verstoßen

GrammatikVerb · verstieß, hat verstoßen
Aussprache
Worttrennungver-sto-ßen
Grundformstoßen
Wortbildung mit ›verstoßen‹ als Grundform: ↗Verstoß
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
gegen ein Gesetz verstoßensich gegen ein Gesetz vergehen, ein Gesetz übertreten, verletzen
Beispiele:
er verstieß gegen die Schulordnung, hat gegen die Vorschrift, das Statut, die Disziplin verstoßen
sein Betragen verstößt gegen den Anstand
ein derartiges Verhalten verstößt gegen die Grundsätze der sozialistischen Demokratie
er konnte die Frage, ohne gegen die Wahrheit zu verstoßen (= ohne lügen zu müssen), ruhigen Herzens bejahen
2.
jmdn. aus einer Gemeinschaft ausstoßen, vertreiben
Beispiele:
die Eltern hatten ihre Tochter hartherzig wegen eines Fehltritts verstoßen
jmdn. aus einer Gemeinschaft verstoßen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stoßen · Stoß · Stößel · abstoßen · abstoßend · anstoßen · Anstoß · anstößig · verstoßen · Verstoß · vorstoßen · Vorstoß
stoßen Vb. ‘mit kurzer, heftiger Bewegung an etw. anprallen, etw. mit heftigem Druck in eine Richtung bewegen’. Das stark flektierende Verb ahd. stōʒan (um 800), mhd. stōʒen, asächs. stōtan, mnd. mnl. stōten, nl. stoten, got. stautan (germ. *stautan) und schwach flektierendes anord. stauta führen mit den außergerm. Verwandten aind. tudáti ‘stößt, schlägt, sticht’, air. dotuit ‘fällt’, lat. tundere ‘stoßen, schlagen’, studēre ‘betreiben, streben, trachten’ auf mit Dental weitergebildetes ie. *(s)teud- der nur in Erweiterungen auftretenden Wurzel ie. *(s)teu- ‘stoßen, schlagen’ (s. ↗Stief-, ↗Stock, ↗Stubbe, ↗Stück). Stoß m. ‘kurzer, heftiger Anprall, ruckartige gezielte Bewegung’, ahd. (8. Jh.), mhd. stōʒ ‘Stoß, Stich, Streit’ (germ. *stauti-); auch ‘aufgeschichteter, zusammengestoßener Haufen’ (15. Jh.). Dazu die Wendung sich einen Stoß geben ‘sich ermuntern, aufraffen’ (19. Jh.), älter seinem Herzen einen Stoß geben (18. Jh.), seiner Seele einen Stoß tun (17. Jh.). Stößel m. ‘Werkzeug zum Zerkleinern und Zerstampfen’, ahd. stōʒil (Hs. 12. Jh.), mhd. stœʒel, mit dem Suffix germ. -ila- gebildete Gerätebezeichnung. abstoßen Vb. ‘durch einen Stoß entfernen, absondern, lostrennen, etw. ausscheiden, sich einer Sache oder Person entledigen, zurückweisen’, ahd. abastōʒan ‘herabstoßen, seines Amtes entheben, vertreiben, verdrängen’ (um 1000), mhd. abestōʒen ‘herabstoßen, entfernen, abladen, brechen, absegeln, von der rechten Fährte abweichen’; abstoßend Part.adj. ‘Abneigung, Widerwillen hervorrufend, ekelerregend’ (Ende 18. Jh.). anstoßen Vb. ‘an etw. stoßen, Gläser klingen lassen, Ärgernis verursachen’, ahd. anastōʒan ‘an etw. stoßen, anstürmen, anschlagen’ (9. Jh.), mhd. anestōʒen ‘in See stechen, anzünden, befallen’; Anstoß m. ‘erster, auslösender Stoß, Anprall, Ärgernis’, ahd. anastōʒ ‘Stoß, Anprall, Antrieb’ (11. Jh.), mhd. anstōʒ ‘Angriff, Anfechtung’; anstößig Adj. ‘angrenzend’ (15. Jh.), ‘Ärgernis erregend’ (16. Jh.). verstoßen Vb. ‘jmdn. von sich stoßen, abweisen, sich vergehen, zuwiderhandeln’, ahd. firstōʒan ‘vertreiben, ablehnen, Anstoß nehmen’ (9. Jh.), mhd. verstōʒen ‘stoßen, aus der Richtung bringen, vertreiben, entfernen, sich irren, verirren’; Verstoß m. ‘Verletzung einer Bestimmung, Versehen, Fehler’ (17. Jh.), älter (vereinzelt) ‘Mittel zum Verstopfen von Öffnungen’ (16. Jh.). vorstoßen Vb. ‘nach vorn stoßen’ (15. Jh.), militärisch ‘vordringen, plötzlich angreifen’ (19. Jh.), ahd. furistōʒan ‘in Bewegung setzen, nach vorn stoßen’ (11. Jh.); Vorstoß m. ‘Angriff’ (19. Jh.), älter ‘Hervortretendes’ an Kleidungsstücken, Bauwerken (17. Jh.), ‘das Nachvorngestoßene’, z. B. ‘das Wachs, womit die Bienen den Stock für den Winter verschließen’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ausgestoßen · geächtet · ↗unwillkommen · verachtet · verfemt · verstoßen · ↗vogelfrei
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bruder Ehefrau Ehemann Engel Gattin Geliebte Hund Kind König Liebhaber Schwester Sohn Tier Tochter einst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verstoßen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als sie mit einem anderen schläft, wird sie von ihrer Familie verstoßen und für tot erklärt.
konkret, 1984
Also mußte auch darüber das Volk beschließen, womit in aller Form gegen die Verfassung verstoßen wurde.
Heuß, Alfred: Das Zeitalter der Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 17740
Nach Ansicht der Gegner der Todesstrafe verstößt sie gegen das in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948) festgeschriebene Recht auf Leben.
o. A. [jm]: Todesstrafe in den USA. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1999]
Lear gerät darüber in Zorn und verstößt seine jüngste Tochter.
Fath, Rolf: Werke - L. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 9343
Der Irak ist dabei, auf flagrante Weise gegen die universelle Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen zu verstoßen.
konkret, 1991
Zitationshilfe
„verstoßen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verstoßen>, abgerufen am 22.10.2019.

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