verstockt

Grammatik partizipiales Adjektiv · Komparativ: verstockter · Superlativ: am verstocktesten
Aussprache [fɛɐ̯ˈʃtɔkt]
Worttrennung ver-stockt
Grundform verstocken
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutung

abwertend starrsinnig, in hohem Grade uneinsichtig, unnachgiebig
Synonym zu trotzig (1)
Kollokationen:
als Adjektivattribut: ein verstockter Reaktionär, Konservativer, Sünder, Gegner, Mensch; eine verstockte Haltung; ein verstocktes Beharren, Schweigen, Herz, Volk, Kind
als Adverbialbestimmung: verstockt schweigen, reagieren
Beispiele:
Brillante Köpfe wie Steven Colbert oder Trevor Noiah würden den Präsidenten [Donald Trump] Abend für Abend verspotten, »wir amüsieren uns prächtig, aber nicht einer seiner Wähler wird dadurch von seiner Meinung abgebracht, im Gegenteil, sie fühlen sich verlacht und werden noch verstockter [Süddeutsche Zeitung, 15.10.2018]
Margot Honecker setzte sich nach Chile ab, nachdem ihr [DDR-]Regime untergegangen war. Stur verteidigte sie bis zuletzt Mauerbau und Unrechtsstaat. […] Der Leiter der Stasi‑Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen[…] sagt über sie, sie sei bis zum Tod eine »böse, verstockte Frau« gewesen. [Süddeutsche Zeitung, 17.11.2017]
Alle Prozesse, die heute noch gegen ehemalige NS‑Täter geführt werden, haben es notwendigerweise mit Greisen zu tun. In aller Regel schweigen sie verstockt, verstehen es aber gut, ihre Hinfälligkeit mitleidheischend in Szene zu setzen. [Die Welt, 22.06.2013]
Sicher, auch und gerade die Lehrer stehen unter Leistungsdruck und nervlicher Überanspannung – und sie sind schlecht gerüstet: Ihre Zuwendungsbereitschaft zu bockigen, nervigen, gestörten, verstockten Kindern hat in dem Maße abgenommen, in dem die Pädagogik verwissenschaftlicht und dafür menschlich heruntergekühlt wurde. [Berliner Zeitung, 04.11.2005]
Nirgendwo in Deutschland ist es zwar so schlimm wie in Bremen, und dennoch ist Bremen ein gutes Beispiel für die Missstände im deutschen Schulsystem. Ein krasses Beispiel, aber kein untypisches. Hier unterrichten die ältesten Lehrer der Republik, und ihre Gewerkschaft ist die verstockteste. [Die Zeit, 28.11.2002]
Der zweite Hinweis [für das Wirken Gottes] stellt den Ungläubigen vor Augen, wie Gott an verstockten Völkern in der Vergangenheit gehandelt hat. All diejenigen, die sich von ihren Propheten nicht mahnen ließen und sich weigerten, den Glauben [den Islam] anzunehmen, wurden dem Verderben preisgegeben. Solche Zeugnisse hat Gott lebendig erhalten, damit sie eine eindringliche Mahnung für spätere Völker seien. Nur völlig verstockte Herzen können sich gegenüber solchen warnenden Beispielen blind und taub stellen. [Lexikon des Islam. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 567]
schüchtern, verkrampft, gehemmt, steifDWDS
Beispiele:
R., ein Sportschütze, soll […] in der eigenen Wohnung erst seine Mutter und dann sich selbst erschossen haben. Nachbarinnen beschreiben ihn als »ganz unauffälligen jungen Mann«. Er habe zudem einen »bisschen verstockten Eindruck gemacht« und sei sehr schüchtern gewesen. [Münchner Merkur, 21.02.2020]
Ich kann doch auch nichts dafür, denke ich. Ich bin nun mal so. Für immer. Ich bin jetzt kein irgendwie doch ganz süßer, wenigstens drolliger Junge mehr, sondern ein verstockter erwachsener Mann. Manchmal erschrecke ich mich sogar, wenn meine Frau mich unvermittelt anspricht. [Zeit Magazin, 27.07.2017]
»Gibt es eine Deutschlandkarte des Flirtens? Also Städte, in denen die Männer besonders viel Nachholbedarf haben, und Orte, wo die Meister leben?« Oh, ja. Die Südländer seien am verstocktesten. »In Stuttgart zum Beispiel, da ist es richtig schwer, eine Frau anzusprechen.« [Die Welt, 07.04.2011]
Kommunikative Menschen gelten gemeinhin als innovativer, kreativer und natürlich als viel teamfähiger. […] Im schlimmsten Fall gilt man bei mangelnder Kommunikationsbereitschaft nicht nur als verstockt, sondern gar als arrogant. Nach dem Motto: Der hat’s scheinbar nicht nötig, mit uns zu sprechen; hält sich wohl für ’was Besseres. [Der Tagesspiegel, 23.01.2005]
Die wenigen öffentlichen Auftritte [der japanischen Kronprinzessin] während ihres ersten Jahres am Hof zeigten eine völlig verstockte Frau, die mit gesenktem Haupt und Blick stets dem Kronprinzen auf den Fersen folgte. Die symbolische Bedeutung dieser Auftritte läßt sich kaum überschätzen. [die tageszeitung, 06.06.1994]
Noch verstockter ist Uwe K., ein 20jähriger Bauhelfer. Sämtliche Prozeßbeteiligten haben die größte Mühe, ihm irgendeine verständliche Aussage aus der Nase zu ziehen. [die tageszeitung, 02.10.1992]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stocken1 · Stockschnupfen · verstockt · stockig · Stockfleck
stocken1 Vb. ‘innehalten, nicht vorankommen’, im 16. Jh. als medizinischer Ausdruck ‘dick, fest, steif, starr werden, gerinnen’ (vom Blut) wohl zu dem unter Stock (s. d.) dargestellten Substantiv gebildet (älter mhd. verstocken, s. unten). Als Ausgangsbedeutung ist ‘steif wie ein Stock, wie ein Klotz, bewegungslos werden’ anzunehmen. Danach erweitert von der Funktion des Herzens, des Pulses, des Atems (18. Jh.), der Funktion technischer Geräte (Maschine, Uhr-, Triebwerk, 17. Jh.), vom Gelingen von Unternehmungen und Geschäften (18. Jh.), vom Verkehrsstrom (19. Jh.). Vgl. ins Stocken geraten ‘nicht mehr zügig vorangehen’ (19. Jh.). Stockschnupfen m. ‘nicht fließender, verdickter Schnupfen’ (18. Jh.). verstockt Part.adj. ‘auf etw. versteift, verhärtet, uneinsichtig, unzugänglich’ (16. Jh.), zu mhd. verstocken ‘erstarren’. stockig Adj. ‘durch Feuchtigkeit verdorben, dumpf’ (17. Jh.), eigentlich wohl ‘durch unbeweglich stehende Luft faulend’, vgl. stocken im Sinne von ‘durch Feuchtigkeit verderben, faulen’ (16. Jh.). Stockfleck m. ‘durch stehende Feuchtigkeit entstandener Fleck’ (19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›verstockt‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verstockt‹.

Zitationshilfe
„verstockt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verstockt>, abgerufen am 29.11.2021.

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