellemacher, im Nordd. und Omd. verbreitet, zum ja-Stamm Stell n. ‘Gestell’ (frühnhd. bis ins 17. Jh., noch mundartlich im Nordd.), vgl. ahd. -stelli in forastelli ‘Stuhlverstopfung’ (um 1100); s. auch ↗Bettgestell. Stellvertreter m. ‘wer im Auftrag und Namen eines anderen handelt’ (17. Jh.). Stellung f. ‘das Stellen, Körperhaltung, Stand, Anordnung, Lage, Amt, Posten, militärisch befestigter Punkt bzw. Abschnitt’, mhd. stallunge, stellung; vgl. stellungslos (Ende 19. Jh.). Stellage f. ‘Gerüst, Gestell’, Übernahme (16. Jh.) von nl. stellage ‘Bau- oder Schaugerüst’, einer Bildung mit frz. Endung zu mnl. stellen (s. oben). abstellen Vb. ‘etw. abschaffen, beseitigen’ (15. Jh.), ‘niedersetzen’ (16. Jh.), ‘außer Betrieb setzen, abschalten, auf etw. abzielen’ (18. Jh.). anstellen Vb. ‘nahe woran stellen, lehnen, in eine Stelle, ein Amt einsetzen, bewerkstelligen, unternehmen, anstiften, zum Fließen, Strömen bringen’, reflexiv ‘sich anreihen’, mhd. anestellen ‘einstellen, aufschieben’; Angestellter m. ‘in einem abhängigen Arbeitsverhältnis Stehender’ (Anfang 19. Jh.); Anstellung f. ‘Arbeitsverhältnis, Arbeitsplatz’ (19. Jh.), ‘Einrichtung, Anordnung, Bewirkung’, auch ‘Aufschub’ (15. Jh.), Anstellung machen (17. Jh.) für älteres Anstalt(en) machen (s. ↗Anstalt). ausstellen Vb. ‘anfertigen, öffentlich zur Schau stellen, bemängeln, kritisieren’, auch ‘hinausstellen’ (15. Jh.); Ausstellung f. ‘öffentliches Zurschaustellen einer Sammlung o. ä., Ausfertigung, Bemängelung’ (17. Jh.). bestellen Vb. ‘in Auftrag geben, anfordern, bearbeiten, (eine Botschaft) ausrichten’, ahd. bistellen ‘besetzen, bekränzen’ (9. Jh.), mhd. bestellen ‘von allen Seiten umstellen, besetzen, einsäumen, einstellen, anordnen, besorgen, instand setzen’. entstellen Vb. ‘verunstalten’, mhd. entstellen, auch reflexiv ‘sich verstellen’, eigentlich ‘aus der rechten Stellung oder Form bringen’. herstellen Vb. ‘an einen bestimmten Platz stellen, restaurieren, anfertigen, produzieren’ (16. Jh.); wiederherstellen Vb. ‘in den alten Zustand versetzen, ausbessern, reparieren’ (18. Jh.); Hersteller m. ‘Produzent’ (19. Jh.), anfangs auch ‘Restaurator’; Herstellung f. ‘das Anfertigen, Produktion, Verlagsabteilung für typographische Gestaltung und Kalkulation der Bücher’ (19. Jh.). nachstellen Vb. ‘auflauern, verfolgen’ (16. Jh.; eigentlich Schlingen, Fallen stellen). verstellen Vb. ‘verbarrikadieren, an einen anderen Platz stellen, falsch stellen’, übertragen (reflexiv) ‘sich anders geben, als man ist, etw. vortäuschen’, mhd. verstellen ‘zum Stehen bringen, im Fließen aufhalten, (sich) verwandeln, verunstalten, unkenntlich machen’; Verstellung f. ‘Umstellung, Verunstaltung, (Vor)täuschung’ (15. Jh.). vorstellen Vb. ‘nach vorn stellen, bekannt machen’, reflexiv ‘sich ein geistiges Bild machen’ (16. Jh.); Vorstellung f. ‘das Bekanntmachen, geistiges Bild, Idee, Aufführung, Einwand, Vorhaltung’ (um 1600).

Thesaurus

Synonymgruppe
umlegen · ↗umstellen · ↗verschieben · verstellen
Synonymgruppe
(etwas) heucheln · ↗(sich) geben · (sich) verstellen · machen auf · nur so tun · ↗schauspielern · sich (irgendwie) stellen · ↗simulieren · so tun als wäre man (...) · ↗vorgeben (etwas zu sein) · ↗vortäuschen  ●  (sich) ein ... Mäntelchen umhängen  fig. · so tun als ob  Hauptform · (eine) Show abziehen  ugs. · ↗markieren  ugs. · so tun als sei man (...)  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
rücken · ↗umsetzen · ↗umstellen · ↗verschieben · ↗versetzen · verstellen
Synonymgruppe
anders einstellen · umkonfigurieren · verstellen
Synonymgruppe
blockieren · ↗versperren (mit) · verstellen (mit) · ↗zustellen (mit)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausblick Ausflucht Aussicht Ausweg Außenspiegel Bauzaun Blick Blickachse Bremsbalance Einsicht Fahrersitz Fixierung Fluchtweg Hochhaus Horizont Lehne Lenkrad Neigung Notausgang Realität Rückenlehne Sicht Sichtachse Weg Wesentliche Wirklichkeit Zeiger Zugang elektrisch maskieren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verstellen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dort war es endlich nicht mehr notwendig, sich zu verstellen.
Der Tagesspiegel, 17.11.1998
Nachdem wir erreicht haben, was wir immer wollten, brauchen wir uns auch nicht mehr länger zu verstellen.
Süddeutsche Zeitung, 01.02.1995
Es ging ihm richtig gut, weil er meinte, sich hier, endlich, nicht mehr verstellen zu müssen.
Born, Nicolas: Die Fälschung, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1980 [1979], S. 72
Man darf ihn nicht mit Möbeln verstellen und nicht andere Muster zu ihm konkurrieren lassen.
o. A.: Das Buch vom Wohnen, Hamburg: Orbis GmbH 1977, S. 164
Ich hielt es nun nicht mehr für nötig, mich zu verstellen.
May, Karl: Winnetou IV, Berlin: Neues Leben 1993 [1910], S. 77
Zitationshilfe
„verstellen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verstellen>, abgerufen am 22.01.2019.

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