verstiegen

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungver-stie-gen (computergeneriert)
Grundformversteigen
Wortbildung mit ›verstiegen‹ als Grundform: ↗Verstiegenheit
eWDG, 1977

Bedeutung

überspannt, verdreht, schrullig, spleenig
entsprechend der Bedeutung von versteigen (Lesart 2)
Beispiele:
ein verstiegener Mensch, Idealist
sie machte sich [Dativ] verstiegene Vorstellungen, Erwartungen vom Leben in der Großstadt
sein Benehmen, Stil ist verstiegen
seine Gedanken, Vorschläge waren viel zu verstiegen, als dass man sie hätte ernsthaft diskutieren können
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

steigen · Steigung · Steig · Stieg · Steiger · versteigen · verstiegen
steigen Vb. ‘sich aufwärts bewegen’, ahd. stīgan (8. Jh.), mhd. mnd. stīgen, asächs. stīgan, mnl. stīghen, nl. stijgen, afries. stīga, aengl. stīgan, anord. stīga, schwed. stiga, got. steigan (germ. *steigan) läßt sich mit aind. (tiefstufig) stighnōti ‘schreitet, tritt, steigt’, griech. sté͞ichein (στείχειν) ‘einherschreiten, marschieren, steigen, ziehen, gehen’, air. tīagu ‘schreite, gehe’, lit. steĩgti ‘(be)gründen, errichten’, älter ‘eilen, sich beeilen, hasten’, lett. steigt ‘eilen, beschleunigen’, aslaw. postignǫti ‘hingelangen, erreichen, treffen’, russ. postígnut’ (постигнуть), postigát’ (постигать) ‘ereilen, treffen, begreifen, fassen’ sowie (schwundstufig) aslaw. stьẓa, russ. stezjá (стезя) ‘Pfad’ und vielleicht auch mit lat. vestīgium ‘Fußstapfe, -spur, -sohle’ auf eine Wurzel ie. *steigh- ‘schreiten, steigen’ zurückführen. Steigung f. ‘Erhöhung, Höhenunterschied’, spätmhd. stīgunge (Hs. 15. Jh.). Steig m. ‘Fußweg’, ahd. stīg ‘Pfad’ (Hs. 12. Jh., zuvor schon nidar-, ūfstīg, 9. Jh.), mhd. stīc, mnd. stīch, aengl. stīg, anord. stīgr, schwed. stig. Stieg m. ‘Ersteigung, steiler Pfad, schmaler Fußweg’ (18. Jh.), nhd. Abstraktbildung in Analogie zu seit dem 16. Jh. belegten Ab-, An-, Aufstieg. Vereinzelt belegtes frühnhd. stig (15. Jh.) dürfte noch als undiphthongierte Form (mit langem Vokal) aufzufassen sein. Steiger m. ‘wer steigt, Kletterer’, spätmhd. stīger; in der Bergmannssprache ‘aufsichtführender Bergmann’ (16. Jh.). versteigen Vb. reflexiv ‘zuweit steigen und sich dadurch in Gefahr begeben’ (16. Jh.), vereinzelt spätmhd. verstīgen ‘über etw. steigen und es dadurch verletzen’; übertragen ‘sich vermessen (in Gedanken und Taten)’ (17. Jh.), ‘sich in etw. verrennen’ (18. Jh.); dazu verstiegen Part.adj. ‘überspannt, abwegig’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
extravagant · verstiegen · ↗überspannt
Assoziationen
Synonymgruppe
(künstlich) aufgeregt · ↗dandyhaft · ↗exaltiert · ↗extravagant · ↗exzentrisch · ↗snobistisch · ↗überspannt  ●  verstiegen  geh. · überdreht  ugs. · ↗überkandidelt  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abstraktion Absurdität Ausruf Aussage Behauptung Bemerkung Drohung Feststellung Formulierung Kommentator Lob Polemik Prognose Prophezeiung Satz Superlativ Theologe These Vergleich Vermutung Verschwörungstheorie bis bisweilen dazu gar gelegentlich jüngst sogar soweit Äußerung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verstiegen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nein, so weit versteigt man sich in dieser Stadt nicht.
Der Tagesspiegel, 18.12.2003
Leider darf ich mich dennoch nicht zu der Behauptung versteigen, nun alles zu verstehen.
Die Zeit, 05.06.1964, Nr. 23
Anstatt liebevoll und geduldig eine Schrift einzuüben, versteigt er sich zu figürlichen Darstellungen.
Schalcher, Traugott: Die Reklame der Straße, Wien: C. Barth 1927, S. 97
Er weiß, daß er in diesem Lebenszustand sich nicht versteigen noch abstürzen kann.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 474
Der Künstler, der auf Überlieferungen angewiesen ist, erscheint den Ankömmlingen als Romantiker, wenn nicht als ein verstiegener Narr.
Ball, Hugo: Der Künstler und die Zeitkrankheit. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1926], S. 1213
Zitationshilfe
„verstiegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verstiegen>, abgerufen am 19.03.2019.

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